Als in den siebziger Jahren noch 95 Prozent des Regenwaldes auf Borneo erhalten war, war auch die Welt der Orang-Utans noch in Ordnung. Diese friedlichen Menschenaffen, die sich mit ihrem orangefarbenen Fell und dem runden Gesicht eindeutig von anderen Affen unterscheiden, kommen von Natur aus nur an diesem einen Ort der Erde in Südostasien vor: Auf Borneo und Sumatra, zwei der insgesamt rund 17.000 Inseln des indonesischen Archipels.

Diese Menschenaffen zählen zu unseren nächsten noch lebenden Verwandten auf der Erde – und doch ist es der Mensch, der ihren Lebensraum am stärksten gefährdet. Er hat auf Sumatra fast den gesamten Regenwald zerstört – auf Borneo ist die Hälfte der Wälder durch Abholzung und Waldbrände verloren. Orang-Utans leben auf Bäumen, bauen sich Nester in den Kronen, fressen Blätter und Früchte. Ohne den Wald, können diese Tiere, deren Name in der Sprache der Ureinwohner "Waldmensch" bedeutet, nicht überleben.

587 Orang-Utans sitzen deshalb derzeit in der Schutzstation Nyaru Menteng im Süden Kalimantans, dem indonesischen Teil Borneos fest. "Einheimische, die heimatlose Orang-Utans auf der Straße oder nach großen Feuern ausgehungert und orientierungslos auf dem verkohlten Waldboden finden, geben sie hier ab oder rufen an, damit wir die Tiere einfangen" erzählt Ali Munthaha, stellvertretender Leiter der Orang-Utan-Station. Einige der Tiere werden auch von der Polizei hergebracht. "Sie werden beschlagnahmt, wenn sie von Einheimischen als Haustiere gehalten wurden, was in Indonesien strafbar ist" erklärt Ali Munthaha.

Allerdings sind nicht alle Menschen auf der Insel den Affen wohlgesonnen. Wenn die Tiere Hunger haben und in den degradierten Wäldern keine Nahrung mehr finden, fressen sie die Früchte der Ölpalmen auf den Plantagen – viele Orang-Utans werden dabei erwischt und erschossen.