Wem morgens kotzübel ist, der hatte nicht selten am Abend zuvor Shots, Schnaps und/oder harte Drinks. Gerade Hochprozentiges scheint am riskantesten zu sein, nicht nur, was den Kater angeht. Sondern auch die Stimmung. Denn wer zu Gin Tonic oder zur Jägerbomb greift, fühlt sich nicht nur attraktiver und selbstbewusster als Bier- und Weintrinker, sondern häufiger auch unruhiger, betrübter und vor allem aggressiver, wie eine Studie zeigt. Schauen Sie selbst:

Die Daten zum Einfluss verschiedener alkoholischer Getränke auf unser Gemüt stammen vom unabhängigen Global Drug Survey (GDS), der weltweit größten Drogenumfrage im Netz. Die Studie dazu haben Wissenschaftler gerade im British Medical Journal veröffentlicht (Ashton et al., 2017). Sie werteten die Antworten von 29.836 Teilnehmern aus 21 Ländern im Alter zwischen 18 und 34 Jahren aus. Darunter auch die anonymen Daten Tausender ZEIT-ONLINE-Leser aus der Befragung von 2016. Denn seit mittlerweile fünf Jahren ruft ZEIT ONLINE jedes Jahr zur Drogenumfrage auf – so auch in diesem Jahr (nehmen Sie hier unter zeit.de/drogenumfrage teil.)

Aber zurück zum Alkohol. Vier von zehn Befragten (43 Prozent) fühlen sich dank Cocktails und Spirituosen sexy. Zugleich geht es ihnen mit keiner anderen Art von Getränken häufiger so schlecht (48 Prozent). Das könnte daran liegen, dass viele Menschen Hochprozentiges nicht nur sehr schnell trinken, sondern oft auch versehentlich mehr davon, als sie wollten. Vor allem in Mixgetränken schmeckt man den Alkohol oft weniger.

Seit Jahrhunderten ist die Geschichte von Rum, Gin und Wodka durchzogen von Gewalt.
Mark Bellis, Gesundheitsforscher und Mitautor der Studie

Die Angaben unterscheiden sich je nach Alter und Geschlecht der Befragten. Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren verbinden Bier, Wein und Spirituosen am häufigsten eher mit positiven Gefühlen (energiegeladen, selbstbewusst, sexy), wenn sie zum Trinken ausgehen. Frauen assoziieren zudem am ehesten alle genannten Gefühle mit Alkohol, mit einer Ausnahme: Sie gaben deutlich seltener als Männer an, dass er sie aggressiv mache.

Die Wirkung von Bier und Rotwein hingegen empfindet etwa die Hälfte aller Konsumenten als entspannend, während dieser Wert für Spirituosen gerade einmal bei 20 Prozent liegt. "Seit Jahrhunderten ist die Geschichte von Rum, Gin und Wodka durchzogen von Gewalt", sagte der Mitautor und Experte für öffentliche Gesundheitspolitik Mark Bellis dem British Medical Journal.

Tatsächlich ist bei rund einem Fünftel (22 Prozent) aller gewaltsamen Todesfälle weltweit Alkohol im Spiel, sei es in Form von Schlägereien, häuslicher Gewalt oder sonstigen Straftaten. Bei tödlichen Verkehrsunfällen sind es 15 Prozent, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO (Global status report on alcohol and health, 2014, S. 48). Dies gilt für alle Darreichungsformen und insbesondere für starke Trinker. Da die Leiter des Global Drug Surveys die Befragten auch den international anerkannten Audit-Selbsttest (Alcohol Use Disorder Identification Test) ausfüllen ließen, konnten auch Antworten von suchtgefährdeten Personen berücksichtigt werden. Sie verbinden den Konsum nicht nur deutlich häufiger mit positiven Gefühlen (energiegeladen), sondern auch mit negativen (aggressiv, betrübt).

Global Drug Survey 2018
ZEIT ONLINE ruft auf zur größten Drogenumfrage.

Diese Ergebnisse erscheinen zunächst recht erwartbar. Allerdings zeigt die Studie, dass verschiedene alkoholische Getränke nicht auf die gleiche Weise wahrgenommen werden. Und das ist durchaus von Bedeutung, besonders für die Präventionspolitik. Denn die müsste zum Beispiel anders über Schnaps aufklären als über Wein, anstatt nur pauschal vor Alkohol zu warnen.

Während Suff und Trinkgelage häufig in Gewalt münden, schaden schon regelmäßige kleine Mengen Alkohol dem Körper direkt. Mehr als 200 Krankheiten und Symptome wie Krebs löst Alkohol aus. Und er verschlechtert die Heilungschancen vieler Leiden (WHO, 2014). Das macht Bier, Wein und Spirituosen zu der gefährlichsten Droge.

Was wir warum trinken, hängt natürlich auch von Kultur, sozialem Umfeld und dem Anlass ab – und von dem, was wir erwarten, was Alkohol mit uns macht. Vor allem die positiven Gefühle, die viele beispielsweise mit Wein (entspannt) oder Bier (selbstbewusst) verbinden, sind geprägt durch Werbung. Die suggeriert: Wer zum Pils greift, ist beliebt, energetisch, selbstbewusst, oft sportlich und hat Spaß. Diesen Lifestyle vermitteln Hersteller, die ihre Werbefiguren Bier an der Küste, im Stadion auf Segelschiffen, im Biergarten oder auf der Party trinken lassen. Weintrinker gelten als Genießer, sind bedacht und kultiviert. Auch das ist eine seit Jahrzehnten bewährte Marketingstrategie. Negative Gefühle tauchen dabei nicht auf und sind deshalb weniger stark in der Wahrnehmung verhaftet.