Die globale Durchschnittstemperatur könnte gar um sieben Grad steigen, wenn die Treibhausgas-Emissionen nicht sofort sinken © Carsten Koall/Getty Images

"Wir wollten schauen, ob sich etwas verändert hat", sagt Martin Visbeck vom Kieler Leibniz Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Der stellvertretende Direktor des Instituts und Ozeanograf gehört einer internationalen Gruppe von 26 Klimaforschern an. Sie haben sich im Vorfeld des Kopenhagener Klimagipfels die Prognosen des Weltklimarates IPCC von 2007 noch einmal im Detail angeschaut.

Ihren Bericht stellen die Forscher nun vor (Sie können ihn hier als pdf-Datei herunterladen) und er verspricht wenig Gutes: Die bisherigen Prognosen halten der Überprüfung nicht nur stand, einige Folgen des Klimawandels werden sogar deutlich früher und stärker eintreten, als noch vor wenigen Jahren vermutet wurde.

Auch das "worst-case scenario" des IPCC, also die schlimmsten zu erwartenden Ereignisse, stehen nach wie vor im Raum: "Der globale Temperaturanstieg folgt weiterhin den früheren Projektionen des IPCC aufgrund der wachsenden Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre. Ohne deutliche Verminderung der Emissionen könnte die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu sieben Grad Celsius ansteigen", lautet das Fazit der Autoren.

"Insgesamt ist die Lage seit 2007 moderat ernster geworden", sagt Visbeck. Eindringlich appellieren die Autoren deshalb an die internationale Politik, die bevorstehende Weltklimakonferenz nicht zu einem Flop werden zu lassen. "Dies ist der letzte wissenschaftliche Aufruf an die Unterhändler der Teilnehmerstaaten, den Klimaschutz-Zug in Kopenhagen nicht zu verpassen. Sie müssen die ganze Wahrheit über die globale Erwärmung und die damit verbundenen nie da gewesenen Risiken kennen", sagt auch der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Hans Joachim Schellnhuber.

"Die großen Eisschilde der Erde verlieren zunehmend an Masse; das arktische Meereis schwindet deutlich schneller und der Meeresspiegel wird wahrscheinlich stärker ansteigen, als bislang angenommen", heißt es zusammenfassend in dem neuen Report. Aktuelle Beobachtungen und Satellitenmessungen belegen, dass das arktische Meereis in den Sommern der Jahre 2007 bis 2009 um rund 40 Prozent stärker schrumpfte, als die  Simulationsrechnungen des IPCC vor zwei Jahren noch vorhersagten.

In den vergangenen 15 Jahren ist der Meeresspiegel um mehr als fünf Zentimeter angestiegen. Der Wert liegt damit um rund 80 Prozent über den Prognosen des dritten IPCC-Sachstandberichts von 2001. Durch den Schmelzwasserzufluss von Eisschilden und Gebirgsgletschern könnte der Pegel bis zum Jahr 2100 global um mehr als einen Meter bis maximal zwei Meter ansteigen – deutlich stärker als nach den Vorhersagen des IPCC.