Die Luft in Städten ist nicht rein. Mit jedem Atemzug inhalieren wir zahlreiche Teilchen, wie Rußpartikel, Reifen- und Bremsabrieb, Sandkörnchen, Pollen, Mikroplastik, Salzkristalle, Glasstaub. Sie gelten als Feinstaub – auch Schwebstaub oder englisch Particulate Matter genannt –, wenn sie nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine gewisse Zeit in der Atmosphäre schweben.

Klein, aber riskant

Je nach Größe ist Feinstaub laut Umweltbundesamt in Fraktionen unterteilt: Unter PM10 versteht man alle Staubteilchen mit einem Durchmesser kleiner als zehn Mikrometer. Daneben gibt es die Feinfraktion im Größenbereich von 2,5 Mikrometern und die ultrafeinen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometern.

Als Stadt mit der dreckigsten Straße Deutschlands gilt Stuttgart. Dort dürfen auf manchen Straßen ab 2018 keine Dieselfahrzeuge mehr fahren, wenn zu viele Partikel umher schwirren. Doch der Autoverkehr ist nicht allein verantwortlich für den Schmutz in der Luft. Andere menschengemachte Quellen sind Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, der Schüttgutumschlag, die Tierhaltung sowie bestimmte Industrieprozesse. Auch Kerzen, schlecht gewartete Staubsauger oder ein offener Kamin setzen Feinstaub frei. Laut einer Berechnung italienischer Forscher erzeugt das Rauchen einer einzigen Zigarette so viel Feinstaub wie ein Dieselmotor ohne Filter, der eineinhalb Stunden läuft (BMJ: Invernizzi et al., 2004). Zu den natürlichen Quellen zählen Emissionen aus Vulkanen, Waldbrände sowie Sporen von Bakterien.

Am Stuttgarter Neckartor ist der Verkehr für die Hälfte der Feinstaubbelastung verantwortlich, wie DIE ZEIT berichtet hat (Nr. 17/2016): "Rund ein Viertel stammt aus Holzkaminen und anderen Feuerungsanlagen, der Rest verteilt sich auf Landwirtschaft, Pollen sowie Staub von Baustellen, aus der Schüttgutverladung und anderen Quellen."

Ebenfalls wichtig zu wissen, wenn man das Fahrverbot von Dieselautos diskutiert: Abgas nimmt bei den Verkehrsemissionen nur Platz zwei ein. Der meiste Feinstaub entsteht dort durch Abrieb von Kupplungen, Bremsbelägen und Reifen. Vor allem schwere Laster wirbeln den Feinstaub, der sich bereits auf und neben der Straße abgelagert hat, immer wieder hoch. 

Nur Stickoxide gelten als gefährlicher

In Deutschland verschmutzen Stickoxide zu großen Teilen die Luft. Manchmal werden sie ebenfalls als Feinstaub bezeichnet, per Definition aber bilden sie eine eigene Gruppe (siehe Infobox). Giftig sind die Partikel der Gasmischung, kurz NOx, in jedem Fall. In der Stadtluft gelten Stickoxide als größte Gesundheitsgefahr. Sie entstehen überall dort, wo etwa Öl, Holz, Kohle oder Gas verbrannt werden. Schuld seien in den Städten aber vor allem alte Diesel-Autos, sagte kürzlich Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamtes. Auf den Straßen entstehe so der Schadstoff Nummer eins: Stickstoffdioxid oder NO2.

Besonders gesundheitsschädlich sind kleinste Partikel, ganz gleich ob sie nun als Feinstaub oder Stickoxid bezeichnet werden. Überall dort, wo sich besonders viele Staubteilchen in der Luft konzentrieren, ist die Zahl tödlich verlaufender Schlaganfälle, Herzleiden und Atemwegserkrankungen wie Asthma erhöht. Das haben verschiedene epidemiologische Studien aus aller Welt gezeigt (siehe etwa Hum Exp Toxicol: Schwarze, Ovrevik & Låg, 2006 & Environmental pollution: Kampa & Castanas, 2008).

PM10 kann beim Menschen in die Nasenhöhle eindringen, PM2,5 bis in die Bronchien und Lungenbläschen und ultrafeine Partikel bis in das Lungengewebe und sogar in den Blutkreislauf. Die Folgen reichen von Atemwegsentzündungen über Thrombosen bis hin zu Lungenkrebs (siehe etwa International Journal of Environmental Health Research: Kloog, 2016 & Environ Health Perspect: Gharibvand, Lida, et al., 2016 & Environmental Health: Baxter, Crooks & Sacks, 2017).

2015 waren Forscher mit einer Modellrechnung zu dem Ergebnis gekommen, dass 34.000 Deutsche, die im Jahr 2010 einer Erkrankung erlagen, ohne die Feinstaubbelastung noch leben könnten (Nature: Lelieveld et al., 2015). Laut einer Statistik des Umweltbundesamts starben damals 45.000 Menschen an den Folgen der Feinstaubbelastung. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2014: Damals gab es hierzulande demnach 41.100 vorzeitige Todesfälle aufgrund schmutziger Luft.

Am Beispiel Brasilien wiederum hatten andere Wissenschaftler im selben Jahr gezeigt, dass Menschen länger leben, wenn Feinstaubquellen versiegen (Nature Geoscience: Reddington et al., 2015). Den Berechnungen zufolge hatte die Partikelbelastung in Südamerika seit 2004 deutlich abgenommen, was jährlich bis zu 1.700 Todesfälle verhindert habe.