Die Welt wird immer dicker. 2,2 Milliarden Menschen, so schätzt das Institute for Health Metrics and Evaluation aus Seattle (IHME), waren 2015 übergewichtig oder sogar fettleibig. Damit habe sich der Prozentsatz adipöser Menschen von 1980 bis 2015 in mehr als 70 Ländern verdoppelt, berichten Forscher im New England Journal of Medicine (The GBD 2015 Obesity Collaborators, 2017).

In den meisten anderen Staaten sei er stetig nach oben gegangen. Insgesamt waren 2015 der neuen Berechnung zufolge etwa 108 Millionen Kinder und 604 Millionen Erwachsene fettleibig. Bereits im vergangenen Jahr war im Magazin The Lancet eine ähnliche Erhebung erschienen (NCD Risk Factor Collaboration, 2016). Weil sie eine andere Methode wählten, kamen die Wissenschaftler darin auf leicht höhere Zahlen. Der Lancet-Studie zufolge waren 2014 gut 640 Millionen Menschen ab 18 Jahren fettleibig. Der Trend beider Schätzungen ist aber eindeutig.

Während sich der Anstieg der Dicken unter Erwachsenen inzwischen etwas verlangsamt, nimmt die Rate übergewichtiger Kinder weiterhin stark zu. Das ist ziemlich ungesund, verkürzt das Leben und verlängert chronisches Leiden. "Übermäßiges Körpergewicht ist eines der schwerwiegendsten Gesundheitsprobleme der Gegenwart und betrifft fast jeden dritten Menschen", sagte der Wissenschaftler Ashkan Afshin vom IHME.

Kürzeres Leben, häufiger Krebs und Diabetes

Ob jemand unter-, normal- oder eben übergewichtig ist, wird meist über den Body Mass Index (BMI) ermittelt. Diese einfache Kennziffer ist leicht zu berechnen. Man teilt sein Körpergewicht (in Kilogramm) durch seine Größe (in Metern) zum Quadrat. Wer so auf einen BMI von über 25 kommt, gilt als übergewichtig. Ein BMI ab 30 heißt fettleibig oder adipös. Dabei ist der BMI nicht unumstritten: Wer viele Muskeln hat, die schwerer sind als Fett, gilt oft als übergewichtig, lebt aber nicht zwingend ungesünder. Und auch die Verteilung des Fettes spielt eine wichtige Rolle: Die Birnenform mit ordentlichen Hüftpolstern gilt als gesünder als die Apfelform mit ausladendem Bauch. Dennoch lässt sich im Mittel festhalten: steigt der BMI, werden auch Gesundheitspobleme häufiger.

Studien konnten zeigen, dass die Lebenserwartung mit zunehmendem Gewicht abnimmt. Wer einen BMI von 30-35 hat, lebt im Schnitt 2-4 Jahre weniger, ab einem BMI von 40 verkürzt sich das Leben sogar um bis zu zehn Jahre (Lancet: Prospective Studies Collaboration, 2009). Die Forscher der aktuellen Studie errechneten zudem, dass 2015 weltweit vier Millionen Menschen an den Folgen ihres Übergewichts starben. Zwei Drittel von ihnen erlagen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, gefolgt von Diabetes mit etwa 15 Prozent sowie chronischen Nierenerkrankungen und Krebs mit jeweils unter 10 Prozent.

Unter den 20 bevölkerungsreichsten Staaten führt Ägypten die Rangliste der Länder mit dem höchsten Anteil übergewichtiger Menschen an. Dort sind mehr als ein Drittel der Erwachsenen fettleibig. In den USA hingegen ist der Anteil der fettleibigen Kinder besonders hoch: Rund 13 Prozent. Besonders selten ist die Fettleibigkeit dagegen in Bangladesch und Vietnam, aber auch in Subsahara-Afrika, wo die Menschen eher an Unterernährung leiden. Die höchsten BMI-Werte im Bevölkerungsdurchschnitt erreichen Inselstaaten wie etwa Nauru, Tonga oder Tuvalu. Allerdings führt dies leicht in die Irre, da nur wenige Menschen hier leben. Nauru im Pazifik etwa ist die kleinste Republik der Welt – mit nur rund 10.000 Einwohnern.    

Auch ein leichtes Übergewicht kann gefährlich sein

Was bei den Ergebnissen besonders überraschte, war, dass 40 Prozent der Todesfälle auf Menschen entfiel, die nur übergewichtig (BMI: 25-30) und nicht fettleibig (BMI größer als 30) waren. Lange war man davon ausgegangen, dass ein leichtes Übergewicht sogar ganz gesund sein könne. Seit einigen Jahren aber beginnen Forscher daran zu zweifeln: Erst vor kurzem fanden Wissenschaftler, dass auch ein leichtes Übergewicht gesundheitsschädlich ist (Lancet: The Global BMI Mortality Collaboration, 2016). Auch die neuen Daten lesen sich so: Am gesündesten waren hier die Normalgewichtigen mit einem BMI von 20-25. 

Ernährung - Die Welt nimmt zu Fast jeder dritte Mensch ist übergewichtig, die Zahl der Fettleibigen steigt. Mit regionalen Unterschieden © Foto: Theo Ruby, AFP/Getty Images

Dass der Anteil Fettleibiger an der Weltbevölkerung zunimmt, erklärt sich Frank Jakobus Rühli von der Universität Zürich damit, dass es heute leichter sei übermäßig Kalorien aufzunehmen. US-Amerikaner zum Beispiel geben seit Jahrzehnten immer mehr Geld aus, um auswärts zu essen, statt selbst zu kochen. Gleichzeitig, sagt Rühli, der an der Studie beteiligt gewesen ist, sinke bei vielen Menschen der Energieverbrauch. Deshalb raten Mediziner fettleibigen Menschen, ihre Ernährung umzustellen und Sport zu treiben. Das verhindert viele der Erkrankungen, die ihnen drohen. Dabei geht es nicht immer darum, massiv abzuspecken. Oft reicht es schon, ein paar Kilo zu verlieren, um das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Diabetes deutlich zu senken.