Wie muss man sich die Energiegewinnung durch tiefe Geothermie überhaupt vorstellen?
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Schema der Geothermienutzung: Geothermische Stromerzeugung setzt zwei Bohrungen, einen nachhaltigen Thermalwasserkreislauf und ein Kraftwerk an der Erdoberfläche voraus. Über die erste Bohrung wird das Wasser aus der Tiefe gefördert und nach seiner thermischen Nutzung im Kraftwerk über die zweite Bohrung wieder in den Speicher geleitet. Das geförderte Wasser gibt seine Wärme über einen Wärmetauscher an ein schon bei geringen Temperaturen siedendes Arbeitsmittel ab, das in einem Sekundärkreislauf den Generator zur Stromerzeugung antreibt.
Frage: Wie muss man sich die Energiegewinnung durch tiefe Geothermie überhaupt vorstellen?
Huenges: Auch hier gibt es mehrere Optionen: Ist die Heißwasserquelle direkt wirtschaftlich nutzbar, muss man nicht viel machen – so lange man die Massenbilanz aufrecht erhält, indem man so viel Wasser nachpumpt, wie gefördert wird. Hier passiert in der Regel geotektonisch nichts.
Ist sie dagegen noch nicht wirtschaftlich nutzbar, müssen wir die Energiequelle "stimulieren": Dazu pumpen wir große Wassermengen in den heißen Untergrund, um das Gestein zu brechen und aufreißen zu lassen, so dass es auch bei Druckentlastung noch offen bleibt. Diese Durchgänge im Gestein benötigen wir, damit der Energieträger später hindurchfließen und die Wärmeenergie aufnehmen kann. Diese Arbeiten sind durch den Druckaufbau im Untergrund mit Erschütterungen verbunden. Die Kunst ist nun, dass dies vonstatten geht, ohne dass größere Beben entstehen. Daran arbeiten wir momentan.
Frage: Wie viel von unserem Energiebedarf deckt die Geothermie ab und was können wir zukünftig noch von ihr erwarten?
Huenges: Die Geothermie dient vor allem der Wärmegewinnung, Strom erzeugen nur einzelne Anlagen. Mit einer langfristigen Strategie könnten wir hier bis zu fünf Prozent des Bedarfs decken, wobei diese Art der Stromproduktion grundlastfähig ist. Sie kann jederzeit bei Bedarf hinzu geschaltet werden wie etwa ein Kohlekraftwerk.
Bei der Wärme sind ebenfalls mindestens fünf Prozent erreichbar. Jedes fünfte Gebäude wird momentan mit Anbindung an die oberflächennahe Geothermie errichtet, um Heizkosten zu sparen. Diese Technologie ist jetzt schon sehr wettbewerbsfähig und bei Neubauten Standard. Bei Altbausanierungen – die momentan den größte Markt für Energietechnologien in Deutschland bilden – ist sie dagegen noch schwierig einzusetzen, hier dürfte es eine Weile dauern, bis sie sich durchsetzt.
Frage: Gibt es regionale Schwerpunkte in Deutschland?
Huenges: Die Branche boomt beispielsweise rund um München, wo gegenwärtig genauso viele neue Anlagen entstehen, wie bereits vorhanden sind. Auch in Südwestdeutschland ist man sehr aktiv bei der Wärme- und Stromproduktion durch Geothermie. In Norddeutschland muss dagegen tiefer gebohrt werden, aber sie ist auch hier machbar.
Frage: Bieten sich im Bereich dieser Technologie Marktchancen für deutsche Unternehmen im Ausland?
Huenges: Ja, unbedingt. Gerade was die Geothermieanwendungen außerhalb vulkanischer Gebiete anbelangt, gehören wir technologisch mit zur Weltspitze.
Das Gespräch führte Daniel Lingenhöhl
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- Datum 13.11.2009 - 19:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Spektrumdirekt.de
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Ein sehr interessanter Artikel!
Tiefe Geothermie ist prinzipiell überall auf der Welt verfügbar. Und damit dezentral, was sie z.B. für industrielle Prozesswärme und Gebäudeheizung interessant macht.
Aber jede Tiefenbohrung kostet einen 6-7-stelligen Eurobetrag. Wenn's dumm läuft sogar knapp 8-stellig! Dies scheint mir DER Kostentreiber zu sein.
Wie kann man die Exploration nach preiswerten und ergiebigen Geothermiequellen zuverlässiger machen?
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