Was wünscht sich ein Mensch, der 100 Jahre alt ist? Ein noch längeres, vielleicht sogar ein ewiges Leben? Wie hat er es geschafft, überhaupt so alt zu werden? Und gibt es auf der Welt irgendetwas, das nicht irgendwann zu Ende geht? Über diese Fragen diskutierten die Biologin Anna Müllner und die Medizinerinnen Natalie Grams, Marlene Heckl sowie Karin Schumacher in unserem Liveblog. Ausgangsfrage der letzten Folge unserer Serie Die großen Fragen der Wissenschaft war: "Könnten wir jemals unsterblich sein?"

Zwar leben die Menschen in Industrieländern immer länger, aber die Formel für ewiges Leben hat noch niemand gefunden. Nach derzeitigem Stand der Forschung wissen wir nur von einer Ausnahme: "Wimpertierchen sind unsterblich!", sagte die Medizinerin Schumacher. Demnach könnten sich Wimpertierchen "ungeschlechtlich vermehren, indem sie sich einfach verdoppeln", so Schumacher.

Auch Krebszellen werden als unsterblich bezeichnet, sagte die Medizinstudentin Marlene Heckl. Sofern diese Zellen genügend Nahrung und Platz hätten, könnten sie sich unendlich oft teilen und folglich auch unendlich lange leben. Theoretisch könne es Unsterblichkeit geben, sagte Heckl und verwies dabei auf entsprechende Simulationen von Forschern, die den Evolutionsprozess nachgestellt hatten. Der Knackpunkt dabei sei aber, dass die Modelle nicht anwendbar seien auf höhere Organismen wie den Menschen.

Mit jeder Minute, jeder Stunde altert ein Mensch. Er wird schwächer, verliert an Kraft, wird krank. Dass es so weit kommt, hängt mit der Alterung der Zellen zusammen. "In unseren Zellen sammeln sich ein Leben lang Schäden im Erbgut an, sogenannte DNA-Schäden", sagte die Biologin Anna Müllner. Diese Schäden sorgten dafür, dass sich Zellen irgendwann nicht mehr teilen könnten. "Dann sind sie seneszent", sagte Müllner. Dies führe dazu, dass kaputte Zellen nicht weiterleben könnten, dass um sie herum das Gewebe aber repariert werde. "Durch diese Prozesse sorgen sie für eine Entzündung, die über die Zeit hinweg das Gewebe schwächt und uns alt und krank werden lässt."

Warum werden manche Menschen älter als andere?

Natalie Grams verwies auf die Idee, seneszente Zellen für die Krebsforschung zu nutzen. Für die Medizin wäre es "natürlich toll, wenn man böse Krebszellen in die Seneszenz bringen könnte und andere Zellen dafür wieder fit machen könnte", sagte die Medizinerin. Jedoch habe sich gezeigt, dass seneszente Zellen besonders schlecht auf Chemotherapien ansprechen würden. Bislang sei also keineswegs klar, wie sich Krebs und das Altern aufhalten lassen.

Und doch: Es gibt Menschen, die schon heute deutlich länger leben als andere. Karin Schumacher nannte als Beispiel dafür die sogenannten Blue Zones – Kolonien, in denen besonders viele Hundertjährige anzutreffen seien. Beispielsweise in Okinawa, Japan, in Griechenland auf der Insel Ikaria sowie auf Sardinien. Die Sarden "ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen und Lebensmitteln, die sie mit hinaus auf die Felder nehmen können – ungesäuertes Brot, Käse von ihren Weidetieren und damit reich an Omega-3-Fettsäuren und einen Wein, der besonders reich an Polyphenolen ist", sagte Schumacher. Doch das wahre Geheimnis sei wohl der Aufbau ihrer Gesellschaft, und wie sie alte Menschen behandelten.

In Japan sei zu beobachten, dass die Menschen nur in Maßen Nahrung zu sich nehmen. "Kalorische Restriktion ist wirklich eine Möglichkeit, die Alterung aufzuhalten", sagte Anna Müllner. Heckl bestätigte, dass eine strenge Diät sowohl bei Tieren als auch beim Menschen das Leben verlängern könne.