Union und SPD wollen es Verbrauchern erleichtern, sich gesünder zu ernähren. Auch soll die Verschwendung von Lebensmitteln eingedämmt werden. Dafür ziehen CDU, CSU und SPD unter anderem neue Kennzeichnungen in Betracht, wie aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Zwischenstand in den Koalitionsverhandlungen hervorgeht. Nährwertangaben für verpackte und verarbeitete Lebensmittel sollen demnach weiterentwickelt werden, indem der Gehalt pro 100 Gramm oder 100 Milliliter "gegebenenfalls durch farbliche Ausgestaltung visualisiert wird". Ein Modell solle mit Lebensmittel- und Verbraucherverbänden sowie mit Rücksicht auf kleinere Anbieter erarbeitet und bis Sommer 2019 eingeführt werden.

Verbraucherschützer fordern seit Langem eine Kennzeichnung für Salz, Zucker und Fett in Lebensmitteln. Angedacht ist ein Format in den Ampelfarben Rot, Gelb und Grün. Die SPD hatte dieses Ziel in ihrem Wahlprogramm genannt. Auch bei den Koalitionsverhandlungen 2009 hatten CDU, CSU und SPD über eine Lebensmittelampel diskutiert. Damals sagte CSU-Chef Horst Seehofer, er setze auf die Freiwilligkeit von Unternehmen. Seine Amtsnachfolgerin Aigner zog die Pläne wegen des Widerstands aus Brüssel später zurück. Schon damals wurde auch auf europäischer Ebene über eine ausführliche Reform der Lebensmittelkennzeichnung beraten.

Die deutsche Lebensmittelwirtschaft sieht das Ampelmodell kritisch. Die Konzerne Mondelēz, Coca-Cola, Mars, Nestlé, Pepsi und Unilever machen sich aber für eine einheitliche europäische Ampelkennzeichnung auf Basis eines britischen Modells stark. Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht dies aber kritisch: Die Ampelkennzeichnung basiere auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung. "Einige Lebensmittelkonzerne entwickeln jedoch ihr eigenes Kennzeichnungsmodell, um dieses einer tatsächlich verbraucherfreundlichen Kennzeichnung entgegen stellen zu können", schreibt die Organisation. Diese "Industrie-Ampel" setze auf Täuschung mit Portionsgrößen, um die Anzahl von roten Produkten – also jenen mit einem besonders hohen Gehalt an Fett oder beispielsweise Zucker – so gering wie möglich zu halten.

Den Plänen einer möglichen großen Koalition räumt Foodwatch Chancen ein: "Die große Koalition kann zur Ampel-Koalition werden – wenn eine verpflichtende und leicht verständliche Lebensmittel-Ampel kommt, und keine nur rein freiwillige und von der Industrie verwässerte Kennzeichnung."

Brendan Hoffman/Getty Images
Was ist eigentlich Veganismus?

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Und ist das gefährlich? Wie gesund Veganer wirklich sind und worauf sie achten sollten, damit sie es auch bleiben.

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Definition

Was essen Veganer eigentlich?

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Falsch!

Nicht richtig. Wer vegan lebt, achtet darauf, dass seine Ernährung keinem Tier schadet. Wer auch Pflanzen nichts tun will, muss Frutarier werden. Diese Ernährungsform ist ein verschärfter Veganismus. Anhänger essen nur, was Pflanzen "freiwillig" hergegeben haben, etwa Fallobst, Nüsse und Beeren.

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Ist das nicht viel zu einseitig?

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Tatsächlich ist es optimal, wenn der Mensch tierische und pflanzliche Produkte zu sich nimmt. Der Körper ist darauf geradezu ausgelegt.

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Mindesthaltbarkeitsdatum soll überprüft werden

Um Lebensmittelabfälle zu vermeiden, wollen Union und SPD mit den Beteiligten, also Herstellern, Handel und Gastronomie, "Zielmarken" vereinbaren. Überprüft werden soll hierfür auch das Mindesthaltbarkeitsdatum. Dies gilt als eine Ursache für unnötiges Wegwerfen, obwohl Produkte noch gut verzehrbar wären.

Auf EU-Ebene wollen sich Union und SPD für verbindliche Kriterien zur Kennzeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel einsetzen. Zudem sollten EU-Vorgaben für die Lebensmittelwerbung um Nährwertprofile ergänzt werden. Diese könnten dann regeln, wie viel Zucker, Salz oder Fett höchstens in einem Produkt enthalten sein darf, damit Werbung mit einem Gesundheitsbezug zulässig ist. Geprüft werden sollen zudem Herkunftskennzeichnungen, die zum Beispiel Regionalität anzeigen.

Bei Lebensmittelskandalen und Warnungen vor Gesundheitsgefahren soll die Zusammenarbeit von Bund und Ländern durchsetzungsfähiger werden. Die Befugnisse von Lebensmittelkontrolleuren sollen an den Internethandel mit Nahrung angepasst werden. Geschaffen werden soll eine Regelung für eine "übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit" – Betriebe sollen die Kontrollergebnisse auch auf freiwilliger Basis darstellen können.