LebensmittelkontrolleFestnahmen in Großbritannien wegen Pferdefleisch-Betrugs

Drei Briten werden verdächtigt, am Betrug mit falsch deklariertem Fleisch beteiligt gewesen zu sein. In Deutschland nahmen weitere Supermärkte Produkte aus dem Handel.

Im Zusammenhang mit dem Pferdefleisch-Betrug sind in Großbritannien drei Männer festgenommen worden. Zwei von ihnen seien in einem Weiterverarbeitungsbetrieb in Aberystwyth an der walisischen Küste verhaftet worden, ein weiterer in einem Schlachtbetrieb in West Yorkshire in Nordengland, teilte die britische Polizei mit. Die Männer würden des Betrugs verdächtigt.

Beide Betriebe waren bereits bei einer Razzia von der Polizei durchsucht worden. Sie stehen im Verdacht, Pferdefleisch fälschlich als Rindfleisch deklariert zu haben. Die britische Lebensmittelaufsicht FSA stellte den Betrieb vorübergehend ein.

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Unterdessen bestätigte die britische Supermarktkette Asda, erstmals seien auch in einer Bolognese-Sauce aus frischem Hackfleisch Pferdebestandteile gefunden worden. Asda nahm die betroffenen Produkte umgehend aus dem Sortiment und entschuldigte sich bei den Verbrauchern. In Irland wurden zudem neue Fälle von mit Pferdefleisch versetzten Burgern bekannt.

In London kritisierte der Umwelt- und Nahrungsmittelausschuss des Unterhauses die langsame Reaktion der britischen Regierung auf den Fleischbetrug. Der Ausschuss rief Regierung und Lebensmittelaufsicht auf, noch schärfere Lebensmittel-Tests anzuordnen.

Französische Regierung benennt Schuldigen

Auch die französische Regierung identifizierte einen Schuldigen: Die französische Firma Spanghero habe gewusst, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, hieß es aus Paris. Spanghero habe sich eines Wirtschaftsbetruges schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden, sagte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon. Spanghero teilte mit, "nur als Rind geltendes Fleisch bestellt, erhalten und weiterverkauft" zu haben.

In Deutschland gelangten Pferdefleisch-Produkte offenbar in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen und Berlin in den Handel. Der Berliner Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) sagte, Berliner Handelsunternehmen hätten nach eigenen Angaben bereits am 6. Februar verdächtige Waren zurückgezogen. Auch das Verbraucherschutzministerium in Düsseldorf teilte mit, Supermarktketten hätten die Produkte bereits vor Tagen zurückgerufen, ohne zunächst die Behörden zu informieren. Hamburger Lebensmittelprüfer haben nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen Proben von verschiedenen Sorten Lasagne, von Burgern und Mousaka genommen und dabei Pferdefleisch entdeckt.

Leserkommentare
    • Moringa
    • 15. Februar 2013 10:17 Uhr

    beschreibt die sozialen und hygienischen Verhältnisse am Anfang des letzten Jahrhunderts in den Chicagoer Schlachthöfen. Wobei der Titel Dschungel sehr gut gewählt ist - auch für den 'Pferdefleischskandal' passend ist, bei dem ein undurchsichtiger Dschungel von Firmen und Machenschaften diese Tricksereien ermöglichen. Scheint sogar eigens dafür geschaffen worden zu sein.

    Wir brauchen keine Gentests für Fleisch, sondern starke Kontrollen und ganz klare, eindeutige Deklaration. Keine Selbstkontrolle der Unternehmen. Wer trickst und den Verbraucher hintergeht, wird sofort drastisch bestraft.

    Wie schon viele Mitforisten schreiben, gab es schon viele, wesentlich unappetitlichere Lebensmittelskandale.
    Nach dem Skandal ist vor dem Skandal - der Anzeiz hier zu betrügen muss profitabel sein.

    Wenn man das ganze weiterdenkt, vielen Jahren tauchen dann vielleicht die ersten Laborratten und -mäuse auf?

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    • zappp
    • 15. Februar 2013 10:34 Uhr

    finde ich nicht mehr witzig. Hier ist eben kein hochwertiges, und teures, Pferdefleisch untergemischt worden.

    Gewiss, harter Wettbewerb bringt Unternehmen in Schwierigkeiten und verführt zum Regelbruch. Allerdings machen Betrügereien bei „Bio “ oder Luxuslebensmitteln wenig Hoffnung darauf, dass zahlungsfreudigere Verbraucher alleine die Situation verbessern würden.

    Die Handelswege zwischen Produzenten, Verarbeitern und Verbrauchern werden länger und verschlungener, Herkunft und Qualität dabei immer schwerer nachvollziehbar. Ware verdirbt auf Transporten oder in Zwischenlagern. Mit moderner Verfahrenstechnik kann schließlich minderwertige, subjektiv ekelerregende oder sogar verdorbene Ware leicht untergeschoben und in appetitliche Endprodukte verwandelt werden. Das gesamte System macht Betrug eben möglich und lukrativ, vom legalisierten Etikettenschwindel mal ganz abgesehen. Und in Zeiten von GmbHs, Subunternehmern und prekär beschäftigten Schlachtern verfehlen auch Prüfungen, Bußgelder und Strafen an Wirkung.

    Vielleicht wäre es schön, wenn gewisse hochpreisige Markenartikler weniger Geld in Werbung aber mehr in Qualitätsmanagement investierten, zu dem auch interessierte Kunden Zugang bekämen.

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  1. Waren) Die Zutatenliste beträgt 3."

    Wenn Sie sich am geklärten Wein stören, sollten Sie vielleicht wissen, das auch Bier (Ausnahme Hefeweißbier) mit Chemikalien geklärt wird.

    Wenn Sie sich das Biergesetz ansehen, werden sie feststellen, dass die Paragrafen, die die strenge Zutatenliste bestimmten, weggefallen sind.
    http://www.gesetze-im-int...

    Ganz allgemein ist es so, dass die EU-Harmonisierung der letzten Jahrzehnte dazu geführt hat, dass viele Chemikalien, die in den 80ern in Deutschland in Nahrungsmitteln verboten waren, heute wieder in unseren Stullen, Würsten und Trinkbechern sind.

    Es ist bedauerlich, dass in entsprechenden Skandalmeldungen nicht darauf angesprochen wird, dass wir das in Deutschland alles schon besser im Griff hatten. EU und Handel über alles. Kontrolle wäre halt einfach zu viel antiliberale Bürokratie.

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  2. vom Lobbyisten - pardon, vom Gesetzgeber - legalisierte Verbrauchertäuschungen!

    ---

    Frage an die Presse:
    In England und Frankreich sind mittlerweile Schuldige zumindest benannt, warum hört man nichts aus Rumänien?

    Dort wurden wohl die Pferde geschlachtet. Waren die Tiere Schlachtpferde, also das Fleisch generell für den menschlichen Genuß geeignet? Wenn nicht, wie ist es in die Lebensmittelkette gelangt? Wer hat falsch deklariert?
    Wenn ja, als was wurde es nach Frankreich verkauft? Pferd oder Rind?

  3. Spiegel-Online: „Spanghero hatte 42 Tonnen Pferdefleisch von zwei rumänischen Schlachthöfen gekauft. Dieses wurde verarbeitet und laut den Ermittlern als Rindfleisch an die französische Firma Comigel weiterverkauft. In sechs Monaten soll Spanghero mit diesem Geschäftsmodell mehr als 500.000 Euro Gewiann gemacht haben. Rindfleisch kostet viermal so viel wie Pferdefleisch.“

    Rindfleisch kostet viermal so viel wie Pferdefleisch?

    Mag sein, aber nur dann, wenn es sich beim Pferdefleisch um Mengen handelt, die eigentlich für die Müllentsorgung bzw. Tierkadaverbeseitigung bestimmt waren.

  4. verwässert und die Verbraucher für blöd verkauft."

    Ich bitte Sie. Der Klaus im Sandkasten hat doch schon gelernt, dass der Kunde an den Fehlentwicklungen allerorten schuld ist.

    Das hat in den 80ern angefangen, dass die Konsumenten auf die Straße zum Demonstrieren sind, und von den Herstellern forderten, dass sie endlich das möglichst menschen- und naturschädigend produzierte Zeug zum Essen und zum Anziehen von außerhalb Deutschlands besorgen sollen. Und zu allererst die Wassertomaten aus Holland sonst wäre die Kaufverweigerung eine komplette.

    Da reden wir zu selten drüber, aber es sind nie die Kunden die behupst werden sollen, sondern die Händler und Produzenten, die von den Kunden gezwungen werden, all ihre Moral und ihren Kaufmannsstolz fahren zu lassen, mit dem Teufel den Bund zu schließen und vor keinem noch so dreckigen Geschäft zurückzuschrecken, damit der Kunde seinen Willen kriegt.

    Antwort auf "Ist schon klar,"
  5. Ach ja:

    "Das Paradies der Erde,
    liegt in Lasagne vom Pferde,
    ..."

    Oder so?!?

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  6. ...besser Pferdefleisch aus Rumaenien als Rindfleisch aus russland?

    http://commons.wikimedia....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, nf
  • Schlagworte CDU | CSU | Ilse Aigner | Rind | Baden-Württemberg | Berlin
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