Immer mehr Menschen erhalten Cannabis auf Rezept und stellen bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme. Das geht aus einer Umfrage unter den größten gesetzlichen Krankenkassen Techniker (TK), Barmer und AOK-Bundesverband hervor, berichtet die Rheinische Post. Demnach gingen bei den Versicherern in den vergangenen zehn Monaten mehr als 13.000 Anträge – und damit mehr als erwartet – ein.

Im März 2016 wurde schwer kranken Patienten der Zugang zu Cannabis erleichtert. Es kann seitdem zum Beispiel in Form der Blüten zu Lasten der Krankenversicherung verordnet werden. Die Kassen müssen dem aber zustimmen. Voraussetzung ist laut Gesetz, dass alle üblichen Therapien versagt haben. Vor der Gesetzesänderung waren die gesetzlichen Kassen nur in Einzelfällen für die teure Therapie aufgekommen. Ursprünglich rechneten Gesetzgeber und Krankenkassen mit knapp 700 Patienten pro Jahr, die eine Cannabis-Therapie benötigen.

Der Umfrage zufolge gingen aber allein bei den AOK-Kassen bislang 7.600 Anträge ein, wovon 64 Prozent genehmigt wurden. Die Barmer erreichten demnach bis Ende 2017 rund 3.200 Anträge, davon wurden knapp 62 Prozent anerkannt. Die TK hat bis Ende November rund 2.200 Anträge auf Kostenerstattung erhalten. Auch dort lag die Genehmigungsquote ähnlich hoch bei 64 Prozent. 

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, bewertete die hohe Zahl der Anträge positiv. "Die steigende Zahl der Genehmigungen zeigt, wie wichtig es war, dieses Gesetz im letzten Jahr auf den Weg zu bringen", sagte die CSU-Politikerin. Cannabis sei aber kein Allheilmittel. Vor der Zulassung von Cannabis als Medikament hatten lediglich rund 1.000 Menschen in Deutschland eine Ausnahmegenehmigung für den Konsum.