Drogen sind ein weltweites Dauerthema. Und zwar eines, bei dem es nicht Schwarz oder Weiß gibt – vielmehr liegt die Wahrheit in einem undurchsichtigen Graubereich, den weder die Befürworter einer Legalisierung noch flammende Prohibitionisten gern betreten möchten, schließlich könnte das ja ihre Position schwächen. Aber eine aufrichtige Auseinandersetzung kann Menschen ebenso gut zum Umdenken bewegen wie Kampfrhetorik.

Darum habe ich 2011 den Global Drug Survey (GDS) gegründet, die weltweit größte Umfrage zum Drogenkonsum. Heute sind daran eine Reihe internationaler Experten für Drogen, Gesundheit, Epidemiologie sowie politische Entscheidungsfindung beteiligt. Wir bitten die Menschen, uns ihre Erfahrungen mit Drogen mitzuteilen, um damit den Konsum für andere sicherer zu machen, ungeachtet des rechtlichen Status dieser Drogen. Unsere Fragen beruhen auf der Einsicht, dass Drogen in sämtlichen Nischen von Kultur und Gesellschaft vorkommen und oftmals das Leben eher bereichern als beeinträchtigen.

Früher, als junger Arzt und Psychiater, fokussierte ich mich besonders auf den Schaden, den Drogen anrichten können, unter Patienten, für die der Konsum kein Vergnügen mehr darstellte, sondern in deren Vergangenheit (und allzu oft auch Zukunft) nur zerstörte Hoffnungen und gescheiterte Pläne lagen. Auf Betroffene und ihre Angehörigen warteten ein verfrühter Tod und Verzweiflung. Mit zunehmendem Alter wurde mir aber klar, wie wichtig es ist, den Umgang der unsichtbaren Mehrheit mit Drogen zu untersuchen und denjenigen, die sich bewusst dafür entscheiden, einen Drogenkonsum mit minimalem Risiko für Schädigungen und Abhängigkeit zu ermöglichen.

Global Drug Survey 2018
ZEIT ONLINE ruft auf zur größten Drogenumfrage.

In den vergangenen fünf Jahren haben mehr als 450.000 Menschen an unseren anonymen Onlineumfragen teilgenommen. Gerade ist die diesjährige Umfrage gestartet. Hier können auch Sie teilnehmen. Dabei zeigen die Deutschen eine besonders hohe Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen und ihre Erfahrungen mitzuteilen. Mehr als 120.000 Menschen aus Deutschland haben über ZEIT ONLINE in den vergangenen vier Jahren mitgemacht. Das ist fantastisch.

Der GDS hilft Bevölkerungen und ihren Regierungen, sich ehrlich über Drogenkonsum, seine Risiken und Vorteile auszutauschen. Man beachte dabei, dass die meisten Menschen, die Drogen konsumieren, weitgehend zufrieden sind, gut zurechtkommen und auf ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen achten. Auch das ist eine der Lehren aus unseren Umfragen.

Was bringen Warnhinweise auf Alkohol?

Dieses Jahr befassen wir uns mit fünf neuen Themen. Das erste sind Warnhinweise auf Alkoholika: Die Frage, ob sie das Bewusstsein für die Gefahren von Alkohol schärfen und zu einem verringerten Konsum führen können, ist für die Gesundheit weltweit von Bedeutung. Darüber ist über verschiedene Kulturen hinweg noch sehr wenig bekannt. Der GDS 2018 wird diese Lücke füllen und mit den erhobenen Daten Regierungen und politische Akteure zu weiteren Maßnahmen beraten.

Zweitens: Abhängigkeit von Cannabis betrifft viele seiner Konsumenten (10-15 Prozent von ihnen), aber der Entzug und seine Bewältigung sind noch kaum untersucht. Durch die Erfahrungen Tausender Konsumenten ermittelt der GDS nun die beste Methode, um aufzuhören.

Prof. Dr. Adam Winstock ist Spezialist für Suchtmedizin und Facharzt für Psychiatrie. Er gründete den Global Drug Survey. Die weltweit größte Umfrage unter Drogennutzern sammelt mittlerweile jährlich Daten von mehr als 100.000 Menschen, die Angaben zu Ihrem Drogenkonsum machen. ZEIT ONLINE arbeitet mit dem Survey zusammen. © Global Drug Survey

Drittens: Eine Droge zum ersten Mal auszuprobieren, kann aufregend sein, aber auch riskant. Wir erkunden, wie Menschen ihr erstes Mal mit LSD, Ecstasy (MDMA) und Kokain erlebt haben. So können wir unerfahrene Konsumenten, die an diesen Drogen interessiert sind, besser beraten.

Viertens: Weiterhin erforschen wir den steigenden Vertrieb von Drogen online über das Darknet und porträtieren neue psychoaktive Substanzen. Die Welt ändert sich fortwährend, und Risiken sowie Vorteile (so sie existieren) von neuartigen Drogen und Vertriebswegen müssen aufgezeigt werden.

Schließlich betrachten wir, inwiefern die Informationen von Drug-Checking-Angeboten Einfluss auf das Verhalten der Menschen haben. Haben Sie schon einmal Pillen und Drogen auf ihre Inhaltsstoffe testen lassen? Zudem setzen wir uns kritisch mit der Produktion hochdosierter MDMA-Tabletten auseinander, die in Europa in den vergangenen zwei Jahren häufig geworden sind, indem wir Konsumenten befragen, wie MDMA idealerweise aussehen sollte (Dosis, Bruchrillen, Form etc.).

Außerdem kehren wir zurück zu Drogen wie Ketamin und GHB; diese sind bei gewissen Gruppen nach wie vor beliebt, können aber schwere Schäden anrichten, die mit unserer Hilfe reduziert werden sollen.