Ein Problem all dieser Daten: Weil die Luftqualität nicht überall durchgehend überwacht wird, lässt sich die Luftverschmutzung nur schwer quantifizieren. Außerdem ist bis heute nur unzureichend erforscht, wie Feinstaub genau Gesundheitsschäden verursacht. Auch welche Konzentration und Zusammensetzung besonders riskant sind, ist kaum bekannt (Nature: Jerrett, 2015).

Die Hinweise darauf, dass Feinstaub die Gesundheit beeinträchtigt, sind aber so stark, dass es seit einigen Jahren europaweit Auflagen gibt. Wie die Luft zu kontrollieren ist und welche Grenzwerte einzuhalten sind, ist in der EU-Richtlinie 2008/50/EG grundlegend geregelt.

Ihr Fokus liegt auf den großen Teilchen, PM10. Von ihnen dürfen in Europa an höchstens 35 Tagen im Jahr mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft sein. Der zulässige Jahresmittelwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert hingegen weltweit eine Begrenzung auf maximal drei statt 35 Tage – ein Ziel, das 2015 in Deutschland nur an einem knappen Viertel aller Messstationen erreicht wurde. Zudem will die WHO Grenzwerte, die gerechnet auf 365 Tage im Jahr im Mittel nicht mehr als 20 Mikrogramm Schwebeteilchen pro Kubikmeter Luft pro Tag zulassen.

Der Grenzwert für PM2,5 liegt in Europa bisher bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel. Laut Expertenmeinung ist das noch deutlich zu hoch. Ab dem 1. Januar 2020 dürfen die PM2,5-Jahresmittelwerte den Wert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht mehr überschreiten – auch das ist laut mancher Gesundheitsforscher noch zu viel. Die WHO empfiehlt eine Begrenzung auf die Hälfte.

Feinstaub, perfekt eingekesselt

Im Winter sammelt sich Feinstaub besonders häufig in der Luft. Ein natürlicher Grund sind besondere Wetterlagen, die den Luftaustausch hemmen. Normalerweise ist die Luft am Boden warm und wird nach oben hin kälter. Das Gegenteil ist bei Inversionswetterlagen der Fall: Eine kalte Luftschicht findet sich am Boden und wird von einer warmen eingeschlossen, Feinstaub und andere Schadstoffe damit ebenfalls.

Sonderfall Stuttgart

In Stuttgart kommt eine weitere Besonderheit hinzu. Die Stadt liegt in einem Talkessel, dort staut sich Luft mehr als andernorts. Seit 2016 rufen Behörden dort daher regelmäßig einen Feinstaubalarm aus – freiwillig. Das selbst gesetzte Ziel: "Gemeinsam für saubere Luft". Sobald der Deutsche Wetterdienst an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert – wenn es also nicht regnet und kaum Wind geht, weshalb die schmutzige Luft sich im Talkessel staut – sind die Stuttgarter und Pendler aus der Region gebeten, "das Auto möglichst nicht zu nutzen und auf umweltfreundliche Alternativen umzusteigen".

Doch verändert hat sich in der Stadt dadurch bisher kaum etwas. Allein in diesem Jahr ist der Grenzwert bis zum 21. Februar schon mehr als 20 Mal überschritten worden. Auch das für 2018 geplante Fahrverbot für Dieselautos an Tagen mit extrem hoher Schadstoffbelastung ist nach Einschätzung des Umweltbundesamts eine Maßnahme, die in Stuttgart kaum etwas bringen wird. Derzeit experimentiert die Stadt mit einer Wand, die mit Moos bewachsen ist und die Luft filtern soll.

Es reicht nicht, nur auf Autos zu schauen

Bundesweit haben viele kleine Maßnahmen über Jahrzehnte die Luft verbessert (Umweltbundesamt, 2014). Es gibt zahlreiche Luftreinhalte-, Luftqualitäts- und Aktionspläne, aktuell mehr als 150. Da wird der Verkehr reguliert, Ampelphasen werden verändert, Umweltzonen eingerichtet, Rußfilter eingebaut und mehr Tempo-30-Zonen eingerichtet. Auch jetzt wieder wird den Menschen empfohlen: Fahrt Bus und Bahn oder noch besser Fahrrad – und wenn schon Auto, dann eins, das wenig Benzin verbraucht und einen Katalysator hat. Wenn es ein Diesel ist, bitte mit Partikel- und Stickoxidfilter nach Euro 6-Norm.

Nur zielt all das allein auf den Straßenverkehr ab. Zu kurz gedacht. Wer wirklich dauerhaft saubere Luft will, muss alle Dreckquellen im Blick haben. Immerhin hat man in Stuttgart erkannt: Auch das Verbrennen von Holz, Briketts oder Öl aus Kaminöfen ist ein Problem. Seit diesem Monat ist es an Tagen, an denen Feinstaub-Alarm herrscht, dort verboten, nur für die Gemütlichkeit den Kamin anzufeuern. Geheizt werden darf mit Öfen und Kaminen nur dann, wenn es keine andere Heizung gibt. Was ein neuer Kaminofen anrichtet, der eine Stunde feuert? Dasselbe wie 100 Kilometer Autofahren.