Streusalze Ökologisch bedenklicher Wintereinsatz
Trotz weitgehender Verbote erleben Tausalze jeden Winter eine Renaissance. Es ist eine bewährte, aber für die Umwelt problematische Methode, um der Glätte Herr zu werden.
Es ist kalt in Deutschland und gefährlich, dank Schnee und Eisesglätte. In den Straßenmeistereien und Hausverwaltungen herrscht Hochbetrieb: Möglichst schnell müssen Straßen und Wege von Schnee und Eis befreit werden – schließlich besteht hierzulande eine gesetzliche Räum- und Streupflicht.
Neben der rein mechanischen Beseitigung der Winterpracht kommen dabei auch alljährlich Tausalze zum Einsatz. Gerade auf Autobahnen und Schnellstraßen sind Natrium-, Magnesium- und Kalisalze Garant für die Verkehrssicherheit. Doch ist das Salzstreuen aus ökologischer und kommunaler Sicht umstritten und vielfach sogar ganz verboten.
Besonders für Bäume an Straßen und Pflanzen ist das Salz schädlich. Mit dem Schmelzwasser gelangt gelöstes Salz in den Boden, verändert dessen Chemie und kristallisiert wieder. "Salz verdichtet den Boden, verdrängt wichtige Nährstoffe und erhöht den ph-Wert", heißt es bei der Naturschutzorganisation Robin Wood. "Das von den Bäumen aufgenommene Salz führt später zum Absterben der Blätter und zum vorzeitigen Laubfall. Darüber hinaus belastet es das Grundwasser und führt zu Korrosionsschäden an Brücken, Fahrbahnen und Kraftfahrzeugen."
"Salz gehört auf das Frühstücksei und nicht auf den Bürgersteig", sagt auch der Pressesprecher des Bundesumweltamtes, Martin Ittershagen. Ihm gefällt das Verhalten seiner Mitbürger bei Kälteeinbruch nicht. Nach der Devise "viel hilft viel" gelangen deutschlandweit jedes Jahr fast zwei Millionen Tonnen Salz auf die öffentlichen Verkehrswege des Landes.
Aber wie wirkt Tausalz eigentlich? Der "Taueffekt" des Salzes beruht auf der Gefrierpunkt-Erniedrigung einer Salzlösung. Gefriert Wasser, so bilden Wassermoleküle ein festes Kristallgerüst. "Schafft es das Salz aus dem Eis Wassermoleküle zu lösen, spaltet es sich in seine Ionen auf. Diese docken an weitere Wassermoleküle des Eiskristalls an und lösen diese kontinuierlich aus dem Eiskristallgerüst heraus", erläutert Horst Weller vom Institut für Physikalische Chemie der Uni Hamburg. Das Eis taut und eine Salzlösung entsteht, die erst bei wesentlich niedrigeren Temperaturen gefriert – im Fall einer gesättigten Kochsalzlösung (330g Salz auf 1000g Wasser) erst bei minus 21,3 Grad Celsius.
Strikte Verbote für das Salzstreuen auf öffentlichen Gehwegen gelten etwa in Berlin, Hamburg, Mainz und München. Verstöße werden als Ordnungswidrigkeiten mit Geldbußen bis zu 10.000 Euro geahndet. Andere Städte, wie etwa Bremen, Düsseldorf und Stuttgart verbieten das Streuen mit Salz zwar grundsätzlich, tolerieren aber Ausnahmen für vereiste Treppen und steile Hänge.
Eigentlich aus gutem Grund und Glauben, denn mit der Räum- und Streupflicht ist nicht zu spaßen: Je nach örtlicher Regelung müssen Wege und Flächen an Werktagen ab 7:00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ab 9 Uhr und bis meist 20 Uhr geräumt, gestreut und somit verkehrssicher gehalten werden. Kommt ein Fußgänger – etwa durch Sturz – zu Schaden, haftet der Streupflichtige für Arzt- und Krankenhauskosten sowie für Verdienstausfall und Schmerzensgeld. Von Fall zu Fall droht sogar eine Strafe wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Kein Streusalz-Verbot besteht für öffentliche Straßen, die im Gegensatz zu Gehwegen, als versiegelte Flächen Schmelzwasser in die Kanalisation und nicht direkt ins Grundwasser entlassen. "Als Stadtreinigung streuen wir natürlich auch Tausalze", erläutert der Pressesprecher der Hamburger Stadtreinigung, Rheinhard Fiedler. "Wir können die Verteileranlagen unserer Streufahrzeuge auf den Zentimeter genau einstellen und damit sicherstellen, dass wir nur die Straße salzen."
Ob man der eigenen Haustür mit Salz streuen darf ist in den Satzungen, Verordnungen oder Gesetzen der jeweiligen Gemeinde geregelt. In den meisten Gemeinden ist es mittlerweile grundsätzlich verboten. Stattdessen muss der Schnee geräumt und auf abstumpfende Streumittel ausgewichen werden. Statt Tausalz wird etwa Split, Sand und Kies verteilt – der Umwelt zuliebe.
- Datum 08.01.2010 - 16:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Es ist eine bewerte, aber für die Umwelt problematische Methode, um der Glätte Herr zu werden."
Bei mir sind Tausalze eine "bewährte" Methode der Eisbekämpfung, deren Auswirkungen auf die Umwelt ich aber nicht zu "bewerten" vermag.
Der Fehler wurde korrigiert, danke für den Hinweis.
Mir tränen die Augen wenn ich dies lese und ich verstehe die Welt nicht mehr. Salz ein Gewürz? Vielleicht sollten wir künftig im Winter Pfeffer, Nelken oder Kardamon streuen. Wenn es denn hilft, tut es auch der Umwelt gut.
Na, dann essen Sie Ihre Suppe das nächste Mal ruhig ohne (Koch)salz. Sie werden schon sehen.
Na, dann essen Sie Ihre Suppe das nächste Mal ruhig ohne (Koch)salz. Sie werden schon sehen.
War es seinerzeit recht einfach gut zu sein, läuft der derzeitige Umweltgedanke Gefahr zu laufen, Sicherheit hinter die Natur zu stellen. Entweder ist es der Gedanke an der Verstärkung einer gewissen natürlichen Selektion die wir aber mal keinem unterstellen wollen oder aber der Ökologismus hat sich bereits dermaßen verselbstständigt, das wir nur noch auf das Kind warten dass da ruft ... aber der hat ja gar nichts an ...
Ist es denn echt so, daß man im Winter gelegentlich mit Kälte und Schnee rechnen muß, und im Sommer mit Hitze, Regen und Hagel;) ?
Am besten die ganze Gegend einsalzen, dann braucht man fürs Gemüse kein "Gewürz" mehr.
Was für gibt es für Alternativen? Wäre Sand eine bessere als "Gewürz"?
Mit dem Schneeräumen ist das so eine Sache: Wenn die Fußwege freigeräumt werden und dann viele Menschen mit ihren schneebeladenen Schuhen über den Fußweg laufen, dann vereist das Wasser und es wird schön glatt!
"Wir können die Verteileranlagen unserer Streufahrzeuge auf den Zentimeter genau einstellen und damit sicherstellen, dass wir nur die Straße salzen."
Der erste Teilsatz ist sicher korrekt: "Einstellen" kann man auf den Zentimeter. Aber die "Streuung der Streuung" (die statistische!) geht über den Zentimeter hinaus.
Was mich an den kommunalen Verordnungen so irritiert: Die Kommunen können "kalt"-lächelnd einen Schild platzieren mit der Aufschrift "Eingeschränkter Winterdienst". Der Autofahrer habe dann entsprechend vorsichtig zu fahren. Nun versuche einmal ein Hausbesitzer auf seinem Gehsteig eine entsprechende Notiz anzubringen, verbunden nmit dem Appell, der Fußgänger möge sich vorsichtig verhalten... :-)
Herzlichst Crest
Wenn der Staat sich dazu entschließen könnte, dass die Kommunen alle öffentlichen Wege selbst reinigen und dies nicht auf die Haus-/Wohnungsbesitzer oder Mieter weitergeleitet werden darf würde dies:
a) Jobs schaffen
b) sicher stellen, dass die professionellen Dienstleister nicht aus Angst vor Nachbars' Oma im Zweifelsfall lieber Salz auf den Weg hauen bevor sie ausrutscht und sich den Oberschenkelhals bricht.
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