Raucher haben es in Deutschland schwer, die Zigarette ist in den meisten Kneipen seit zehn Jahren verboten – mehr oder weniger strikt zwar, aber aus gutem Grund. Denn Rauchverbote helfen Rauchern, aufzuhören, halten Jugendliche davon ab, überhaupt erst anzufangen und retten somit Leben (PloS One: Stallings-Smith et al., 2013).

Trinker hingegen bleiben in der Öffentlichkeit nahezu unbehelligt, obwohl Alkohol weltweit enormen Schaden anrichtet. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass mehr als jeder zwanzigste Todesfall auf Bier, Wein und Schnaps zurückzuführen ist. Das entspricht mehr als drei Millionen Toten jedes Jahr. Ist es deshalb Zeit, Alkohol aus der Öffentlichkeit zu verbannen? Könnte genauso effektiv Menschen schützen, wie ein Rauchverbot?

In Deutschland versuchen einige Städte bereits, Alkohol von der Straße zu holen. Seit 2011 dürfen Fahrgäste in Hamburg etwa keine alkoholischen Getränke mehr mit in Bus und Bahn nehmen. Seit Mitte Mai diesen Jahres darf in der Duisburger Fußgängerzone kein Alkohol mehr getrunken werden. Und seit dem 1. Juni wiederum ist Cottbus der Innenstadtbereich ganz offiziell öffentlich suff-frei. Testweise zumindest. Wer sich widersetzt, muss Strafe zahlen. Nach ein paar Monaten wolle man Bilanz ziehen, teilten die Städte mit.

Tatsächlich hat bisher kaum jemand nachgerechnet, wie viele Leben sich mit einem expliziten Alkoholverbot retten lassen – auch nicht in den USA und Australien, die diese schon seit Längerem durchsetzen. Der Grund: An den meisten Orten geht es weniger um die Gesundheit der Bevölkerung, sondern darum, die öffentliche Ordnung herzustellen. Heißt: Dass ein Vollrausch schädlich ist für den Körper, möge ja sein. Die australischen Erstsemester-Studenten sollen aber bitte vor allem aufhören, marodierend um die Häuser zu ziehen, und die Menschen in Duisburg und Cottbus sich vor Pöbeleien Trunkener in Sicherheit wissen.

Die Australierin Amy Pennay aus Melbourne ist eine der wenigen, die solche Verbote wissenschaftlich begleitet hat. Ihrer Erfahrung nach habe die Prohibition nicht dazu geführt, dass weniger Alkohol getrunken wurde. Stattdessen habe man Trinker aus der Öffentlichkeit bloß ins Private gedrängt: "Obdachlose und Indigene mit einem Alkoholproblem mussten mitunter Strafen bezahlen, für die sie das Geld nicht aufbringen konnten, und wurden aus den Stadtzentren vertrieben", sagt die Gesundheitswissenschaftlerin. Daheim aber fehlt die soziale Kontrolle – niemand passt mehr auf, wie viele Gläser zu viel es am Ende eines Abends waren.

Ein Alkoholverbot im Stadion ist sinnvoll

Es sei entscheidend, wo genau Alkohol eingeschränkt wird, sagt Pennay. Statt ein allgemeines Verbot für die Innenstadt auszusprechen etwa, gelte es, so gezielt wie möglich vorzugehen. Verboten in Sportstadien oder dem öffentlichen Nahverkehr können nämlich durchaus ein Dienst an der Gesundheit sein.

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Das zeigen die Erfahrungen der Fußball-Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden, erklärt Jürgen Rehm, Professor für Suchtforschung an der Universität Toronto, der seit Jahrzehnten die gesundheitlichen Folgen des Trinkens erforscht. "In Belgien war Alkohol während der Spiele erlaubt, in den Niederlanden nicht. Und in Belgien gab es viel mehr Gewalt." Auch andere Studien weisen auf diesen Zusammenhang hin: Ein Alkoholverbot in der Londoner U-Bahn zum Beispiel verringerte die Anzahl der Angriffe auf Servicemitarbeiter um 15 Prozent.