Das Problem hat zwei Seiten. Die Seite des Arztes und die des Patienten.

Der Patient kommt in die Arztpraxis, er ist verunsichert, es geht um seine Gesundheit, mit das Wichtigste im Leben, sagt man immer, da sollte man sorgfältig sein. Der Arzt aber hat nur wenige Minuten für ihn, das Wartezimmer ist voll, eben mussten noch zwei Notfälle zwischengeschoben werden, jetzt gilt es, den Stau abzuarbeiten.

Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist kompliziert und problembeladen. Doch Patienten können einiges tun, um das Beste aus diesem Verhältnis herauszuholen:

1) Informieren Sie sich ruhig vorher – aber richtig

Ein Patient kommt üblicherweise mit bestimmten Beschwerden zum Arzt. Um mehr von dem zu verstehen, was der Arzt sagt, ist es nicht verkehrt, sich vorher zu informieren. Wichtig ist nur, nicht einfach bei Google zu suchen. Denn wer hier zum Beispiel nach "starke Kopfschmerzen" sucht, stößt rasch auf einen gefürchteten Hirntumor, dabei sind Kopfschmerzen in den allermeisten Fällen auf Verspannungen zurückzuführen. Die Suchmaschine hält zwar viele Antworten bereit, aber wie relevant die Informationen im Einzelfall sind und wie wahrscheinlich bestimmte Ursachen sind, wird auf Anhieb meist nicht klar. So kann die Recherche schnell in die Irre führen und Angst erzeugen, Mediziner reden vom berüchtigten "Morbus Google". Zudem kann die verzerrte Wahrnehmung im Netz die Suche nach der wahren Ursache behindern – wenn Ärzte kostbare Gesprächszeit darauf verwenden müssen, das Halbwissen der Patienten richtigzustellen, einzuordnen und die Zusammenhänge zu erklären.

Bessere Informationen bieten professionell betreute Portale. Die Website gesundheitsinformation.de etwa wird vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) betrieben und veröffentlicht Informationen zu Krankheiten und Symptomen sowie zu bestimmten Organen.

Die Website patienten-universitaet.de gibt Videolektionen über die Funktionsweise des Körpers und hält eine nützliche Checkliste für den Arztbesuch bereit. 

Und wer vom Befund eines Facharztes nur Bahnhof versteht, findet Hilfe unter washabich.de: Dort übersetzen Medizinstudenten Arztbriefe in verständliche Sprache. 

2) Bereiten Sie sich auf den Arztbesuch vor

Je besser gebündelt und strukturiert die Informationen sind, die der Arzt von Ihnen erhält, desto mehr Zeit bleibt, um das weitere Vorgehen und ihre wichtigen Fragen zu besprechen. Sie können dafür den Anfang machen: Sie sollten wissen, welche Medikamente Sie bereits nehmen. Ein sogenannter Medikationsplan, in dem alle Medikamente samt Dosierung verzeichnet sind, verschafft dem Arzt rasch Überblick. "Nur so kann er erkennen, ob bestehende Beschwerden durch Arzneimittel verursacht werden oder welche Wechselwirkungen es womöglich mit neuen Medikamenten geben könnte", sagt Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Nehmen Sie also eine Liste mit – oder einfach die Packungen selbst.

Das Verhältnis von Arzt und Patient ist seit jeher asymmetrisch. Der eine hat das Fachwissen, der andere nicht. Häufig wird dieses Gefälle noch durch das Setting verstärkt. "Im Krankenhaus liegt man als Patient oft im Bett, während die Ärzte stehen, man hat einen Schlafanzug an, während der Chefarzt einen Kittel trägt, das alles führt dazu, dass eine Kommunikation auf Augenhöhe sehr schwierig ist. Da wird man schnell nervös", sagt Gunter Frank, Allgemeinmediziner aus Heidelberg und Autor zahlreicher Bücher, darunter Fragen Sie Ihren Arzt, aber richtig!: Was Patienten stark macht.

Die Folge der Nervosität: Patienten verschlägt es mitunter die Sprache. Eingeschüchtert fällt ihnen dann womöglich im entscheidenden Moment nicht ein, was sie den Arzt fragen wollten. In abgeschwächter Weise gelte das auch für den Besuch in der Arztpraxis. "Daher ist es in jedem Fall sinnvoll, sich vorher zu überlegen, was man wissen will, idealerweise schreibt man sich die Fragen auf", sagt Gunter Frank.