Alternative Energien Altes Brot als Brennstoff
Eine CO2-neutrale Backstube ist sein großes Ziel. Um das zu erreichen, beheizt ein Bäcker aus Hilden bei Düsseldorf seine Öfen nicht mehr mit Gas, sondern verbrennt sein altes Brot.
© Franz-Peter Tschauner/dpa

Bäcker Roland Schüren verbrennt sein Altbrot, um die Umwelt zu entlasten
Angefangen hat alles mit einem Container Altbrot. Bäcker Roland Schüren hatte Besuch von seinem Energieberater Gregor Hinz. Zufällig schaute der aus dem Fenster. Dort holte gerade ein Tierfutterhersteller die alten Backwaren ab. "Wissen Sie eigentlich, dass Sie da einen Wert von 900 Litern Heizöl verschenken", fragte Hinz. Daraus entstand eine Idee: Warum nicht das alte Brot zum Beheizen der Backöfen nutzen? "Abfall ist Energie, die schon bezahlt ist, genauso wie Altbrot", erklärt Hinz. Das war im Frühjahr 2008.
Eine Spezialanfertigung für die Backstube in Hilden bei Düsseldorf wurde in Auftrag gegeben. Aber erst im Januar 2010 konnte es mit dem bundesweiten Pilotprojekt losgehen. Denn Schüren und Hinz mussten vor allem ums Rechtliche streiten. Bisher war Altbrot als Energiequelle im Gesetz nicht vorgesehen. Erst die vierte Verordnung des Bundesimmissionsschutzgesetzes stufte das alte Brot als "andere Brennstoffe" ein. Was zur Folge hatte, dass die Anlage, die 400 Kilowatt Maximalleistung erreicht, nach gleichen Kriterien geprüft wurde wie ein Großkraftwerk mit 1.3000.000 Kilowatt-Leistung.
Inzwischen liefern die Biomasse-Brenner die Energie für zwölf Backöfen, auch die Restwärme wird für Warmwasser, Raumheizung und Spülmaschine genutzt. Alles mithilfe des alten Brots und alter Brötchen, süße Teilchen und Kuchen werden nicht mitverbrannt. Bevor das Brot jedoch in den Ofen kommt muss es noch zerkleinert werden, es hat dann die Größe und Konsistenz von Sägespäne.
Tatsächlich werden die Brenner mit nur rund 30 Prozent der Backwaren befeuert, den Rest der Energie liefern Holzpellets. Das hat zwei Gründe: Erst bei 850 Grad Celsius verbrennt das alte Brot rückstandsfrei, also wird die Anlage erst mit Holz aufgeheizt, bevor die Krümel dazu kommen. Außerdem bleibt schlicht nicht mehr altes Brot übrig – zum Glück, denn bevor Schüren sein Brot verbrennt, verkauft er es lieber.
"Die neuen Biomasse-Brenner haben unseren Betrieb vom Gasmarkt unabhängig gemacht", sagt der 43-jährige Bäcker und Betriebswirt, der die Betriebskosten so um die Hälfte senken konnte. 1,1 Millionen Euro investierte er in das neue Energie-System. Geld, das Schüren in spätestens zehn Jahren wieder hereingeholt haben will.
Der Bäcker will aber nicht nur Kosten sparen. Seine Backstuben sollen CO2-neutral werden. Dazu tragen neben den Brennern schon jetzt ein Kühl- und ein Wärmerückgewinnungssystem bei. Bisher fehlt noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen. "Mit den neuen Brennern senken wir den Kohlendioxid-Ausstoß um 91 Prozent", sagt er. Viktor Scherer von der Universität Bochum beschäftigt sich mit Energieanlagen und Energieprozesstechnik. Er erklärt, warum das mit der CO2-Rechnung so nicht ganz stimmt: "Die neue Anlage wird im Vergleich zum Erdgasbetrieb mehr CO2 ausstoßen."
Das liegt an der Beschaffenheit des Brennstoffs. Denn je weniger Wasserstoff in einem Energielieferanten enthalten ist, desto mehr CO2 wird bei der Verbrennung freigesetzt. Und Holz hat einen niedrigeren Anteil Wasserstoff als Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas. "Allerdings wird das CO2, das aus Holzpellets und Brot entsteht, als CO2-neutral bewertet, weil es beim Verbrennen nachwachsender Rohstoffe entsteht." Und das ist entscheidend.
Rund zwölf Prozent Altbrot fallen im Schnitt in Bäckereien an. Roland Schüren erklärt, welchen Weg Backwaren, die niemand mehr will, normalerweise gehen: Häufig werden Brot und Teilchen am nächsten Tag zu reduzierten Preisen angeboten. Vieles geht auch an gemeinnützige Tafeln und an Tierfutterhersteller. Hinzu kommt ein kleiner Anteil, der weiterverarbeitet wird, zum Beispiel zu Paniermehl. Auch bei Schüren ist das nach wie vor der reguläre Weg. Nur gibt er nun nicht mehr so viel Brot für Tierfutterverarbeitung ab. Stattdessen nutzt er es zum Beheizen der Brenner. "Der Anteil an Brot, den die fünf Tafeln in unserem Raum bekommen, ist gleich geblieben."
Aber Brot verbrennen, darf man das? Viele Medien – wenn auch nur einige Kunden – interessiert das Thema sehr. Energieberater Hinz kann den Unmut einiger Kritiker nicht verstehen: "Wenn wir uns anschauen, in welcher Überproduktion wir leben und wie sorglos wir damit umgehen – mit Gas und Öl genauso wie mit Lebensmitteln –, dann kann Altbrot verbrennen nicht so schlimm sein."
Auch Frank Weber, Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann, hat sich schlau gemacht, was in Bäckereien mit der nicht verkauften Ware passiert: Was nicht verfüttert wird, landet auf dem Müll. "Da ist es doch intelligenter, das Brot zu verbrennen, als es einfach nur wegzuschmeißen." Bäcker Schüren hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: "Das, was man mit seinen Händen herstellt, will man nicht wegschmeißen und schon gar nicht verfeuern. Erst recht nicht, wenn es sich um Nahrungsmittel handelt." Was ihn beruhigt: "Das Altbrot wird nicht extra produziert, es ist ja schon vorhanden."
Bleibt die Frage nach der Überproduktion. Könnte das nicht genauer kalkuliert werden? "Es sind viele Faktoren, die das unmöglich machen", sagt Schüren. Einerseits sind es solche wie das Wetter oder Gehälter, die Einfluss nehmen. Andererseits ist es das Verhalten der Kunden. "Viele erwarten auch noch in den Abendstunden eine große Auswahl. Wenn ihr Lieblingsbrot nicht mehr da ist, gehen sie zur Konkurrenz."
- Datum 20.02.2010 - 17:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das ist Stoff für einige Diskussionen über Sinn und Unsinn im Umgang mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln.
Vor Jahren wurden in den USA Teile der Getreide-Überproduktion verheizt. Als das damals vom Hunger geplagte Indien davon erfuhr, wurde angefragt, ob man das Getreide geschenkt bekäme. Das war kein Problem, aber dann die Transportkosten auftreiben ...
Und wer erinnert sich nicht an die schon recht perversen Filmberichte in den Nachrichten, wenn wegen EU-Agrarsubventionen und Preisstabilität Obst, Fleisch und andere Lebensmittel vernichtet wurden.
Alles Gute
Kai Hamann
Das können die sich nur leisten, weil sie für das gebackende Brot eben Subventionen bekommen. Es wird in Deutschland viel zu viel Brot produziert aus eben jenem Grund, und dann eben viel Abfall produziert weil man mit Überproduktion eben mehr Geld verdient als wenn man sich an der nachfrage orientiert. Das ist schrecklich!
... eigentlich alles zu viel produziert. Das einzige was rückgängig ist, ist die Arbeit. In einem Bericht habe ich einmal gelesen, dass in Deutschland jährlich im Wert von ca. 10 Mrd. EUR "verpackte" Lebensmittel weggeworfen werden.
Kann ein Bäcker(andere natürlich auch) nicht besser kalkulieren, als "Mehrwertprodukte" zu entsorgen?
Sind unsere Ansprüche nicht vielleicht etwas übertrieben? Haben wir unsere Geschmackssensoren so brutal abgestumpft, dass wenn unser Lieblingsprodukt nicht vorrätig ist, wir lieber "verhungern" oder den Produzenten "beschimpfen" das er es nicht hat aber viele andere gleichartige Produkte vorrätig sind?
Von meinen Großeltern habe ich noch gelernt, selber Nahrungsmittel herzustellen. Brot, Brötchen, Kuchen oder Joghurt mache ich selber. Kein Bäcker oder Milchbetrieb erreicht das Ergebnis. Und ich bin mir auch bewusst, welchen Wert an Arbeit ich dann verzehre. Dementsprechend ist meine Wertschätzung gegenüber dem Produkt und so genieße ich es auch.
Natürlich kostet es etwas mehr, vor allem an Zeit. Aber diese Zeit investiere ich gern. Es geht um mich und meine Familie.
Und es ist ein Erlebnis, wenn am Sonntag Vormittag die Wohnung nach frischen Brötchen und Kaffee duftet und in der Küche die Wärme des Backherdes sich verbreitet.
Entschuldigung, etwas ist vielleicht am Thema vorbei, aber das ist meinem Alias geschuldet.
... eigentlich alles zu viel produziert. Das einzige was rückgängig ist, ist die Arbeit. In einem Bericht habe ich einmal gelesen, dass in Deutschland jährlich im Wert von ca. 10 Mrd. EUR "verpackte" Lebensmittel weggeworfen werden.
Kann ein Bäcker(andere natürlich auch) nicht besser kalkulieren, als "Mehrwertprodukte" zu entsorgen?
Sind unsere Ansprüche nicht vielleicht etwas übertrieben? Haben wir unsere Geschmackssensoren so brutal abgestumpft, dass wenn unser Lieblingsprodukt nicht vorrätig ist, wir lieber "verhungern" oder den Produzenten "beschimpfen" das er es nicht hat aber viele andere gleichartige Produkte vorrätig sind?
Von meinen Großeltern habe ich noch gelernt, selber Nahrungsmittel herzustellen. Brot, Brötchen, Kuchen oder Joghurt mache ich selber. Kein Bäcker oder Milchbetrieb erreicht das Ergebnis. Und ich bin mir auch bewusst, welchen Wert an Arbeit ich dann verzehre. Dementsprechend ist meine Wertschätzung gegenüber dem Produkt und so genieße ich es auch.
Natürlich kostet es etwas mehr, vor allem an Zeit. Aber diese Zeit investiere ich gern. Es geht um mich und meine Familie.
Und es ist ein Erlebnis, wenn am Sonntag Vormittag die Wohnung nach frischen Brötchen und Kaffee duftet und in der Küche die Wärme des Backherdes sich verbreitet.
Entschuldigung, etwas ist vielleicht am Thema vorbei, aber das ist meinem Alias geschuldet.
kallewestrich: Ich hör schon die Afrikasammler aufschreien, was hier für ein Verbrechen an der Menschheit passiere... Dabei schmeißen die ehrbaren deutschen Bäcker jeden Abend nach 18/19 Uhr tonnenweise ihre Bäckereiprodukte in die Schweinemast oder geben sie zu sozialen Zwecken her, denn so will es das Gesetz. Andere schummeln die Sachen anderntags noch mal aufs Regal oder verkaufen sie preisreduziert. Verbrennen ist dagegen schon ein egoistische Tat! Die CO2-Fans jubeln über die Originalität. Wir verbrennen unsere Bücher, Kleider, Möbel ja auch selten, sondern geben sie in die Second-/Third-Hand-Schleife! Damit andere was davon haben.
Schon mal davon gehört daß es sich für Landwirte lohnt Getreide zum Heizen zu verwenden weil es billiger als Öl ist? Weizen ist auch billiger als Sägemehl!
www.getreideheizung.de
btw: Unsinn auch das "Argument" PV auf Ackerflächen zu verbieten. Mit PV-Anlagen kann das Vielfache der Energie erzeugt werden als es mit Biomasse möglich wäre. Egal ob Mais für Biogasanlagen oder Weizen zum Heizen.
Wenn man das Verheizen von Nahrungsmitteln als "Verschwendung" bezeichnet muß man im Gegenzug auch bereit sein dem Landwirt das Doppelte für den Weizen zu zahlen.
Aber wer ist das schon????? Hauptsache gejammert...
Ich zahle tatsächlich das Doppelte für Getreide, weil ich im Biomarkt und nicht im Aldi einkaufe - in der Hoffnung, dass die Bauern damit das bekommen, was sie *verdienen*.
Ich zahle tatsächlich das Doppelte für Getreide, weil ich im Biomarkt und nicht im Aldi einkaufe - in der Hoffnung, dass die Bauern damit das bekommen, was sie *verdienen*.
Yeah, der Slogan ist auch viel eingängiger, als viele andere Biomassesprüche... ;)
Danke für die Info mit dem Heizwert von Getreide - die krasse Relation zum Heizöl war mir gar nicht klar.
Aber im Ernst: Bei so verquerer Subventionspolitik ist es doch eine gute regulierende Maßnahme, wenn es stattdessen verheizt wird. Wäre ja ein guter Anlass, das System dann mal vernünftig neu zu ordnen. Damit passen sich die Preise dann auch wieder auf vernünftiges Niveau an.
Toller Link, ich habe mich dadurch ziemlich ablenken lassen =:)
Die auf der Seite genannten Daten sind wirklich sehr interessant.
Was mir unangenehm auffällt, sind die behördlichen Anforderungen an Staub/NOx-Emission der Anlagen - wenn die Beispiele die allgemeine Situation darstellen, ist vermutlich ein politisch-ethischer Malus eingebaut.
Eine grundsätzliche Frage können Sie mir vielleicht kurz beantworten: Wie sieht es mit der Versteuerung von Getreide zu Heizzwecken aus?
(Die Enthusiasten, die die Nutzung von Papsöl als Treibstoff vorangetrieben haben, standen ja auch vor der Situation, dass nach erfolgreicher Einführung der Technologie plötzlich Steuern erhoben wurden. Speiseöl aus dem Supermarkt oder Frittenfett von der Pommesbude = Steuerhinterziehung. )
Alles Gute und nochmal danke für den Link
Kai Hamann
Dass man Weizen zum Heizen verwenden kann ist auch noch nicht bei jedem Bauern angekommen. Wer hat bisher schon eine geeignete Heizung dafür.
Im Moment ist es doch so daß dies noch von Landwirten genutzt wird. Ein Teil der eigenen Ernte wird eben verheizt, natürlich (noch) vorwiegend der minderwertige Teil. Sollte sich diese Art der Heizung durchsetzen wär es sicher gut möglich daß der Staat auch Steuern abkassieren will.
Auf jeden Fall steht für mich fest:
Der Weizenpreis ist so niedrig weil es ein Überangebot gibt. Das kann man auch dadurch verringern indem man Ackerflächen für PV verwendet.
Nebenbei kann so pro ha das Vielfache an Energie geerntet werden. Ich schätze ca 300000 kwh=30000 l Öl bei 1/3 Bebauung. Biogas schafft nur ca 5000 l "Öl", Raps 1500 l
Windkraftanlagen allerdings schon bis 10 Mio kwh pro ha.
Dass man Weizen zum Heizen verwenden kann ist auch noch nicht bei jedem Bauern angekommen. Wer hat bisher schon eine geeignete Heizung dafür.
Im Moment ist es doch so daß dies noch von Landwirten genutzt wird. Ein Teil der eigenen Ernte wird eben verheizt, natürlich (noch) vorwiegend der minderwertige Teil. Sollte sich diese Art der Heizung durchsetzen wär es sicher gut möglich daß der Staat auch Steuern abkassieren will.
Auf jeden Fall steht für mich fest:
Der Weizenpreis ist so niedrig weil es ein Überangebot gibt. Das kann man auch dadurch verringern indem man Ackerflächen für PV verwendet.
Nebenbei kann so pro ha das Vielfache an Energie geerntet werden. Ich schätze ca 300000 kwh=30000 l Öl bei 1/3 Bebauung. Biogas schafft nur ca 5000 l "Öl", Raps 1500 l
Windkraftanlagen allerdings schon bis 10 Mio kwh pro ha.
Dass man Weizen zum Heizen verwenden kann ist auch noch nicht bei jedem Bauern angekommen. Wer hat bisher schon eine geeignete Heizung dafür.
Im Moment ist es doch so daß dies noch von Landwirten genutzt wird. Ein Teil der eigenen Ernte wird eben verheizt, natürlich (noch) vorwiegend der minderwertige Teil. Sollte sich diese Art der Heizung durchsetzen wär es sicher gut möglich daß der Staat auch Steuern abkassieren will.
Auf jeden Fall steht für mich fest:
Der Weizenpreis ist so niedrig weil es ein Überangebot gibt. Das kann man auch dadurch verringern indem man Ackerflächen für PV verwendet.
Nebenbei kann so pro ha das Vielfache an Energie geerntet werden. Ich schätze ca 300000 kwh=30000 l Öl bei 1/3 Bebauung. Biogas schafft nur ca 5000 l "Öl", Raps 1500 l
Windkraftanlagen allerdings schon bis 10 Mio kwh pro ha.
Ich gehe dann davon aus, dass mit Sicherheit besteuert wird, wenn das Konzept ausreichend Akzeptanz hat. Wenn es etwas gibt, das der Staat nicht akzeptiert, sind Einnahmeeinbußen. Daran ändert auch eine CO2-Neutralität bei der Energiegewinnung nichts.
Kleines Beispiel zum Weiterdenken: Eine Tankstellenkette stellt in D auf energiesparenden Betrieb um. Dadurch steigt der Strompreis, da kein Großverbrauchertarif mehr berechnet wird. Die Lösung war, dass nun LKWs mit Heizaggregaten zwischen den Tankstellen pendeln, mit denen man den Verbrauch mehrmals im Jahr protokolliert in Großverbraucherdimensionen anhebt. Das nur - etwas aus dem Zusammenhang gerissen - zur Energiespar-Realität.
=;)
Kai Hamann
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