Fischerei und Artenschutz Im Kampf gegen die Ausbeutung der Meere

Ab heute tagt der Internationale Rat für Meeresforschung. Experten warnen vor der Überfischung der Bestände. Nun will auch die EU ihre Fischereipolitik drastisch ändern.

Mehr als 80 Prozent der Fischbestände in Europa sind überfischt, weltweit sind es 28 Prozent

Mehr als 80 Prozent der Fischbestände in Europa sind überfischt, weltweit sind es 28 Prozent

Um Plankton geht es, jene Kleinstlebewesen des Meeres. Um Schätzmethoden für die Größe von Kabeljauschwärmen. Um die Vermeidung von Beifängen in Schleppnetzen. Wenn sich von heute an in Berlin Hunderte von Fischereiwissenschaftlern vom Internationalen Rat zur Erforschung der Meere, kurz ICES, treffen, dann wirken manche ihrer Themen arg speziell.

Doch sie führen einen großen Kampf – den gegen die Plünderung der Meere. Nicht aus Tierliebe, sondern um der Menschheit eine natürliche Ressource zu erhalten. Mehr als 80 Prozent der Bestände in Europa sind überfischt. Weltweit sind es 28 Prozent, heißt es bei der UN-Ernährungsorganisation, weitere 52 Prozent werden bereits voll genutzt.

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Der globale Hunger nach Fisch aber erreicht jährlich neue Rekorde. Wären die Fischwissenschaftler nicht fast so kaltblütig wie ihre Forschungsobjekte, so würden sie ihr Treffen als Krisengipfel sehen. Der Klimawandel verschärft die Situation. Die Erwärmung der Weltmeere lässt den Sauerstoffgehalt des Wassers sinken, Arten wandern.

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Für die Wissenschaftler entwickelt sich dies zu einer zentralen Frage. Die Emission der Treibhausgase können die Fischforscher nicht beeinflussen. Aber: "Wegen der Klimaveränderung müssen wir genau hinschauen, dass eine Art in einer Region nicht zu sehr unter Druck gerät", erklärt ICES-Generalsekretär Gerd Hubold. "Das muss ein Faktor für die Fischerei sein."

Drastische Veränderungen der EU-Fischereipolitik will nun vor diesem Hintergrund die Europäische Kommission durchsetzen. Weit wie nie gehen die gesetzgeberischen Vorstöße, und so sind sie ein zweiter Schwerpunkt des Forschertreffens – ein heikler. Die Kommission legt Fangquoten fest, welche die Bestände vor dem Zusammenbruch bewahren sollen. Alljährlich gibt der ICES hierfür Empfehlungen, die nächsten in diesem Oktober, etwa für den Hering im Nordost-Atlantik.

Leser-Kommentare
  1. ein innovatives Verfahren zu entwickeln, mit dem man Geld zu einem nahrhaften Produkt veredeln kann, um damit den wachsenden Hunger in der Welt zu stillen und nicht nur die Gier der Reichen und Aberreichen nach immer noch mehr Reibach um jeden Preis zu befriedigen!

  2. Wenn ich das hier lese "ein Fisch auf dem Teller" bedeutet bis zu 9 tote Tiere. Und das teilweise nur, weil der "Beifang" nicht genug Wert ist.
    Schön, das die Marktwirtschaft schon soweit vorgedrungen ist.

  3. vor drei jahrzehnten rechneten die experten in "Global 2000" vor, dass und in welchem umfang die meere überfischt werden. der wettbewerb oder deutlicher: der konkurrenzkampf der fischereinationen sorgt dafür, dass kurs gehalten wird auf die leeren meere.
    niemand kann einem land wie japan vorschreiben, die wale in ruhe zu lassen. das sind die größten beutetiere. aber von der anderen seite her wird die hauptnahrung der riesen, der krill, nun auch längst ausgebeutet. irgendwie muss es doch zu schaffen sein, reinen tisch mit dem fisch zu machen. mit wal und fisch.
    nimmt man zur unerbittlichen konkurrenz unter den fischereinationen und den einzelnen flotten noch die stetige "verbesserung" der fangtechnik hinzu, so kann es nur eine frage von jahrzehnten sein, bis der letzte fisch ins netz geht.
    der hunger der wachsenden weltbevölkerung nimmt derweil nicht ab. und verlangt noch mehr aus dem meer.

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