Wenn die Wildlachse aus dem Ozean die Flüsse Kanadas stromaufwärts ziehen, ist dies ein unvergleichliches Naturschauspiel. Seit Menschengedenken kämpfen sich immer im Spätsommer und Herbst Millionen Fische die Stromschnellen hoch, bis zu ihren Laichgründen. Bären lauern auf Steinen, um sich für den Winterschlaf fett zu fressen.

Doch an manchen Orten kommen nur noch sehr wenige Lachse an, berichtet der Fischforscher Serge Labonté. Nicht Überfischung sei schuld, auch keine Parasiten, gesicherte Erkenntnisse gebe es noch nicht. Aber Lachse brauchen kaltes Wasser. Labonté verdächtigt den Klimawandel, hier möglicherweise bereits spürbar das Ökosystem zu verändern.

Der Kanadier ist Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses im Internationalen Rat zur Erforschung der Meere (ICES), des weltweit größten Zusammenschlusses derartiger Experten. Der Klimawandel ist ein zentrales Thema ihrer Jahreskonferenz, die noch bis Freitag in Berlin stattfindet. Die Erderwärmung als Folge des Ausstoßes von Treibhausgasen durch Industrie und Verkehr hat massive Auswirkungen auch auf die Ozeane. Noch steht die Forschung hier am Anfang – aber die Wissenschaftler sehen Gründe genug, zur Vorsicht zu mahnen.

"Wir brauchen ein robustes Fischerei-Management", sagt der Franzose Benjamin Planque vom Norwegischen Institut für Meeresforschung. Wobei robust bedeutet: Die Regulierung der Fangmengen muss so zurückhaltend und flexibel ausgestaltet sein, dass die Bestände in jedem Fall erhalten werden – auch im Fall heftiger Auswirkungen des Klimawandels. Und zwar gerade weil diese für die Unterwasserwelt noch ungewiss sind. Genau an diesem Vorbeugeprinzip aber stößt sich die Fischereiindustrie mit ihren kurzfristigen, aber gern lautstark vorgetragenen wirtschaftlichen Interessen.