Klimawandel in der Kritik "Eine Atempause - mehr nicht"

Auf Internetseiten von Skeptikern des Klimawandels rumort es: Der Forscher Mojib Latif dient vielen als Kronzeuge, dass die Erderwärmung ausfalle. Zu Unrecht, sagt Latif.

Auf den Philippinen macht sich der Klimawandel in den letzten Wochen besonders bemerkbar. Dagupan City eine Stadt der philippinischen Provinz Pangasinán - Ein Mann ruht sich an einer Tankstelle von den Fluten aus

Auf den Philippinen macht sich der Klimawandel in den letzten Wochen besonders bemerkbar. Dagupan City eine Stadt der philippinischen Provinz Pangasinán - Ein Mann ruht sich an einer Tankstelle von den Fluten aus


Frage: Herr Latif, durch verschiedene Internet-Blogs, aber auch die New York Times und den New Scientist gingen in den letzten Wochen Meldungen, dass die Erderwärmungen vorerst abgesagt ist beziehungsweise eine Pause einlegt. Stimmt das denn überhaupt?

Mojib Latif: Der letzte Rekord bezogen auf die weltweite Mitteltemperatur war tatsächlich 1998, seit damals gab es keinen neuen Spitzenwert. Danach ist kein signifikanter Trend erkennbar – weder in die eine, noch in die andere Richtung. Wir haben ein hohes Niveau erreicht und verharren nun auf diesem Plateau.

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Frage: Warum legt die Erderwärmung gegenwärtig überhaupt eine Pause ein?

Latif: Grundsätzlich ist es kein Wunder, dass die Erderwärmung eine Pause einlegt. Das ist zu erwarten, denn es können nicht Jahr für Jahr neue Rekorde gebrochen werden. Zum einen gibt es den menschlichen Einfluss auf das Klima, der den langfristigen Erwärmungstrend produziert. Andererseits haben Sie natürliche Schwankungen, die diesen Prozess kurzfristig überlagern: Mal sorgen sie dafür, dass sich die Erwärmung beschleunigt, mal bewirken sie, dass sich die Entwicklung etwas abschwächt. Für uns Klimaforscher ist es deshalb nicht ungewöhnlich, dass die Erwärmung bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts pausieren könnte. Danach wird sie dafür wohl umso schneller weitergehen.

Frage: Und was löst die gegenwärtige Pause klimatisch aus?

Latif: Zwei Phänomene spielen nach unseren Berechnungen eine Rolle. Sowohl im Pazifik als auch im Atlantik verändern sich die Meeresströmungen in einer Art und Weise, dass sie für eine gewisse Zeit abkühlend wirken: die Pacific Decadal Oscillation (PDO) und die Atlantic Multidecadal Oscillation (AMO). Das sind natürliche Schwingungen im Klimasystem, die nach unserem Modell in den nächsten zehn Jahren in ihre negative Phase schwenken und den Effekt der globalen Erwärmung überlagern.

Frage: Wie wirkt sich das konkret auf Europa aus: Müssen wir in den nächsten Jahren wieder mit etwas kälteren Wintern rechnen?

Latif: Unwesentlich. Wir dürfen diese Abkühlung nicht missverstehen. Auch wenn es sich tatsächlich leicht abkühlt - was unser Modell für Europa zeigt -, so liegen wir immer noch im warmen Bereich im Vergleich zu früher. Im Prinzip verharren wir weiterhin auf dem erreichten höheren Temperaturniveau. Wir bekommen also weiterhin eher milde Winter.

Frage: Das verschiedentlich im Internet geäußerte "Global Cooling" fällt also aus?

Latif: Ja, wir erhalten eine Atempause – mehr nicht. Das Problem der Erderwärmung ist dadurch keinesfalls vom Tisch. Wir hatten das auch ganz eindeutig betont, weil wir schon damit gerechnet haben, dass unsere Aussagen von bestimmten Seiten bewusst missverstanden werden.

Leser-Kommentare
  1. So einfach ist das, und Herr Latif weiß das sicher auch...

    Aber was soll er als führender IPCC-Klimaforscher nach seinen jahrelangen Warnungen vor einer menschengemachten Klimaerwärmung vor der Klimakonferenz im Dezemer 2009 in Kopenhagen auch der Öffentlichkeit sagen?

    Dass er seit Jahren Unsinn erzählt? Das kann doch wohl niemand ernsthaft erwarten...

    Eine neue Studie von Loehle und Craig kommt nach Auswertung der Satellitendaten seit 1979 bis Juni 2009 zu dem Ergebnis, dass die globalen Temperaturen seit 12 - 13 Jahren zurückgehen.
    Quelle: Trend analysis of satellite global temperature data. Energy and Environment 20 (7) October 2009. http://www.ncasi.org/publ...

    Sie kommen nach Abgleich mit verschiedenen Modellen auch zu dem Schluss, dass diese globale Abkühlung für einige JAHRZEHNTE anhält:
    "The past 12 to 13 years show cooling using both satellite data sets,... One of these models is extrapolated from its 2000 calibration end date and shows a good match to the satellite data, with a projection of continued cooling for several more decades..."

    Ist Herr Latif vielleicht falsch verstanden worden, als er auf der dritten Weltklimakonferenz in Genf Anfang September 2009 erklärte, dass eine globale Abkühlung für 10 oder sogar 20 Jahre kommen könne?
    http://community.zeit.de/user/schneefan/beitrag/2009/09/09/mojib-latif-globale-abkühlung-für-20-jahre

    Doch wohl kaum!

  2. Nachdem die Kommentare Latifs vor einigen Wochen wenigstens ein wenig Realitätssinn bewiesen, rudert er heute wieder zurück. Wer hat ihn wohl dazu gebracht?
    Die Hohenpriester des IPCC? Oder gar unsere Bundeskanzlerin, gerade auf Werbetour für den Klimawandel? Als gehorsamer „Wissenschaftler“ hat Latif natürlich schnell gemerkt, um gegen den Strom zu schwimmen ist es noch zu früh. Erstmal die Forschungsgelder und die Rente sichern, wen interessiert dann schon die Wissenschaft oder gar die Suche nach der Wahrheit?
    Arme Welt, in der Scharlatane wichtige Wissenschaftsbereiche (Klima, Wirtschaft) usurpiert haben!

  3. ...ist das Problem, das sie nicht ernsthaft bereit sind ???

    • mycel
    • 06.11.2009 um 15:54 Uhr

    dafür das am durch CO2 bedingten antropogenen Klimawandel nichts dran ist, finden sich in diesem Dokument:

    http://www.eike-klima-energie.eu/klima-anzeige/skeptiker-handbuch-fuer-den-rest-von-uns/?tx_ttnews[pointer]=1

    Ich suchte in Büchern und im Netz lange nach Gegenargumenten - erfolglos.
    Wer kann die Argumente in der Broschüre wiederlegen?

  4. ...da das Buch schon nahezu überholt ist.

    Einen guten kurzen Überblick über die populärsten Kritiker-Argumente und ihrer Widerlegung findet sich beim Umweltbundesamt:
    http://www.umweltdaten.de...

    Wenn Ihnen dann noch was einfällt, könnten Sie vielleicht etwas präziser Fragen.

    Zudem sind EIKE und Co zweifelhafte Quellen, das sind keine Forschungsinstitute, sondern eher Online-Verlage für zweifelhafte Ansichten. Im schlimmsten Fall gesponsert von Exxon Mobile Friends:
    http://exxonsecrets.org/w...

    • mycel
    • 07.11.2009 um 12:01 Uhr

    (die mir bereits bekannt war) ist ein wunderbares Beispiel für inhaltsleere Propaganda. Es zeigt wie mit Wortreichtum eine Illusion von Antworten erzeugt wird - ein genauer Blick lohnt sich:

    Skeptikerbroschüre Punkt 4 -> Umweltamtbroschüre Punkt C5
    (Absorptionseffekt ist bereits nahezu gesättigt)
    Auch nach mehrmaligem lesen ist es unmöglich zu sagen was Antwort C5 eigentlich aussagt - am ehesten gibt sie dem Einwand sogar recht.
    Flanken sind Flanken, in der natur gibt es niemals unendlich steilen Flanken, das Vorhandensein von Flanken macht in diesem Fall die Absorptionsbänder nicht breiter.
    Tatsächlich wird der Umstand der exponentiellen Sättigungskurve von CO2-Erwärmungsverfechtern durchaus nicht bestritten. Aktuelle Antworten beziehen sich eher auf einen angenommenen indirekten Effekt über den Wasserhaushalt, die Wolkenbildung und deren nichtlineare Dynamik.
    Da diese Argumente aber ausschliesslich auf Computermodellen beruhen (derer unendlich viele denkbar sind) überzeugen auch diese nicht.
    Das Umweltbundesamt hat anscheinend davon nicht gehört.

    Skeptikerbroschüre Punkt 3
    (es kühlt sich ab)
    Diese Tatsache wird inzwischen nicht mehr bestritten.

    Skeptikerbroschüre Punkt 2 -> Umweltamtbroschüre Punkt B3
    (Erwährmungsphasen laufen Phasen erhöhter CO2-Konzentration 800Jahre voraus)
    Die Bundesamtbroschüre gibt der Skeptikerbroschüre hier recht und zeigt kein Gegenargument auf.

    Skeptikerbroschüre Punkt 1 -> Amtsbroschüre - keine Antwort
    (Der Treibhausfootprint bleibt aus)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mycel
    • 07.11.2009 um 12:05 Uhr

    Ergänzung:

    Das EIKE und Co (wer ist mit Co eigentlich gemeint) zweifelhafte Quellen seien sind Behauptungen aber leider keine Argumente.
    Aufgrund der obigen Punkte (meiner Antwort auf den Beitrag von NixNutz) sehe ich mich aber genötigt das Umweltbundesamt als zweifelhafte Quelle zu bezeichnen.
    Auch Spekulationen über die Finanzierung sind vollkommen sinnlos.
    Erfreulicherweise empfangen Instituionen wie das IPCC ihre Lebensenergie ausschliesslich vom heiligen Geist - oder was meinen Sie?
    Bitte sachliche Argumente.

    hab ich Ihnen vor allem verlinkt um die Thesen etwas einzuschränken. Ein ganzes Handbuch zu verlinken und dann zu sagen: widerlegt das mal, ist doch eine etwas pauschale Forderung für eine Diskussion.

    Zu dem was übrig blieb:
    Skeptikerbroschüre Punkt 1:
    Keine Ahnung was dieses krude Argument sagen will, ich tippe mal auf Kritik an einen Ausschnitt aus einer Modellierung. Soviel dazu:

    Bei den gegenwärtigen Simulationen handelt es sich um Szenarienrechnungen, mit denen ganz konkret der Einfluss unterschiedlich erhöhter Konzentrationen treibhauswirksamer Gase in der Atmosphäre auf die Klimaelemente für einen bestimmten Zeitabschnitt untersucht werden. Die Ergebnisse von Klimamodellen sind besser als Klimaprojektionen zu beschreiben und nicht als Vorhersagen. Das bedeutet, dass in Abhängigkeit von den jeweiligen Randbedingungen verschiedene Pfade der künftigen Entwicklung des Klimas möglich sind bzw. in den Modellen evaluiert werden.
    Das Wetter an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt kann man nicht vorhersagen, falls das gemeint war.

    Skeptikerbroschüre Punkt 2:
    Es geht darum, dass dies kein Argument gegen die Wirkung von anthropogenem CO2 ist, da es zu den Zeiten der herangezogenen Klimarekonstruktionen noch keine Menschen gab.

    Skeptikerbroschüre Punkt 3:
    Das derzeit keine steile Erwärmung ui verzeichnen ist, heißt nicht das es sich abkühlt.

    • mycel
    • 07.11.2009 um 12:05 Uhr

    Ergänzung:

    Das EIKE und Co (wer ist mit Co eigentlich gemeint) zweifelhafte Quellen seien sind Behauptungen aber leider keine Argumente.
    Aufgrund der obigen Punkte (meiner Antwort auf den Beitrag von NixNutz) sehe ich mich aber genötigt das Umweltbundesamt als zweifelhafte Quelle zu bezeichnen.
    Auch Spekulationen über die Finanzierung sind vollkommen sinnlos.
    Erfreulicherweise empfangen Instituionen wie das IPCC ihre Lebensenergie ausschliesslich vom heiligen Geist - oder was meinen Sie?
    Bitte sachliche Argumente.

    hab ich Ihnen vor allem verlinkt um die Thesen etwas einzuschränken. Ein ganzes Handbuch zu verlinken und dann zu sagen: widerlegt das mal, ist doch eine etwas pauschale Forderung für eine Diskussion.

    Zu dem was übrig blieb:
    Skeptikerbroschüre Punkt 1:
    Keine Ahnung was dieses krude Argument sagen will, ich tippe mal auf Kritik an einen Ausschnitt aus einer Modellierung. Soviel dazu:

    Bei den gegenwärtigen Simulationen handelt es sich um Szenarienrechnungen, mit denen ganz konkret der Einfluss unterschiedlich erhöhter Konzentrationen treibhauswirksamer Gase in der Atmosphäre auf die Klimaelemente für einen bestimmten Zeitabschnitt untersucht werden. Die Ergebnisse von Klimamodellen sind besser als Klimaprojektionen zu beschreiben und nicht als Vorhersagen. Das bedeutet, dass in Abhängigkeit von den jeweiligen Randbedingungen verschiedene Pfade der künftigen Entwicklung des Klimas möglich sind bzw. in den Modellen evaluiert werden.
    Das Wetter an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt kann man nicht vorhersagen, falls das gemeint war.

    Skeptikerbroschüre Punkt 2:
    Es geht darum, dass dies kein Argument gegen die Wirkung von anthropogenem CO2 ist, da es zu den Zeiten der herangezogenen Klimarekonstruktionen noch keine Menschen gab.

    Skeptikerbroschüre Punkt 3:
    Das derzeit keine steile Erwärmung ui verzeichnen ist, heißt nicht das es sich abkühlt.

    • mycel
    • 07.11.2009 um 12:05 Uhr

    Ergänzung:

    Das EIKE und Co (wer ist mit Co eigentlich gemeint) zweifelhafte Quellen seien sind Behauptungen aber leider keine Argumente.
    Aufgrund der obigen Punkte (meiner Antwort auf den Beitrag von NixNutz) sehe ich mich aber genötigt das Umweltbundesamt als zweifelhafte Quelle zu bezeichnen.
    Auch Spekulationen über die Finanzierung sind vollkommen sinnlos.
    Erfreulicherweise empfangen Instituionen wie das IPCC ihre Lebensenergie ausschliesslich vom heiligen Geist - oder was meinen Sie?
    Bitte sachliche Argumente.

  5. Unbestritten gibt es viele natürliche Einflüsse auf das Klima, z.B. Sonnenaktivität! Jedoch fehlen mir in der EIKE-Brochüre jegliche Angaben zu Quellen der enthaltenen Behauptungen und das macht mich skeptisch.
    Dass manche gepeerte Papers nicht erschienen, weil sie zu schlecht waren, ist kein Beweis gegen AGW, sondern dafür, dass die Methode der peer-reviewed Journals funktioniert. Und wenn ein Klimawissenschaftler, mit guter, nachvollziehbarer Methodik zu klaren Resultaten gegen AGW kommen würden, könnte er, mit ziemlicher Sicherheit, sofort ganz hoch in peer-reviewed Journals publizieren. Warum passiert das nicht? Offensichtlich weil die Qualität nicht stimmt. Alle andere Behauptungen sind krude Verschwörungstheorien.
    Unabhängig davon, bin ich auch der Meinung, dass viel mehr Ressourcen in "adaptation", also in Klimaanpassung investiert werden sollten. Jahrelang war das ja verpönt, weil diese Mittel dann der "mitigation", also der Verhinderung des Klimawandels fehlen würden. Dabei sollte nicht nur in höhere Deiche, sondern vor allem in Forschung investiert werden, die z.B. die Auswirkungen veränderten Klimas auf Ökosysteme untersucht. So können Anpassungsstrategien für die Land- und Forstwirtschaft, aber auch für Ökosysteme wie Moore und Feuchtgebiete etc, mit ihren zahlreichen kostenlosen ökologischen Serviceleistungen entwickelt werden. Das müsste ja auch im Sinne der Klimaskeptiker sein, da dies unsere Klimaplastizitöät erhöht, unabhängig von der Ursache der Erwärmung.

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    • mycel
    • 08.11.2009 um 11:45 Uhr

    diese sind sachlich, klar und verständlich.
    mit ebenso klaren, sachlichen und verständichen Antworten könnte ich was anfangen.

    verschwörungstheorien (insbesondere die aktuelle verwendung dieses wortes in medien und der umgangssprache) sind ein anderes (wenn auch wichtiges und interessantes) thema.

    also, gibt es Anmerkungen zu den Argumenten der Broschüre???

    ich erinnere: es geht hier aussschliesslich um die frage, ob co2 eine antropogene Klimaerwärmung auslösen kann. sonst nix.

    • mycel
    • 08.11.2009 um 11:45 Uhr

    diese sind sachlich, klar und verständlich.
    mit ebenso klaren, sachlichen und verständichen Antworten könnte ich was anfangen.

    verschwörungstheorien (insbesondere die aktuelle verwendung dieses wortes in medien und der umgangssprache) sind ein anderes (wenn auch wichtiges und interessantes) thema.

    also, gibt es Anmerkungen zu den Argumenten der Broschüre???

    ich erinnere: es geht hier aussschliesslich um die frage, ob co2 eine antropogene Klimaerwärmung auslösen kann. sonst nix.

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