In Madagaskar erkranken weiterhin mehr Menschen an der Pest. "Die Zahl der Fälle hat sich innerhalb einer Woche verdoppelt", sagte die Direktorin bei der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, Julie Hall. Die Lage sei insgesamt "besorgniserregend". Der Anstieg der Fallzahlen gehe teilweise auf ein besseres Meldesystem zurück, sagte Hall. Außerdem seien nicht alle Fälle bestätigt.

Der Umgang mit Ebola habe aber gelehrt, dass in solchen Situationen eine schnelle Reaktion notwendig sei, um einen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Das Rote Kreuz und der Rote Halbmund schicken daher zum ersten Mal eine mobile Klinik nach Madagaskar. Wie das Rote Kreuz mitteilte, gehören dazu 50 Betten und ein medizinisches Team, das Patienten isolieren soll. Die Helfer wollen so die Ausbreitung der Krankheit verhindern.

"Das Behandlungszentrum wird rund um die Uhr für Pest-Patienten geöffnet sein", sagte die Generalsekretärin des Roten Kreuzes in Madagaskar, Andoniaina Ratsimamanga. Außerdem wolle die Organisation die Arbeit in den 22 Landesregionen fortsetzen, um "lebensrettende Information" bereitzustellen, Hygienemaßnahmen zu treffen und sichere Bestattungen durchzuführen. "Dieser vielseitige Ansatz ist der einzige Weg, den Ausbruch einzudämmen", so Ratsimamanga.

Insgesamt wurden in Madagaskar nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 560 Fälle von Pest gemeldet. Bei etwa 70 Prozent der aktuellen Infektionen handelt es sich um Fälle von Lungenpest. Die Lungenpest, die von Mensch zu Mensch übertragen wird, gilt als besonders aggressive Form der Krankheit. Sie tritt in Madagaskar zum ersten Mal außerhalb der bekannten Risikogebiete und in den Ballungsräumen auf. Gerade die Region um die Hauptstadt Antananarivo gilt laut WHO als besonders betroffen. Die restlichen Pesterkrankungen werden der Beulenpest zugeordnet, die in Madagaskar nahezu jedes Jahr auftritt. 

Breitet sich die Seuche aus?

Beobachter befürchten, dass sich die Pest in andere Länder ausbreiten könnten. So meldeten die Seychellen in dieser Woche bereits einen Fall. Ein Mann hatte sich während einer Reise nach Madagaskar mit Lungenpest infiziert. Der aktuelle Ausbruch begann Ende August mit dem Tod eines 31-Jährigen im zentralen Hochland Madagaskars.

Zwischen 2010 und 2015 erkrankten laut WHO weltweit mehr als 3.200 Menschen an der Pest. 584 Personen starben. Am stärksten betroffen sind seit den 1990er-Jahren verschiedene Staaten Afrikas. Neben Madagaskar hat die Demokratische Republik Kongo die größten Probleme mit Pestinfektionen.