Die Umstellung auf die Sommerzeit am letzten Märzwochenende ist nach Einschätzung von Experten kein harmloser Vorgang, sondern habe ernsthafte Konsequenzen. Die Zeitumstellung greife in den normalen Schlaf-wach-Rhythmus ein und "trägt damit zur Schlafkrise der Gesellschaft bei", sagte Jens Acker, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin, Bad Zurzach, der ZEIT. Die Umstellung auf die Sommerzeit sei eine zusätzliche Belastung im durchgetakteten Alltag, in dem viele Menschen zu wenig schliefen.

Auch der Chronobiologe Till Roenneberg kritisiert die Zeitumstellung. "Die Sommeruhrenumstellung wirft uns teilweise drei bis vier Wochen zurück", sagt der Forscher von der Ludwig-Maximilians-Universität in München der ZEIT. Sie störe den Körper bei der Anpassung der inneren Uhr an den früheren Sonnenaufgang. Um sich an die Sommerzeit zu gewöhnen, empfiehlt Roenneberg, nachts kein Licht und tagsüber möglichst viel Licht von draußen zu bekommen

Den Forschern zufolge können Schlafstörungen eine Nebenwirkung der Zeitumstellung sein. Grundsätzlich gilt ein dauerhaftes Leben gegen die innere Uhr mittlerweile als Krankheitsrisiko. Schlafstörungen können aber auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie, oder Depressionen und Angstzustände.

Der Krankenkasse DAK zufolge wird das Problem in der Gesellschaft unterschätzt. Sie hat einen Gesundheitsbericht veröffentlicht, demnach sehr viele Deutsche mit Schlafstörungen zu kämpfen haben. So hätten heute zwei Drittel mehr Arbeitnehmer zwischen 35 und 65 Jahren Schlafstörungen als noch vor sieben Jahren. Vier von fünf befragten Erwerbstätigen hätten von Schlafproblemen berichtet. Fast die Hälfte sei bei der Arbeit müde.

Die Mehrheit der Betroffenen geht nicht zum Arzt

Zudem sei fast jeder zehnte Arbeitnehmer von schweren Schlafstörungen, sogenannten Insomnien, betroffen. Auch diese Zahl sei deutlich höher als früher. Zu den Folgen von Insomnien zählen der DAK zufolge Tagesmüdigkeit und Erschöpfung.

"Die zunehmenden Schlafstörungen in der Bevölkerung sollten uns wachrütteln", sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Die Beschwerden müssten ernst genommen werden, weil chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit schade und unter anderem das Risiko für Depressionen und Angststörungen erhöhe. Der Studie zufolge nehmen vor allem Betroffene ihr Problem nicht ernst genug. Die große Mehrheit versuche, allein mit den Schlafstörungen zurechtzukommen und gehe nicht zum Arzt. Nur knapp jeder zwanzigste Erwerbstätige sei im vergangenen Jahr deswegen in eine Praxis gegangen.