Reaktionen zum Klimagipfel Sterbehilfe für das Weltklima

Klimaforscher sind enttäuscht über die Ergebnisse in Kopenhagen. Das Scheitern der internationalen Politik ist jedoch nicht das Ende. Ein Umdenken müsse her.

Kunstwerke in der Kopenhagener Innenstadt zeugen noch vom beendeten Klimagipfel. In den Augen der Klimaforscher war die Konferenz jedoch wirkungslos.

Kunstwerke in der Kopenhagener Innenstadt zeugen noch vom beendeten Klimagipfel. In den Augen der Klimaforscher war die Konferenz jedoch wirkungslos.

Erfolge sehen wahrlich anders aus. Die Verhandlungen in Kopenhagen enden mit einem Kompromiss, der keiner ist: Gescheitert ist das Ziel, verbindliche Vorgaben für die Reduktion der Treibhausgasemissionen zu schließen. Zwar soll es finanzielle und technologische Unterstützung der Industriestaaten für Schwellen- und Entwicklungsländer geben. Doch konkrete Vereinbarungen sind das nicht. Da wundert es kaum, dass auch Klimaforscher zu ernüchternden Einschätzungen kommen, was die internationale Diplomatie angeht.

"Die Kopenhagener Konferenz kommt einer Sterbehilfe für das Weltklima gleich", sagt Mojib Latif, Klimaforscher und Meteorologe vom Kieler Leibniz Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). "Die Politik ist an ihren eigenen Maßstäben grandios gescheitert." Einige seiner Kollegen kommen zu ähnlichen Einschätzungen."Im so genannten Copenhagen Accord steht nichts Konkretes mehr drin", sagt der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Jochem Marotzke. "Vermutlich spielt die durchaus legitime Sorge einiger Länder, was ihr wirtschaftliches Wohlergehen angeht, eine große Rolle. Dabei stellen wir aber fest, dass wir damit unser Klima ruinieren. Das ist das wirkliche Problem."

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Den Grund des Scheiterns sehen die Klimawissenschaftler auch in der Blockadehaltung, die sich in der internationalen Politik etabliert habe. "Das ähnelt einem Klimamikado, was dort betrieben wird. Nach dem Motto: Wer sich bewegt hat schon verloren", sagt Latif. "In Kopenhagen wäre sehr viel mehr drin gewesen", sagt auch Ottmar Edenhofer, vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der die Arbeitsgruppe "Vermeidung des Klimawandels" im Weltklimarat IPCC leitet. "Die Klimakonferenz in ihrer jetzigen Form muss radikal reformiert werden". Dabei kritisiert Edenhofer vor allem die dänische Verhandlungsführung und auch die Vorbereitung. Auf dem nächsten Weltklimatreffen im kommenden Jahr in Mexiko müsse ein besseres Ergebnis her.

Doch vielleicht ist auch die Größe des Klimagipfels mit verantwortlich für die minimalen Zugeständnisse der Industrieländer. Vertreter aus fast 200 Staaten kamen in Kopenhagen zusammen, 15.000 Teilnehmer diskutierten miteinander. "Bei dieser Größenordnung kann das vielleicht auch nichts werden", sagt Latif. Dennoch müsse sich international endlich durchsetzen, dass jeder seinen Beitrag leisten müsse und das gleichermaßen, sagt Jochem Marotzke.

Den Klimaforscher Hans von Storch hat der Ausgang wenig überrascht: "Während der Verhandlungen und auch davor schon, wurde ständig mit Fantasiezahlen zu den Emissionszielen hantiert, die so nicht durchzusetzen waren", sagt der Wissenschaftler vom Küstenforschungszentrum GKSS in Geesthacht. Viel beunruhigender als die Verhandlungen in Kopenhagen sei ohnehin eine ganz andere Frage. "Wie wir uns gegenwärtigen Klimagefahren anpassen, wird viel zu wenig diskutiert". Das zeige etwa der Umgang mit dem Zyklon Nargis, der in Birma 2008 schätzungsweise mehr als 100.000 Menschen mit in den Tod riss. "Um solche Entwicklungen kümmert man sich bis heute nicht."

Auch mahnt von Storch zur Vorsicht, insbesondere China nun allein als Sündenbock darzustellen: "Das Land hat in den vergangenen Jahrzehnten eine durchaus wirksame Klimaschutzpolitik betrieben: durch eine massive Begrenzung seiner Bevölkerungszahl."  Wichtig ist aber, das sich China und die USA endlich näher kämen. "Beide Länder müssen sagen, was sie wirklich wollen", sagt Latif, immerhin pusten sie zusammen rund 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen in die Atmosphäre. "Wenn sie nichts unternehmen wollen, dann ist das so." Die Klimaforscher der Welt könnten nicht noch deutlicher werden.

Wie ernst die Lage des Weltklimas ist, haben Forscher vor der Konferenz stets betont. Es gab auch Kritik an der Rolle der Klimawissenschaftler in der Politikberatung. Hat man sich politisch zu stark eingemischt? "Der Weltklimarat hat sein Mandat nie überzogen. Aufgabe der Wissenschaft muss es sein, der Politik dazustellen, welche Entscheidungsmöglichkeiten sie im Klimaschutz hat. Und das haben wir getan", sagt Ottmar Edenhofer.

Auch wenn der Gipfel in Kopenhagen mit viel Enttäuschung zu Ende geht, sind viele Klimaforscher weiterhin zuversichtlich: "Die Notwendigkeit, Emissionen zu reduzieren, läuft nicht davon," sagt etwa Jochem Marotzke. "Je länger wir warten, desto effektiver müssen die Maßnahmen greifen. Wer darauf dank neuer Technologien und Märkte vorbereitet ist, wird im Vorteil sein."

 
Leser-Kommentare
  1. Das Ergebnis dieser Konferenz ist einfach ein Desaster. Wenn Einigkeit darüber herrscht, dass die sofortige drastische Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes zwingend notwendig ist und eine Konferenz mit Teilnahme der mächtigsten Regierungschefs dieses Globus´ nicht geeignet ist, die erforderliche Wende einzuleiten, muss die Entscheidungs- und Umsetzungsgewalt in andere Hände bzw. Gremien gelegt werden. Beschlüsse von unabhängigen, international paritätisch besetzten Expertenkommissionen müssten dann bindend für alle Nationen werden.

    • GBHPG
    • 21.12.2009 um 3:36 Uhr

    Je weniger die Politiker und die "Supermenschen", die glauben, daß sie das Klima verändern können, etwas erreichen, um so besser für die restliche Menschheit. Jedesmal, wenn ich höre, jemand will etwas zum "Wohle der Menschheit" tun, halte ich mein Portemonnaie fest.

    Gerd, Chicago

  2. ... was passiert dann, wenn das Klima mausetot ist, gibt es dann kein Wetter mehr?
    Kopenhagen war doch ein Riesenerfolg! Es gibt offensichtlich zu viele Punkte bei denen die Kritiker recht haben:
    http://www.science-skepti...

  3. Klimamodelle basieren allesamt auf komplexen nichtlinearen Systemen. Parameter und Wechselwirkungen lassen sich problemlos so einstellen, dass jedes gewünschte Ergebnis heraus kommt.

    Eine winzige Änderung der Anfangsbedingungen, eine klitzekleine Einflussgröße über den Effekt der Wolkenbildung, und man kann beweisen, was immer man will. Man kann eine weltweite Eiszeit herbeiführen oder eine katastrophale Erwärmung. Klimamodelle sind nichts anderes als die in Formeln gegossene Meinung ihrer Schöpfer.

  4. 1. Deshalb ist immer der kritische Test, ob die Klimamodelle bei Eingabe bekannter Randwerte der Vergangenheit die weitere Entwicklung wiedergeben.

    2. Die Beziehungen zwischen den Parametern/Variablen können nicht beliebig gewählt werden, sondern müssen die physikalischen Gesetze widerspiegeln.

    3. Kleine Änderungen der Randbedingungen führen zu ähnlichen Aussagen der Modelle über das KLIMA.
    Ich nehme an, Sie spielen auf den "Schmetterlingseffekt" beim Wetter an. Beachten Sie, dass Klimaprognosen Aussagen über bestimmte globale Mittelwerte treffen.

  5. Herr Mentzel,

    Vince Ebert schreibt von Ihnen ab, schauen Sie sich mal den Auszug aus einem Interview an:

    "Die computergestützten Klimamodelle, auf die sich alle Prognosen stützen, basieren nämlich alle auf sogenannten „nichtlinearen Systemen“. Ich habe [...] diese nichtlinearen Systeme kennen gelernt und weiß, dass man mit ihnen jedes beliebige Ergebnis „errechnen“ kann, wenn man nur geschickt den ein oder anderen Anfangsparameter minimal variiert. Salopp gesagt sind Prognosen von Klimamodellen also nichts anderes als die in Formeln gegossene Meinung ihrer Schöpfer."

    Die Überschrift des Interviews war ironischerweise "Autoritäten nicht blind vertrauen" und bezog sich auf Eberts Programm "Denken lohnt sich".

  6. Völlig richtig: Vince Ebert schreibt bei mir ab und Klimamodelle können die künftige Entwicklung korrekt vorausberechnen.

    Das deterministische Chaos des nichtlinearen Systems "Weltklima" ist ohne Belang, wenn ein Klimaforscher so lange an den Wechselwirkungen dutzender Einflussgrößen herumschrauben kann, bis das Programm seines Großrechners den "Vergangenheitstest" besteht und die Temperaturveränderung der letzten hundert Jahre ausspuckt. Dank der Vielzahl verschiedener Einflussgrößen müssen nicht einmal physikalische Gesetze gebeugt werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

    Auch der durchschnittliche Börsenkurs der letzten hundert Jahre lässt sich mit diesen Methoden errechnen. Je größer die Anzahl veränderungsrelevanter Faktoren, desto einfacher lässt sich das gewünschte Ergebnis einstellen. Die Börsenentwicklung der nächsten 50 Jahre lässt sich mit diesen Modellen selbstverständlich korrekt vorausberechnen.

    Ein guter Koch kann aus zehn immer gleichen Zutaten hundert unterschiedliche Gerichte zaubern. Die Autoritäten der internationalen Klimaforschung können das auch.

  7. Das Beispiel Börsenkurse ist gut geeigntet um zu demonstrieren, was passiert, wenn die von mir genannten Punkte 1 und 2 (s. #5) nicht erfüllt sind.

    Preisbildung an Börsen funktioniert nicht nach physikalischen Gesetzen, deshalb ist die Freiheit, die Abhängigkeiten der Parameter zu wählen, sehr groß.

    Mir ist auch kein Simulationsprogramm bekannt, dass die Börsenkurse insbesondere den Zeitpunkt und Verlauf der Krisen der letzten 100 Jahre vorausgesagt hätte.

    Für Börsenkurse gilt wirklich: "Man gebe mir n Parameter und ich rekonstruiere jeden Zusammenhang. Man gebe mir noch einen mehr, und ich zeichne einen Elefanten!"

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    Vielleicht lesen Sie nochmal ihren letzten Beitrag und überprüfen, ob meine vorherigen Argumente wirklich sinngemäß erfasst wurden.

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