In den USA ist erstmals eine Gentherapie gegen Krebs zugelassen worden. Es sei ein "historischer Schritt", wie die US-Arzneimittelbehörde FDA mitteilte. Mit der Kymriah genannten Therapie des schweizerischen Pharmakonzerns Novartis wird eine Form der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) bei jungen Menschen behandelt – die Therapierten sollten nicht älter als 25 Jahre sein. Zunächst wollen Ärzte ausschließlich Schwerstkranke therapieren, für die es keine anderen Heilungschancen mehr gibt.

Patentinhaber Novartis gab an, Kymriah habe bei einer Studie in 83 Prozent der Fälle binnen drei Monaten Wirkung gezeigt. Getestet wurde die Therapie demnach mit 63 krebskranken Kindern und jungen Erwachsenen, bei denen herkömmliche Therapien keine endgültige Heilung gebracht hatten. Bei 11 von ihnen schlug die Therapie nicht an. Zudem kam die Erkrankung bei 29 Patienten nach sechs Monaten wieder. Insgesamt war diese Art der Behandlung aber erfolgreicher als bisherige konventionelle Therapien.

Für die Car-T-Zell-Therapie werden den Patienten bestimmte Immunzellen entnommen. Diese werden mittels eines sogenannten vitalen Vektors so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und zerstören können. Die CAR-T-Zellen werden vervielfacht und dem Patienten als Infusion wieder verabreicht. Die Gentherapie soll zunächst nur an Spezialzentren angewandt werden, weil sie oft starke Nebenwirkungen mit sich bringt.

"Mit der Möglichkeit, körpereigene Zellen eines Patienten so umzuprogrammieren, dass sie einen tödlichen Tumor angreifen, stoßen wir in neue Dimensionen der medizinischen Behandlung vor", sagte Scott Gottlieb von der FDA. Die Therapie soll in den USA nach Angaben von Novartis 475.000 Dollar kosten, das sind rund 400.000 Euro.

Die Akute Lymphatische Leukämie schreitet sehr schnell fort und ist in den USA bei Kindern die häufigste Blutkrebsart. Pro Jahr werden in den USA etwa 3.100 neue Fälle bei unter 20-Jährigen diagnostiziert. In Deutschland macht ALL fast ein Drittel aller Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus. Nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters erkranken jährlich etwa 450 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 14 Jahren neu. Die Gesamtzahl der Patienten unter 18 Jahren liegt demnach bei jährlich 550 bis 600.

Zulassung steht auch in Europa bevor

In Europa könnte die Gentherapie noch 2017 als Behandlungsmöglichkeit zugelassen werden. Der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) liegen bereits mehrere Anträge vor. In Deutschland würde die Therapie ähnlich viel wie in den USA kosten. Laut Expertenmeinungen könnten hierzulande jährlich einige Tausend schwerkranke Menschen davon profitieren.

Die Forscher versuchen derzeit, auch andere Arten von Krebs, wie Tumore in Brust, Eierstöcken, Lunge oder Brauchspeicheldrüse, mithilfe der aufgerüsteten Immunzellen zu heilen. Dabei haben sie bislang allerdings weniger Erfolg. Feste Tumore sind PEI-Forscherin Jessica Hartmann zufolge schwieriger anzugreifen als Blutkrebs, denn die Zellen müssen sie erst einmal erreichen. Außerdem sei das Milieu, in dem sie sich dann behaupten müssten, ungünstig für diese Zellen. Mehr als 20 verschiedene Car-T-Zeltprodukte werden dazu derzeit klinisch erprobt.