Klimawandel

Reiche Länder haben Milliardenhilfen nicht gezahlt

Ein schlechtes Vorzeichen für die Klimakonferenz in Kopenhagen: Die versprochenen Zahlungen an Entwicklungsländer für die Hilfe beim Klimaschutz sind nicht geflossen.

Im Kampf gegen den Klimawandel haben reiche Industrienationen Milliardenzusagen für Entwicklungsländer angeblich nicht eingehalten. Nach einer Untersuchung des britischen Senders BBC ist der Großteil einer im Jahr 2001 versprochenen Hilfe im Volumen von 1,1 Milliarden Euro nie bei den ärmeren Ländern angekommen. Demnach wurden nur 173 Millionen Euro für zwei UN-Projekte überwiesen, wie die BBC am Mittwoch berichtete. Das meiste Geld kam dabei mit 23 Millionen Euro aus Deutschland.

Anzeige

Den BBC-Angaben zufolge behauptet die EU zwar, dass Geld geflossen sei. Allerdings könne die Union dafür keine Belege aufweisen. "Es gab Versprechen, die sich nicht verwirklicht haben", zitierte die BBC UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Jegliche Finanzzusagen, die beim anstehenden Weltklimagipfel erreicht würden, müssten messbar und nachvollziehbar sein, forderte er.

Die Finanzierung des Klimaschutzes zählt zu den Knackpunkten des Gipfels, der kommenden Monat in Kopenhagen stattfindet. Fehlendes Vertrauen in die Zusagen der reicheren Staaten könnte ärmere Länder von einer Unterschrift unter einem Abkommen abhalten.

Insgesamt 20 Industrienationen, die damaligen 15 EU-Mitglieder sowie Kanada, Island, Neuseeland, Norwegen und die Schweiz hatten das Geld im Jahr 2001 in einer Bonner Erklärung zugesagt.

Der Klimaunterhändler der EU-Kommission, Artur Runge-Metzger, sieht die Zusagen nicht gebrochen. Gleichzeitig räumte er laut BBC ein, dass Nachweise dafür schwierig seien, weil bei Geldströmen für Entwicklungsländer nicht immer klar getrennt werden könne, welche Beträge auf den Kampf gegen den Klimawandel entfielen. Enttäuscht zeigte sich Boni Biagini, der die UN-Töpfe verwaltet, in die ein Teil des Geldes geflossen war. Die Zusagen seien nicht eingehalten worden, sonst müsste er viel mehr Geld zur Verfügung haben, sagte er.

Derweil erhob auch China schwere Vorwürfe gegen die reichen Industrienationen. Der Klimabeauftragte des Außenministeriums, Yu Qingtai, warf den Industrienationen Wortbruch vor. Die versprochene technische und finanzielle Hilfe sei nicht in den Entwicklungsländern angekommen. Außerdem habe es in den Verhandlungen vor dem Treffen in Kopenhagen nicht genug Fortschritte gegeben, weil es ihnen "an gutem Willen gemangelt" habe, sagte Yu Qingtai weiter. Frühere Zusagen für eine Verringerung der Treibhausgase seien nicht eingehalten worden.

Die Entwicklungsländer sind hier die Opfer.

Chinesischer Klimabeauftragter Yu Qingtai

Auf die Frage, ob China in Kopenhagen noch ein "rechtlich bindendes Abkommen" suche, sagte Yu Qingtai: "Wichtiger als der Name sind bedeutende Inhalte." Die Ergebnisse der Verhandlungen in den vergangenen zwei Jahren sollten auf jeden Fall festgehalten werden. Forderungen nach neuen konkreten Zusagen Chinas wies Yu Qingtai entschieden zurück. Der Klimawandel sei seit 1750 durch die industrialisierten Länder verursacht worden, die für 80 Prozent der angesammelten Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich seien. Sie müssten zusehen, wie sie die selbst geschaffenen Probleme lösen. "Die Entwicklungsländer sind hier die Opfer", betonte Yu Qingtai.

Ein Abkommen in Kopenhagen müsse aus chinesischer Sicht "bedeutsame mengenmäßige Ziele" für die Industrienationen enthalten. Es müsse ferner sichergestellt werden, dass den Entwicklungsländern mit Finanzmitteln und Technik sowie bei ihren Fähigkeiten im Umgang mit der Erderwärmung geholfen werde. Mit dieser Unterstützung der reichen Nationen könnten die Entwicklungsländer angemessene Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase "vor dem Hintergrund ihrer nationalen Bedingungen" ergreifen. Der vereinbarte Grundsatz der "gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung" müsse gelten.

Anzeige
Leser-Kommentare

  1. Da machen die reichen Industrienationen beim Klimaschutz EINMAL einen Fehler (nämlich statt unverbindlichen und somit völlig irrelevanten "Absichtserklärungen" echte Zusagen zu machen), und schon wird ihnen vorgeworfen dass sie sich nicht daran halten.

    Die Welt ist einfach unfair!

    • 25.11.2009 um 19:37 Uhr
    • dido07

    Sind wir die Deppen für die ganze Welt? Wie lange noch?

  2. Das wird noch lustig werden, wenn Kindergärten geschlossen werden, Straßen nicht repariert werden, Hartz 4 auf 50 Euro gekürzt wird etc., weil wir zwecks "Klimaschutz" unsere Steuereinnahmen nach China überweisen.

  3. 4. Ja...

    ... es wäre ja auch ganz übel, wenn wir den Ölscheichs keine zig Milliarden jährlich für deren Öl überweisen müssten.

    Und es bringt wohl jeden von euch um, wenn wir ein paar Euro an jene armen Länder zurück überweisen, durch deren Ausbeutung wir reich geworden sind.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    @4   ngw16

    Ich bin nicht reich, und ich habe niemand ausgebeutet.
    Ich verbitte mir solche pauschalen Vorwürfe.

    • 25.11.2009 um 23:06 Uhr
    • ngw16
    5. @4

    Ich bin nicht reich, und ich habe niemand ausgebeutet.
    Ich verbitte mir solche pauschalen Vorwürfe.

    Antwort auf "Ja..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... sich verbitten, was Sie wollen. Aber offensichtlich muss man Ihnen mal ein paar deutliche Worte sagen.

    Mag sein, dass Sie sich nicht als "reich" empfinden - aber Sie haben offenbar einen Internetzugang. Sie hungern wohl auch nicht, oder? Sie haben Kleidung, sauberes Trinkwasser wohl auch und wenigstens eine rudimentäre Krankenversicherung.

    Das ist schon mehr, als 1 Milliarde Menschen weltweit vom Leben erwarten kann. Deshalb sind pauschale Vorwürfe völlig gerechtfertigt.

    Im Vergleich mit einem Großteil der Weltbevölkerung geht es selbst den Ärmsten in Deutschland gut. Und selbst die billigsten Klamotten die man hier kaufen kann sind unter der Ausbeutung chinesischer ArbeiterInnen entstanden, jenseits jeder Sozial - oder Umweltstandards.

    Also nehmen Sie zur Kenntnis, dass diese Klagen ob der Ausblutung des deutschen Volkes aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen absolut lächerlich sind.

    Und wenn Sie dennoch keine soziale Verantwortung für die ausgebeutete 3. Welt empfinden - dann machen Sie sich klar, dass diese Menschen aufgrund ihrer schlechten und unserer guten Situation zu uns kommen wollen... und das wird sich extrem verschärfen wenn der Klimawandel ungebremst fortschreitet.

  4. 6. Unfug

    Das Verbrennen von Biomasse ist ist klimaneutral? Was für ein Quatsch, jegliche Verbrennung ist Oxydation und erzeugt CO2.

    Es ist einfach logischer Quatsch, daß man dies als klimaneutral darstellt, weil ja vorher Biomasse mit C02 Einsatz gewachsen sei. Jegliche Kohle war auch mal früher Biomasse; dann man ebenso argumentieren, die Verbrennung von Kohle ist auch neutral, weil die Kohle ja mal als Biomasse früher CO2 gebunden hat.

    Man kann nicht frühere Einsparungen von CO2 mit dem heutigen Freisetzen aufrechnen.

    Weil ich letztes Jahr viel gegessen habe, entwickle ich heute keinen Hunger, wenn ich heute nichts esse - ich war ja mal satt gewesen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Na dann   dijiaopung

    erklaeren sie mir doch mal chemisch was bei der Verbrennung entsteht wenn nicht CO2 und H2O. Woraus besteht denn Biomasse?

  5. "... dass Nachweise dafür schwierig seien, weil bei Geldströmen für Entwicklungsländer nicht immer klar getrennt werden könne, welche Beträge auf den Kampf gegen den Klimawandel entfielen" ... und welche bei anderen Kämpfen Anwendung finden. Gab es denn bei den Waffenlieferungen nach Südafrika auch Probleme oder liefen wenigstens die glatt? Man liest ja kaum in großen Lettern drüber ...

    Ich fand andere Vorzeichen des Gipfels übrigens viel bedeutender. Z. B. werden dort - das wurde vorher vereinbart - keine verbindlichen Vorgaben gemacht, sondern es entstehen nur Empfehlungen.
    Aber es gibt auch Lichtblicke: Die USA sind ja immerhin in Teilzeit vertreten, weil dann der Friedensnobelpreis wartet, obwohl die Anti-Personen-Minen-Anwendung auch unter Herrn Obama keine Revision erfahren hat. Ob die Jury dann noch lächeln kann?

    Nun ja, kleine Schritte bringen uns voran, man muss halt auf die Richtung achten ...

  6. ... sich verbitten, was Sie wollen. Aber offensichtlich muss man Ihnen mal ein paar deutliche Worte sagen.

    Mag sein, dass Sie sich nicht als "reich" empfinden - aber Sie haben offenbar einen Internetzugang. Sie hungern wohl auch nicht, oder? Sie haben Kleidung, sauberes Trinkwasser wohl auch und wenigstens eine rudimentäre Krankenversicherung.

    Das ist schon mehr, als 1 Milliarde Menschen weltweit vom Leben erwarten kann. Deshalb sind pauschale Vorwürfe völlig gerechtfertigt.

    Im Vergleich mit einem Großteil der Weltbevölkerung geht es selbst den Ärmsten in Deutschland gut. Und selbst die billigsten Klamotten die man hier kaufen kann sind unter der Ausbeutung chinesischer ArbeiterInnen entstanden, jenseits jeder Sozial - oder Umweltstandards.

    Also nehmen Sie zur Kenntnis, dass diese Klagen ob der Ausblutung des deutschen Volkes aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen absolut lächerlich sind.

    Und wenn Sie dennoch keine soziale Verantwortung für die ausgebeutete 3. Welt empfinden - dann machen Sie sich klar, dass diese Menschen aufgrund ihrer schlechten und unserer guten Situation zu uns kommen wollen... und das wird sich extrem verschärfen wenn der Klimawandel ungebremst fortschreitet.

    Antwort auf "@4"
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
  • Datum 25.11.2009 - 19:19 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Kommentare 14
  • Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Klima | Klimaschutz | Entwicklungshilfe
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service