Angefangen hat alles mit einem Container Altbrot. Bäcker Roland Schüren hatte Besuch von seinem Energieberater Gregor Hinz. Zufällig schaute der aus dem Fenster. Dort holte gerade ein Tierfutterhersteller die alten Backwaren ab. "Wissen Sie eigentlich, dass Sie da einen Wert von 900 Litern Heizöl verschenken", fragte Hinz. Daraus entstand eine Idee: Warum nicht das alte Brot zum Beheizen der Backöfen nutzen? "Abfall ist Energie, die schon bezahlt ist, genauso wie Altbrot", erklärt Hinz. Das war im Frühjahr 2008.

Eine Spezialanfertigung für die Backstube in Hilden bei Düsseldorf wurde in Auftrag gegeben. Aber erst im Januar 2010 konnte es mit dem bundesweiten Pilotprojekt losgehen. Denn Schüren und Hinz mussten vor allem ums Rechtliche streiten. Bisher war Altbrot als Energiequelle im Gesetz nicht vorgesehen. Erst die vierte Verordnung des Bundesimmissionsschutzgesetzes stufte das alte Brot als "andere Brennstoffe" ein. Was zur Folge hatte, dass die Anlage, die 400 Kilowatt Maximalleistung erreicht, nach gleichen Kriterien geprüft wurde wie ein Großkraftwerk mit 1.3000.000 Kilowatt-Leistung.

Inzwischen liefern die Biomasse-Brenner die Energie für zwölf Backöfen, auch die Restwärme wird für Warmwasser, Raumheizung und Spülmaschine genutzt. Alles mithilfe des alten Brots und alter Brötchen, süße Teilchen und Kuchen werden nicht mitverbrannt. Bevor das Brot jedoch in den Ofen kommt muss es noch zerkleinert werden, es hat dann die Größe und Konsistenz von Sägespäne.

Tatsächlich werden die Brenner mit nur rund 30 Prozent der Backwaren befeuert, den Rest der Energie liefern Holzpellets. Das hat zwei Gründe: Erst bei 850 Grad Celsius verbrennt das alte Brot rückstandsfrei, also wird die Anlage erst mit Holz aufgeheizt, bevor die Krümel dazu kommen. Außerdem bleibt schlicht nicht mehr altes Brot übrig – zum Glück, denn bevor Schüren sein Brot verbrennt, verkauft er es lieber.

"Die neuen Biomasse-Brenner haben unseren Betrieb vom Gasmarkt unabhängig gemacht", sagt der 43-jährige Bäcker und Betriebswirt, der die Betriebskosten so um die Hälfte senken konnte. 1,1 Millionen Euro investierte er in das neue Energie-System. Geld, das Schüren in spätestens zehn Jahren wieder hereingeholt haben will.