Viele Notaufnahmen in deutschen Krankenhäusern sind laut einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) (hier als PDF) kaum ausgelastet. Demnach werden im Durchschnitt nur 1,7 Patienten pro Stunde in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt. "So führen geringere Erfahrung sowie schlechtere Personal- und Technikausstattung in kleinen Notaufnahmen oftmals zu höheren Komplikationsraten, längeren Krankenhausaufenthalten und zu höherer Sterblichkeit für Patienten", sagte Institutsgeschäftsführer Dominik von Stillfried.

In der Öffentlichkeit sei der Eindruck entstanden, dass Notaufnahmen sämtlich überlaufen seien, sagte Stillfried. Dies könne zwar an einigen Standorten durchaus der Fall sein, "generell kann jedoch keine Rede davon sein", so der Institutsgeschäftsführer. Mit durchschnittlich weniger als zwei Patienten pro Stunde liegt Deutschland der Studie zufolge weit unter europäischen Vergleichswerten. In England etwa seien es elf Patienten pro Stunde, in Dänemark durchschnittlich zehn.

Eine höhere Auslastung der Ambulanzen bedeute ein geringeres Risiko für die Patienten, so Stillfried: "Wenn es um Leben und Tod geht, ist die Versorgung in den großen Notaufnahmen erheblich besser." Er verwies auf Untersuchungen in den USA. Demnach seien in Notaufnahmen mit weniger als 2,3 Patienten pro Stunde die Sterblichkeitswerte am höchsten gewesen.    

Ambulanzen sind an Wochenenden überlastet

Kassenärzte sehen seit Längerem großen Bedarf für Reformen, insbesondere bei Häusern mit kleineren Notaufnahmen. Denn neben der durchschnittlich sehr geringen Auslastung wuchs in den vergangenen Jahren die Anzahl jener Menschen, die an Wochenenden auch wegen geringerer Beschwerden Hilfe im Krankenhaus suchen. Das ergab eine Befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Eigentlich sieht das deutsche Gesundheitssystem vor, dass sich Menschen mit kleineren Beschwerden an Notdienste der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Dort werden sie an den nächsten niedergelassenen Arzt mit Bereitschaft vermittelt.

Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, fordert deshalb, die Anzahl von Notfallaufnahmen in Deutschland zu verringern. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) solle von ihrem Standpunkt abrücken, alle Notaufnahmen um jeden Preis erhalten zu wollen, sagte Gassen. Seine Vereinigung habe Vorschläge für eine enge Kooperation von Bereitschaftsdiensten und Notaufnahmen vorgelegt.

Vor zweieinhalb Monaten legten KBV und Marburger Bund (MB) – die Gewerkschaft der zumeist in Kliniken angestellten Ärzte – ein Reformkonzept vor für eine integrierte Notfallversorgung der rund 150.000 Praxisinhaber und der knapp 2.000 Kliniken. Dazu müssten die Bereitschaftsnummer der Praxisärzte, 116117, und die bisherige Notrufnummer des Rettungsdienstes, 112, stärker vernetzt werden. Patienten sollen dann bei einer gemeinsamen Anlaufstelle rund um die Uhr anrufen können und eine qualifizierte Ersteinschätzung nach bundesweit einheitlichen Standards bekommen.