In Deutschland werden auch in Zukunft nur unter besonderen Voraussetzungen Gentests von Eizellen, die außerhalb des Mutterleibs befruchtet wurden, erlaubt sein. Das Verwaltungsgericht München gab einer Ethikkommission recht, die beim bayerischen Gesundheitsministerium angesiedelt ist und einer von einer Frau beantragte Präimplantationsdiagnostik (PID) im vergangenen Jahr abgelehnt hatte.

Die Frau wollte ihre befruchteten Eizellen untersuchen lassen, weil sie Trägerin einer Erbkrankheit ist und diese nicht an ihr Kind weitergeben wollte. Im Januar des vergangenen Jahres hatte sie die PID beantragt, im März erhielt sie die Ablehnung. Die Ethikkommission hatte entschieden, dass die Erkrankung der Frau nicht schwer genug sei. Das Verfahren war das bundesweit erste seiner Art.

Bereits 2011 hatte der Bundestag das Thema kontrovers diskutiert und letztlich ein Gesetz verabschiedet, das die PID grundsätzlich verbietet. Erlaubt ist sie nur Paaren, bei denen beide eine Veranlagung für eine schwere Erbkrankheit in sich tragen oder das Risiko einer Fehlgeburt sehr groß ist. Die Untersuchungen dürfen nur an staatlich anerkannten PID-Zentren stattfinden. Ob die Voraussetzungen erfüllt sind, darüber entscheiden zuvor eigens eingerichtete Ethikkommissionen.

Jeder Fall wird individuell beurteilt

Die für Bayern zuständige Ethikkommission wurde 2015 gegründet. Kritiker befürchten, dass die Kommissionen regional sehr unterschiedlich entscheiden und dass es keine klaren Kriterien dafür geben könne, was etwa eine schwere Erbkrankheit ausmache. Prinzipiell gilt, dass jeder Fall individuell entschieden wird. Der Gesetzgeber hat darauf verzichtet, eine Indikationsliste aufzustellen, in der Krankheiten aufgeführt werden, die eine PID ermöglichen würden.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung sind allein beim Verwaltungsgericht München sechs bis sieben Fälle mit ähnlicher Problemstellung anhängig. Die Klägerinnen dort müssen sich jetzt entscheiden, ob sie auf das Urteil in der Berufung warten wollen oder ihren Rechtsstreit selbst vorantreiben.   

Die PID ist seit Langem umstritten: Befürworter sehen in ihr eine zeitgemäße und sinnvolle Vorverlegung der Pränataldiagnostik zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Ihre Gegner fürchten ein "Instrument der Selektion", mit dem zwischen "wertvollem und minderwertigem Leben" unterschieden wird. Sie sehen das Recht des ungeborenen Kindes in Gefahr und fürchten, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sogenannte Designerbabys künstlich erzeugt werden.