Mehr Bewegung, gesünder essen: Die Mittel gegen Fettleibigkeit im Kindesalter klingen simpel. Trotzdem hat die Zahl übergewichtiger und extrem übergewichtiger Kinder in den vergangenen Jahrzehnten weltweit drastisch zugenommen. 124 Millionen Fünf- bis 19-Jährige sind adipös, also fettleibig, weitere 213 Millionen übergewichtig. Das schätzen Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Imperial College London in einer Studie, die am heutigen Welt-Adipositas-Tag im Fachmagazin The Lancet erschienen ist. Damit hat sich die Zahl der Kinder, die viel zu schwer für ihre Körpergröße sind, in den letzten vierzig Jahren weltweit mehr als verzehnfacht.

Im vergangenen Jahr waren demnach sechs Prozent der Mädchen und fast acht Prozent der Jungen fettleibig. 1975 waren es weniger als ein Prozent der Kinder und Jugendlichen. Das sei eine "erschütternde Veränderungsrate", sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Fiona Bull von der WHO.

Zwar ist die Weltbevölkerung in diesem Zeitraum deutlich gewachsen. Das erkläre aber nur einen geringen Teil des Anstiegs, sagte Majid Ezzati vom Imperial College, der Hauptautor der Studie. Alarmierend entwickle sich die Zahl der Fettleibigen in ärmeren Ländern und Ländern mit mittleren Einkommen, darunter China und Indien. In Staaten mit hohem Einkommen, wie in Nordamerika oder Europa, stagnierte der Anteil stark übergewichtiger Kinder in den vergangenen Jahren auf einem hohen Niveau.

Viele Familien können sich kein gesundes Essen leisten

Die Daten decken sich mit Studien, nach denen extremes Übergewicht auch unter Kleinkindern bis fünf Jahren und unter Erwachsenen häufiger wird (New England Journal of Medicine: The GBD 2015 Obesity Collaborators, 2017). In Deutschland allein stieg der Anteil fettleibiger Kinder von etwa drei Prozent im Jahr 1975 auf sieben Prozent der Mädchen und elf Prozent der Jungen im vergangenen Jahr.

Ob Kinder zunehmen, hängt von mehreren Faktoren ab. Einerseits ist es in vielen Ländern heute viel einfacher, übermäßig Kalorien zu sich zu nehmen. Essen ist fast überall schnell verfügbar, vor allem ungesundes Fast Food. US-Amerikaner zum Beispiel geben immer mehr Geld aus, um auswärts zu essen, statt zu kochen, obwohl Letzteres oft gesünder ist.

Vielerorts – das sagt auch Studienautor Majid Ezzati – können sich arme Familien kein gesundes Essen leisten. Gesund heißt: vollkornreich, mit frischem Gemüse und Obst. Politiker müssten dafür sorgen, dass gesunde Ernährung für ärmere Familien bezahlbar wird.