Mehr als 50.000 Menschen brechen in Deutschland jedes Jahr zusammen, weil ihr Herz aufgibt. Entweder regt es sich gar nicht mehr oder es beginnt wie wild zu zucken. Bei einem solchen Kammerflimmern kann sich das Herz nicht mehr kontrolliert zusammenziehen und Blut in die Gefäße pumpen. Das führt dazu, dass kein sauerstoffreiches Blut mehr durch den Körper fließt. Jetzt zählt jede Minute. Das Hirn ist das erste Organ, das leidet. Nach wenigen Sekunden wird der Betroffene bewusstlos, nach drei bis fünf Minuten beginnen die Hirnzellen zu sterben. Mit jeder Minute, die verstreicht, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. In vielen Ländern, gerade fernab von Städten, aber brauchen Notärzte oft lange, um am Unfallort zu sein.

Jetzt berichten schwedische Forscher, dass Drohnen die Wartezeit auf den Notarzt überbrücken könnten. Sie sind beladen mit Defibrillatoren, die das Herz mit einem Elektroschock wieder in den richtigen Rhythmus bringen sollen. Ihre vielversprechenden Ergebnisse haben die Wissenschaftler um Andreas Claesson vom Karolinska-Institut in Stockholm diese Woche in der Zeitschrift JAMA (Claesson et al., 2017) veröffentlicht.

Sie haben die Studie in der Nähe von Stockholm durchgeführt. "Hier machen Tausende Schweden im Sommer Urlaub", sagt Claesson. "Aber weil der Notarzt im Schnitt 20 Minuten braucht, um vor Ort zu sein, sterben fast alle Menschen, die einen Herzstillstand erleiden." Die Drohnen, die von einer Rettungsstation abhoben, brauchten hingegen nur etwas mehr als fünf Minuten. Zwar simulierten die Forscher ihren Test zunächst nur, es waren also keine echten Patienten involviert. Aber Claesson und seine Kollegen hatten die Drohnen gezielt in Vorgärten von Menschen landen lassen, die schon einmal einen Herzstillstand hatten. So sollte der Flug und die Landung der Drohnen besonders realistisch simuliert werden.

Fliegen also bald auch in Deutschland Drohnen mit 75 Kilometern pro Stunde über Seen, Wälder und Hochhäuser, um Defibrillatoren zu liefern? Könnten dadurch jährlich viele Menschenleben gerettet werden? Bernd Böttiger, Professor für Anästhesie an der Kölner Uniklinik und Vorsitzender des Rats für Wiederbelebung, hat da seine Zweifel. Er findet die Studie zwar interessant, merkt aber an: "In Deutschland braucht der Notarzt im Schnitt ungefähr acht Minuten, in großen Städten oft weniger. Drohnen mit Defibrillatoren können also nur die Kür der Kür sein." Viel wichtiger, betont Böttiger, sind sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen: "Jeder Mensch hat zwei Hände, die Leben retten können."

Wenn ein Ersthelfer sofort mit der Herzdruckmassage beginnt, steigen die Überlebenschancen ganz erheblich. Denn wenn der Brustkorb und das Herz zusammengedrückt werden, gelangt Blut aus dem Herzen in den Körper. Fast so, als würde das Herz weiterschlagen. Zusätzlich dazu, kann im Einzelfall ein automatischer externer Defibrillator (AED) helfen.