Eltern in Italien müssen ihre Kinder künftig impfen, ansonsten drohen ihnen Strafen. Die italienische Regierung hat ein Gesetz erlassen, das Impfen zur Pflicht macht. Wie Ministerpräsident Paolo Gentiloni mitteilte, gilt die Impfpflicht für zwölf Krankheiten. Darunter sind etwa Masern, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Windpocken.

Wenn ein Kind bis zum Alter von sechs Jahren nicht geimpft ist, wird es in Zukunft nicht in Krippen, Kindergärten oder Vorschulklassen aufgenommen. Eltern von nicht geimpften, schulpflichtigen Kindern ab sechs Jahren müssen hohe Bußgelder zahlen.

Mit dem Gesetz reagiert die Regierung auf eine Masernepidemie, die in Italien seit Anfang des Jahres grassiert. Bis Mitte Mai wurden 2.395 Fälle registriert, das sind 860 mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Etwa neun von zehn Kranken waren nicht geimpft.

Opposition sieht "Geschenk für die Pharmaindustrie"

Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin hatte seit Wochen für die gesetzliche Impfpflicht gekämpft. Widerstand kam vor allem von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung. Sie sieht in dem Gesetz ein "Geschenk für die Pharmaindustrie". Lorenzin hingegen sprach von einer "sehr starken Botschaft an die Bevölkerung".

Masern verlaufen meist harmlos, können aber tödlich enden. Während der letzten großen Masernepidemie in Italien 2002 waren 18.000 Fälle registriert worden. 15 Menschen starben an der Krankheit.

Sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik hatte es zu bestimmten Zeiten gesetzliche Impfpflichten gegen unterschiedliche Krankheiten gegeben. Heute gibt es keine Impfpflicht mehr. Allerdings wird über ihre Einführung seit Langem diskutiert. Die FDP etwa fordert eine allgemeine Impfpflicht für alle Kinder bis 14 Jahre. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte Mitte April, dass Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen entscheidend zu einem Anstieg von Masernerkrankungen beigetragen hätten. Bis Mitte April wurden im laufenden Jahr in Deutschland 410 Fälle von Masernerkrankungen registriert. Das sind mehr als im gesamten Vorjahr. 2016 hatte es 325 registrierte Fälle gegeben.