Bundesernährungsministerin Julia Klöckner lehnt eine Nährwertkennzeichnung für Lebensmittel in den Ampelfarben Rot, Gelb und Grün ab. "Die vereinfachte Ampelkennzeichnung bringt Verwirrung", sagte die CDU-Politikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Klöckner verwies auf das Beispiel frisch gepressten Orangensafts, der Zucker enthalte und daher eine rote Kennzeichnung bekäme. "Daneben steht eine Lightlimonade mit grüner Ampel. Ist das Naturprodukt wirklich ungesünder?"

Klöckner sagte, sie halte es für den falschen Weg, "dass wir einzelne Rohstoffe zum Sündenbock für Fehlernährung machen". Nötig sei eine Gesamtstrategie zum Reduzieren von Kalorien.

Verbraucherschützer fordern seit Langem eine Kennzeichnung bestimmter Lebensmittel in den Ampelfarben für Salz, Zucker und Fett – je nach Gehalt in Rot, Gelb oder Grün. Die deutsche Lebensmittelbranche sieht dies äußerst kritisch. Einige Konzerne machen sich für eine einheitliche europäische Ampelkennzeichnung auf Basis eines Modells in Großbritannien stark. Das sieht wiederum die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisch: Diese "Industrieampel" setze auf Täuschung mit Portionsgrößen, um die Anzahl von roten Produkten – also jenen mit einem besonders hohen Gehalt an Fett oder beispielsweise Zucker – so gering wie möglich zu halten.

Mario Tama/Getty Images
Low Carb? Low Fat? Fasten?

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Falsch. Ein hoher BMI steht nicht immer für Übergewicht. Große und muskulöse Personen macht der Index leicht übergewichtig, kleine untergewichtig. Viele Experten raten deshalb den Bauchumfang zu messen. Männern empfehlen sie maximal 94 Zentimeter, Frauen 80 Zentimeter. Dennoch: Ab einem BMI von 30 steigt das Krankheitsrisiko.

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Ampelkennzeichnung steht nicht im Koalitionsvertrag

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht, die große Koalition werde sich um mehr Transparenz und Information für Verbraucherinnen und Verbraucher bemühen. Dies solle durch eine "verständliche und vergleichbare Lebensmittelkennzeichnung gewährleistet werden".

Das System der Nährwertkennzeichnungen für verpackte und verarbeitete Lebensmittel solle demnach weiterentwickeln werden, indem der Gehalt "gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird", heißt es im Koalitionsvertrag weiter. Ein Modell dafür soll mit Lebensmittel- und Verbraucherverbänden sowie mit Rücksicht auf kleinere Anbieter bis Sommer 2019 erarbeitet werden.