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Es quält mich, dass im 21. Jahrhundert noch immer Menschen verhungern. Wenn jemand keine Luft zum Atmen hat oder kein Wasser zum Trinken, dann finden wir das inakzeptabel. Warum nicht, wenn jemandem das Essen zum Leben fehlt? Bald werden wir in der Lage sein, Menschen zum Mars zu schicken. Aber wir sind außerstande, Millionen Menschen auf der Erde vor Hunger zu bewahren? Das kann einfach nicht wahr sein!

Jeden Tag gehen 815 Millionen Menschen hungrig ins Bett, obwohl wir auf der Erde mehr als genug Nahrung produzieren, um alle satt zu machen. Warum? Aufgrund von Kriegen und dem Klimawandel, die heute die Hauptursachen für Hunger und Vertreibung sind. Daten zeigen: 60 Prozent derer, die Hunger leiden (489 Millionen Menschen), und mehr als 75 Prozent der aufgrund von Mangelernährung unterentwickelten Kinder (also 122 von 155 Millionen) leben in Konfliktgebieten. Wenn wir nicht bald etwas tun, werden viele Menschen, die hungernd aufgewachsen sind, als Erwachsene weniger leisten und verdienen – mit weitreichenden Konsequenzen für viele Gesellschaften und Länder.

Es ist unser aller Problem!

Es ist untragbar und entwürdigend, dass noch immer Hunderte Millionen Menschen an Hunger leiden. Oft sind sie selbst daran nicht schuld. Wir müssen uns erheben und denen, die die Macht haben, Kriege zu beenden, sagen: "Es reicht!" Weil wir in einer vernetzten Welt leben, ist Hunger unser aller Problem. Und eben nicht nur das anderer Leute in weit entfernten Ländern.

Als ich klein war, sagte meine Mutter häufig: "Iss deinen Teller leer, denn die Kinder in Afrika sind hungrig." Damals habe ich nie verstanden, wie das Essen, das ich nicht aufaß, jemanden anderen hätte ernähren sollen. Heute verstehe ich es! Wir teilen zwar nicht den Teller, aber wir teilen das Land, das Wasser und die Treibhausgase, die entstehen, wenn wir Essen verschwenden.

Was verursacht Hunger und wie lässt er sich bekämpfen? Das zu analysieren, ist der Job von Arif Husain, Chefökonom und Direktor beim Welternährungsprogramm (World Food Programme) der Vereinten Nationen. © WFP

Jahr für Jahr werfen wir ein Drittel aller Lebensmittel weg. Wenn es uns also wirklich wichtig ist, eine wachsende Welt zu ernähren und gleichzeitig die Umwelt für die kommenden Generationen zu erhalten, dann müssen wir es zu unserem Neujahrsvorsatz machen, diese Verschwendung zu stoppen. Ein Anfang wäre, nur noch so viel einzukaufen, wie wir essen können.

Neun von zehn Flüchtlingen landen in Entwicklungsländern

Die Angst vor unbekannten Kulturen, Sprachen, Bräuchen und Religionen bindet Menschen an ihren Herkunftsort, auch wenn es dort nichts mehr zu essen gibt. Es überrascht meine Freunde, wenn ich ihnen erzähle, dass die meisten Menschen ihr Zuhause trotz fortwährender Not nicht verlassen wollen. Weltweit gibt es 65 Millionen Vertriebene, 40 Millionen davon bleiben innerhalb der Grenzen ihres Landes. Trotz all der Gefahren in Syrien zum Beispiel neigen Menschen dazu, drei- bis sechsmal innerhalb ihres Landes umzusiedeln, bevor sie überhaupt die Grenzen in das benachbarte Jordanien oder den Libanon überqueren. Das erklärt auch, warum neun von zehn afrikanischen Migranten in Afrika bleiben und acht von zehn asiatischen in Asien. Und neun von zehn Flüchtlingen weltweit werden von Entwicklungsländern aufgenommen.

Entwicklungsprogramme verändern durchaus etwas, auch wenn es manchmal scheint, als würden auf jeden Schritt vorwärts zwei Schritte zurück folgen. Es gibt Erfolgsgeschichten, etwa aus China, Südkorea und Ruanda – Länder, die beachtliche Fortschritte gemacht haben. Aber es gibt auch viele große Enttäuschungen wie in Afghanistan, dem Südsudan oder Jemen. In den vergangenen zehn Jahren gingen Armut und Hunger weltweit zwar zurück, aber es bleiben große Unterschiede innerhalb und zwischen Gesellschaften, Regionen und Ländern. 

Heute ist das Problem, dass wir bei langfristigen Entwicklungsprogrammen Einschnitte machen müssen. Nur so können wir sicherstellen, dass genug Geld da ist, damit Menschen dort, wo es heftige Unruhen gibt, überleben. Insgesamt hat die humanitäre Gemeinschaft 2016 ungefähr 27 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Allein die Hälfte davon wurde gebraucht, um den Menschen in nur fünf Ländern zu helfen: Syrien, Jemen, Irak, Südsudan und Äthiopien. In den meisten davon herrschen Konflikte. Das restliche Geld reichte nicht, um den Bedürfnissen in den 43 weiteren von Hunger geplagten Ländern gerecht zu werden. Es fehlten ungefähr 40 Prozent.

Das Problem mit Konflikten ist, dass sie, anders als Dürren, Erdbeben oder Überflutungen, nicht von selbst wieder verschwinden. Und je länger ein Konflikt andauert, desto schwieriger ist es, ihn zu beenden. Stellen Sie sich vor, wie viel besser unsere Welt heute wäre, wenn all das Geld, das momentan ausgegeben wird, um den Folgen von Konflikten zu begegnen – darunter auch die Versorgung von Flüchtlingen in Europa und anderswo – stattdessen in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und Vernetzung investiert würde. Etwas, das für uns im Westen selbstverständlich ist. Ich glaube fest daran, gäbe es eine Chancengleichheit, dann wäre es nur eine Frage der Zeit und der Teufelskreis von Hunger und Armut würde durchbrochen. Überbevölkerung ist zwar von Bedeutung, aber sie ist nicht der Grund, warum Menschen hungern.