Ihr Partner möchte häufiger Sex als Sie? Oder deutlich seltener? Sie merken, dass Sie ein zwanghaftes Bedürfnis nach Sexualität haben? Oder Sie haben einen sexuellen Übergriff oder sexualisierte Gewalt erlebt? Für all diese Fälle gibt es geeignete Ansprechpartner. Zusammen mit der Sexualtherapeutin Melanie Büttner, die als Ärztin in der Psychosomatischen Klinik am Klinikum rechts der Isar in München arbeitet, hat ZEIT ONLINE eine Auswahl an Rufnummern, Therapeuten-Verzeichnissen und Selbsthilfegruppen erstellt:

1. Psychotherapie oder Sexualtherapie

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten diagnostizieren und behandeln seelische Krankheiten. Sie arbeiten dabei auf zwei Ebenen: Einerseits mittels der Beziehung, die während der Behandlung und Gesprächen zwischen Patient und Therapeut entsteht. Andererseits mithilfe von Reflektionstechniken und praktischen Übungen. Allgemeine Informationen zu Psychotherapie finden Sie beispielsweise auf den Seiten der Bundes Psychotherapeuten Kammer.    

Aktuelle Daten über Anschriften und Qualifikationen aller in Deutschland niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung aufgelistet. Sie können hier gezielt nach Ärzten suchen oder in einem ersten Schritt telefonisch Auskunft erhalten. 

Zudem gibt es mit ifsex und dem netzwerk-sexualtherapie zwei Verzeichnisse von Sexualtherapeuten in Deutschland. Beide Anbieter haben eine Therapeutenliste frei zugänglich veröffentlicht. Im Verzeichnis des Netzwerks lässt sich allerdings nicht nur nach Behandlern suchen – Wer hat noch Kapazitäten? Wer bietet ein kostenloses Vorgespräch? Wer Wochenendtermine? –, sondern auch nach Methoden oder Zielgruppen.

2. Hilfe bei Porno- und Sexsucht

Eine spezialisierte Psychotherapie oder Sexualtherapie kann auch bei Problemen mit übermäßigem und suchtartigem Pornokonsum helfen. Der Therapeut sollte Erfahrung im Umgang mit der Problematik haben und wissen, worauf es dabei ankommt. Ein zwanghaftes Bedürfnis nach Sexualität etwa, Abhängigkeitsgefühle einer Person gegenüber und ständig anhaltende romantische Fantasien können Anzeichen von Sexsucht sein. Geeignete Therapeuten finden sich in den bereits oben erwähnten Verzeichnissen.

Wer nicht sofort zu einem Therapeuten gehen möchte, dem sei das Buch Sexsucht: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige des Psychotherapeuten Kornelius Roth empfohlen. Er arbeitet seit Jahren mit Sexsüchtigen und schildert anhand von Fallgeschichten Formen, Probleme sowie Auswirkungen der Sexsucht.

Eine weitere Anlaufstelle sind Selbsthilfegruppen:  

  • Die Anonymen Sexaholiker sind nach eigener Beschreibung "eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung zu verhelfen".
  • Meetings und Gesprächsrunden bieten auch die Anonymen Sex- und Liebessüchtigen an, um über Sorgen, Bedürfnisse und Erlebnisse zu sprechen.
  • Wer sich durch die sexuelle Verhaltensweisen eines Partners, Freundes oder Familienmitglieds beeinträchtigt sieht, findet bei S-Anon Hilfe. Das Genesungsprogramm für Angehörige Sexsüchtiger basiert auf den 12 Schritten und 12 Traditionen der Anonymen Alkoholiker.

3. Hilfe für Betroffene sexueller Übergriffe und sexueller Gewalt

Im Notfall falls möglich sofort reagieren und die 110 wählen und die Polizei alarmieren! Frauen, die sich im Club belästigt fühlen, können sich vielerorts zudem mit der Frage "Ist Luisa hier?" ans Personal wenden und bekommen unmittelbar und diskret Hilfe. Der Frauen-Notruf Münster e.V. hat das Projekt initiiert. Kneipen und Clubs in 25 deutschen Städten machen bereits mit.

Weitere Angebote:

Eine spezialisierte Psychotherapie kann dabei helfen, die Folgen von sexueller Gewalt und anderen Traumatisierungen zu bewältigen. Psychotherapeuten mit einer traumaorientierten Zusatzausbildung sind hier zu finden:

Literaturtipps für Betroffene:

  • Zu sexuellen Problemen nach sexuellen Gewalterfahrungen und zu deren Behandlung: Sexualität und Trauma von Melanie Büttner.
  • Zu seelischen Folgen von Kindheitstraumatisierungen: Trauma und die Folgen von Michaela Huber
  • Zur Behandlung von Traumafolgestörungen gibt es zwei Empfehlungen: Zum einen Schonende Traumatherapie von Martin Sack und, ebenfalls von Michaela Huber Wege der Traumabehandlung.

Betroffene, die in der Familie im Rahmen eines Abhängigkeitsverhältnisses sexuell missbraucht wurden, können Sachleistungen wie Therapien beantragen. Dafür gibt es den Fonds sexueller Missbrauch. Für den Fonds stehen insgesamt 58,64 Millionen Euro zur Verfügung. Die Website fonds-missbrauch.de informiert, wer Leistungen beziehen kann.