Zusätzlich bewegen sich Menschen, auch Kinder, heute weniger als früher. Sie verbrennen deshalb weniger Kalorien, obwohl sie gleich viel oder mehr essen. "Die Schere zwischen sehr fitten Kindern und solchen, die sich überhaupt nicht bewegen, öffnet sich immer weiter", sagt Alexander Woll vom Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Zwar bewegen sich Kinder in Deutschland im Mittel wieder etwas mehr. Auch die Zahl zu dicker Erstklässler bei Schuleingangsuntersuchungen geht leicht zurück. Es gibt laut Woll aber "mehr und mehr motorisch auffällige Kinder".

Ernährung - Die Welt nimmt zu Fast jeder dritte Mensch ist übergewichtig, die Zahl der Fettleibigen steigt. Mit regionalen Unterschieden © Foto: Theo Ruby, AFP/Getty Images

Kindern dienen laut einer anderen Studie außerdem die Eltern als Vorbilder (Journal of the American College of Nutrition: Patrick & Nicklas, 2005): Was und wie viel essen diese? Wird gemeinsam gekocht? Und wo wird gegessen? So sind zum Beispiel Kinder, die vor dem Fernseher essen, im Schnitt dicker als jene, die mit ihrer Familie am Esstisch sitzen (Obesity: Wansink & van Kleef, 2013).

Die WHO empfiehlt gesünderes Schulessen und mehr Sport

Gegen Fettleibigkeit in der Kindheit empfiehlt die WHO etwa gesünderes Essen in Schulkantinen und dass Kinder mehr Möglichkeiten bekommen, Sport zu machen. Auch Aufklärung über gesunde Ernährung und längeres Stillen könnten helfen, sagt Fiona Bull von der WHO. Sie könnte sich auch Steuern auf gesundheitsschädlichen Produkten vorstellen. Im Kampf gegen das Rauchen sei das ja auch erfolgreich. Andere Experten schlagen vor, weniger für ungesunde Lebensmittel zu werben.

Kindliches Übergewicht ist ein langfristiges Problem, das häufig nicht mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter endet. Wer als Kind zu dick ist, bleibt dies meist auch als Erwachsener – mit problematischen Folgen für den Körper. Je länger ein Mensch übergewichtig ist, desto mehr leidet seine Gesundheit. Fettleibigkeit geht häufig mit einem höheren Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle einher. Weltweit führte Übergewicht zu schätzungsweise vier Millionen Todesfällen allein in 2015 (New England Journal of Medicine: The GBD 2015 Obesity Collaborators, 2017). Zusätzlich kann das Körperbild insbesondere junge Menschen psychisch belasten, etwa wenn übergewichtige Kinder in der Schule gemobbt und im Jugendalter ausgegrenzt würden, sagt Fiona Bull.

Weltweit mehr Kinder unter- als übergewichtig

Die Studie, der Daten von etwa 31,5 Millionen Menschen zwischen fünf und 19 Jahren zugrunde liegen, zeigt aber noch etwas anderes: Weltweit sind noch immer mehr Kinder untergewichtig als übergewichtig, wenngleich die Zahl der Mangelernährten zurückgegangen ist. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr, an der ebenfalls Majid Ezzati beteiligt war, zeigte für Erwachsene bereits einen neuen Trend: Danach leben inzwischen mehr übergewichtige Männer und Frauen auf der Welt als untergewichtige (NCD Risk Factor Collaboration, TheLancet, 2016).