Für Haitis Nachbarländer besteht keine unmittelbare Gefahr
"Damals gab es ein ähnlich starkes Beben an der gleichen Stelle wie am Dienstag", sagt Zschau. Seismologen kennen die Region unterhalb der Insel, an der die Karibik- und die Nordamerikaplatte aufeinandertreffen als "Enriquillo-Plaintain Garden fault system". Hier reiben die Platten horizontal und seitlich gegeneinander. Mithilfe von GPS-Messungen und Satellitendaten wissen Geologen, dass sich die Verwerfungen hier jedes Jahr um etwa sieben bis acht Millimeter bewegen. "Addiert man zusammen, welche Spannungen seit 1860 entstanden sind, kommt man auf fast zwei Meter, die verrutscht sind", sagt Zschau. "Das entspricht ziemlich genau einem Beben der Stärke Sieben."
Für Haitis Nachbarn, die Dominikanischen Republik und Länder wie Kuba, Jamaika und Puerto Rico besteht durch das Beben nahe Port-au-Prince derzeit keine unmittelbare Gefahr. "Die Bruchkante, die das Beben in Haiti ausgelöst hat, ist schätzungsweise 20 bis 30 Kilometer lang", sagt Zschau. "An den Enden des Bruches sind Beben wahrscheinlicher, weil die Spannungen in der Kruste sich verlagern". Bei dieser Größenordnung kann man mit Nachbeben in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern um das Zentrum des Erstbebens ausgehen. Das betrifft hauptsächlich Haiti, nur im äußersten Südwesten der Dominkanischen Republik könnten weitere Erdstöße kleine Schäden anrichten.
Grundsätzlich gilt aber die komplette Region entlang der Plattengrenze als erdbebengefährdet. Eine Vorhersage der Erdstöße wird es auch künftig kaum geben. Dazu ist der Untergrund viel zu unberechenbar. Um die verheerenden Folgen von Beben zu mindern, ist die Information der Bevölkerung entscheidend. "Schon den Schulen muss ein Risikobewusstein vermittelt werden", sagt Zschau. Das gelte grundsätzlich für alle Erdbebenregionen und darüber hinaus.
"Doch was man nicht vergessen darf: Nicht Erdbeben töten, sondern einstürzende Gebäude", sagt der Geologe. "Klar ist, dass der Mensch sicherer bauen muss." Nicht nur für ein Land wie Haiti sei dies aber leicht dahingesagt. "Hier denken die Menschen natürlich in erster Linie daran, wie jeden Tag Essen auf den Tisch kommt und nicht an Erdbeben".
Um in Zukunft Lehren und Risikoeinschätzungen aus den Beben der Erde zu ziehen, gibt es seit März 2009 ein Projekt, um die globale Gefährdung durch Bewegungen der Erdkruste aufzuzeichnen. Das Global Earthquake Model wurde unter internationaler Beteiligung vom GFZ in Potsdam gegründet. Mithilfe von Satellitendaten und Bodeninstrumenten verfolgen Geologen die Erdbebenaktivität weltweit und in Echtzeit.
Auch wenn das Projekt eine Katastrophe wie in Haiti nicht verhindern kann. Die Daten helfen jetzt und in Zukunft besser, auf die unberechenbare Gewalt der Kräft in der Erdkruste zu reagieren.
Aktuelle Twitter-Einträge zum Thema "Haiti"
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- Datum 14.01.2010 - 12:17 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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