Zuerst die gute Nachricht: Wer einen Hund hat, lebt gesünder. Jedenfalls, was Fitness und Psyche angeht. Dackel, Dogge, Dalmatiner, Dobermann – sie alle zwingen zum Gassigehen, das ist sogar gut fürs Herz, belegen Studien (Clinical and Experimental Pharmacology and Physiology: Arhant-Sudir et al, 2011). Ein weiteres bemerkenswertes Forschungsergebnis: Alleinstehende Frauen mit Hund ereilt seltener eine Depression – nur ein Beispiel dafür, wie Hunde die Seele des Menschen streicheln.

Nur ist das eben nicht die ganze Wahrheit: Wer seinen Hund zu innig liebt, muss damit rechnen, sich fiese Bakterien oder Parasiten einzufangen – und das hat nicht immer etwas damit zu tun, ob der Hund krank oder dreckig ist. Im saubergeleckten Napf, im schlabberigen Kuss und natürlich auch in der Hundekottüte vom Spazierengehen lauern sie: unsichtbare Erreger.

Als Krankheitsüberträger ist der Hund nicht allein. Fledertiere, darunter Flughunde, gelten als die wohl größten Dreckschleudern im Tierreich – in ihnen schlummern Masern- und Mumpserreger und sogar das tödliche Ebola-Virus. Auch Vögel und viele Nagetiere sind dafür bekannt, für Menschen riskante Keime zu verbreiten.

Drei Viertel aller Krankheiten stammen vom Tier

Bis zu drei Viertel aller menschlichen Erkrankungen sind Zoonosen, kommen also ursprünglich vom Tier, schätzen Wissenschaftler. Aber wie viele davon überträgt der Hund? "Darüber gibt es keine systematischen Studien", erklärt Kai Michaelis vom Robert Koch-Institut. "Wir wissen aber, dass der Hund viele verschiedene Erreger übertragen kann, zum Beispiel das Bakterium Campylobacter, das Durchfall verursacht."

Jedes Jahr infizieren sich mehr als 70.000 Bundesbürger mit diesen korkenzieherförmigen Keimen. Diese Bakterien tummeln sich nicht nur häufig auf Masthähnchenfleisch aus dem Supermarkt, auch mehr als zehn Prozent aller Hunde in Deutschland tragen sie in sich. Ärzte aus den USA schätzen sogar, dass die Hälfte aller Hunde damit befallen ist (Microbiology Spectrum: Jacob & Lorber, 2015). Das größte Risiko bergen ausgerechnet die süßen Welpen, mit denen wir am liebsten kuscheln.

Und nicht nur die Haustiere, auch ihr Futter kann voller Keime stecken. Wer sich die Hände nicht wäscht, nachdem er das getrocknete Schweineohr aus der Verpackung gepult hat, steckt sich leicht mit Salmonellen an.

Hundehalter sind häufiger mit Krankenhauskeimen infiziert

Infektionen mit Salmonellen und Campylobacter können unangenehm sein – meist bekämpft die körpereigene Abwehr sie aber erfolgreich. In schweren Fällen kommen Antibiotika zum Einsatz. Anders ist das bei multiresistenten Keimen, Bakterien also, die kaum noch auf eine Therapie mit solchen Medikamenten ansprechen. An Infektionen mit solchen antibiotikaresistenten Bakterien, häufig Krankenhauskeime genannt, sterben in Deutschland jährlich schätzungsweise mehrere Tausend Menschen. Und ausgerechnet sie können auch das Maul von Hunden kolonisieren und so alle, die mit den Tieren in Kontakt kommen, anstecken. Eine Studie ergab, dass Menschen, die ein Haustier haben, sechsmal häufiger von einer besonders resistenten Form des Bakteriums E. coli, die sich ESBL nennt, besiedelt sind, als andere Menschen (Infection: Meyer et al, 2012).

Angst davor, einen Hund zu halten? Die müsse man in Deutschland nicht haben, beruhigt Martin Pfeffer, Professor für Tiermedizin in Leipzig. Ganz im Gegenteil: "Der Nutzen überwiegt das Risiko bei Weitem". Auch wenn es keine genauen Studien gibt, die zeigen würden, wie häufig sich Hunderhalter hierzulande gefährliche Krankheiten bei ihrem Tier holen: Er ist überzeugt, dass die Gefahr nicht besonders hoch.