Elf Jahre lang war Heinola der Schauplatz für die Weltmeisterschaft der Profischwitzer. Von 1999 bis 2010 fand in dem finnischen Städtchen jährlich im August die Saunomisen Maailmanmestaruuskilpailut statt, zu deutsch: die Sauna-Weltmeisterschaft. Die Veranstaltung dauerte zwei Tage. In einer zum Start schon 110 Grad heißen Sauna mussten die Teilnehmer möglichst lang verharren. Jede halbe Minute gab es einen Aufguss. Wer die Sauna zuletzt ohne Hilfe verließ, hatte gewonnen. Die Sieger waren fast immer Finnen.

Im Jahr 2010 nahm der Wettbewerb jedoch ein tragisches Ende und wurde danach nie wieder ausgetragen. Zwei Teilnehmer blieben so lange in der Kammer bis sie zusammenbrachen. Einer von ihnen, vollgepumpt mit Schmerzmitteln, starb vor Ort. Der andere kam mit schweren Verbrennungen in ein Krankenhaus. Sie haben es deutlich übertrieben mit dem berühmtesten Brauch der Finnen.

Dabei soll das Schwitzen dem Körper eigentlich etwas gutes tun: Krankheiten austreiben und vorbeugen, den Kreislauf stärken und im besten Fall gleich das Leben verlängern. Doch funktioniert das auch?

Schon seit rund 2.000 Jahren setzen sich Menschen nackt in einen überheizten Raum. In Finnland ist die Sauna bis heute für viele Menschen ein besonderer Ort. Manch einer wird sogar in ihr geboren. Gerade früher bot sich die Sauna als Geburtszimmer an. Durch die Hitze und die Holzausstattung war sie einer der sterilsten Räume des Hauses. Im Alltag diente sie dazu, sich zu reinigen und zu entspannen. Noch heute lieben die Finnen das Saunieren – und auch die Deutschen genießen es inzwischen.

Tatsächlich gibt es einige Studien, die den Nutzen der Sauna bestätigen. Durchgeführt wurden die allerdings größtenteils von und an Finnen. Klar, die sind gute Testobjekte. Schließlich gehen die meisten regelmäßig in die Sauna. Doch eben das unterscheidet sie etwa vom durchschnittlichen Saunagänger in Deutschland. Fast jeder finnische Haushalt hat eine eigene Sauna. Einschließlich öffentlicher Einrichtungen kam das ganze Land Ende 2016 auf über zwei Millionen Saunen. Und das bei knapp 5,5 Millionen Einwohnern.

Zum Vergleich: Schätzungen zufolge kommen in Deutschland auf 80 Millionen Einwohner ungefähr 1,7 Millionen Saunen, eine offizielle Statistik gibt es gar nicht. Eine Befragung für die Konsumstudie Allensbacher Markt und Werbeträgeranalyse ergab, dass fünf Millionen der über 14-Jährigen in Deutschland regelmäßig in die Sauna gehen, 21 Millionen ab und zu. Der Rest gar nicht.

Wer also vom Saunieren profitieren will, der muss sich erst mal an finnische Verhältnisse anpassen. Die meisten positiven Effekte zeigen sich nämlich erst durch regelmäßige Besuche. Dann aber kann das Schwitzen tatsächlich gesund sein.