Ob nach einer Party oder einem langen Abend mit Freunden – wenn die eigene Wohnung verraucht ist, muss erstmal gelüftet werden. Was viele nicht wissen: Sauber sind die Räume dadurch noch nicht. Denn in verqualmten Zimmern ist nicht nur die Luft voller Nikotin. Auch auf Möbeln, Tapeten oder im Teppich setzen sich Teile des Tabakrauches fest. Dort bleiben sie trotz Lüften monatelang, wie eine neue Studie zeigt (Tobacco Control: Matt et al., 2018).

Forscher der San Diego State University untersuchten dazu ein Casino in Kalifornien, in dem jahrelang täglich geraucht wurde. Nach einem Rauchverbot im Jahr 2014 sank die Nikotinbelastung in der Raumluft zwar schnell, stellten die Wissenschaftler fest. An Oberflächen und im Bodenstaub fanden sie Nikotin, Partikel und tabakspezifische Nitrosamine aber noch Monate später. Für ihre Studie, die in der Zeitschrift Tobacco Control veröffentlicht wurde, hatten die Forscher an acht verschiedenen Stellen im Casino untersucht, an denen sie zwei Mal vor und sechs Mal nach dem Rauchverbot Proben nahmen.  

Die Tabakrückstände auf Oberflächen nennt man kalten Tabakrauch, auf Englisch third-hand smoke (THS). Die US-Wissenschaftler wollten für ihre Studie auch wissen, was Menschen von diesen Rückständen aufnehmen. Mittels moderner Analyseverfahren fanden sie heraus, dass die Werte auch hier zunächst deutlich sanken. Allerdings hatten noch sechs Monate nach dem Rauchverbot neun Nichtraucher-Testpersonen nach einem vierstündigen Casino-Besuch höhere THS-Werte an Fingern und im Urin als Nichtraucher aus rauchfreien Umgebungen. 

"Über Jahre hinweg setzen sich Schichten von Rauchrückständen an Oberflächen fest und dringen tief in Materialien ein", fasst Studienerstautor Georg Matt zusammen. Zwar könnten leistungsfähige Klimaanlagen die Luftqualität schnell verbessern. Aber andere Rückstände blieben. Casinos könnten nach einem Rauchverbot nur durch intensive Oberflächenreinigung oder sogar das Auswechseln von Einrichtungsgegenständen, vor allem von Teppichen und Tapeten, darauf hinarbeiten, dass Gäste keine Tabakrückstände aufnähmen, sagt Matt. "Tabak sollte niemals in Räumen geraucht werden, wenn man nicht bereit ist, danach den Preis für ein ausführliches Saubermachen zu bezahlen."

Mögliche Langzeitfolgen vonkaltem Tabakrauchfür die Gesundheit sind bisher kaum untersucht. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) empfiehlt, vorbeugend den Kontakt zu vermeiden. In Innenräumen solle grundsätzlich nicht geraucht werden, draußen vor der Tür nur mit genügend Abstand zum Haus. Auch vor dem direkten Kontakt mit Kindern sollten sich Raucher zurückhalten, rät das DKFZ. Nur so könne verhindert werden, dass aus Kleidung und Haaren dort aus dem Tabakrauch abgelagerte Schadstoffe wieder freigesetzt werden.

In Deutschland gibt es Rauchverbote in der Gastronomie seit zehn Jahren. In Betrieben, die bereits so lange rauchfrei sind, sei die Belastung durch kaltem Tabakrauchinzwischen zu vernachlässigen, sagt Katrin Schaller vom DKFZ. Aber wenn ein Ort, an dem geraucht wurde, rauchfrei genutzt werden soll, sei eine gründliche Renovierung sinnvoll.