Astronomie Sternexplosion im Labor
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"Stern in der Schachtel"

 "Stern in der Schachtel"

Jetzt, da die Lasertechnik genug Leistung erbringt, soll der endgültige Durchbruch neben der militärischen auch die zivile Nutzung möglich machen. Im Mai 2009 wurde am Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien die National Ignition Facility (NIF) eingeweiht. 192 Hochleistungslaserstrahlen werden hier auf einer Fläche von drei Fußballfeldern erzeugt, mehrfach verstärkt und dann in der Experimentierkammer auf einen weniger als einen Zentimeter großen, hohlen Goldzylinder gerichtet. In dessen Zentrum befindet sich die eigentliche Fusionskapsel mit 1,8 Millimeter Durchmesser.

Wir werden noch in diesem Jahr versuchen einen "Mikrostern" zu erzeugen

Siegfried Glenzer, Physiker in Lievermore, USA

Durch die Einstrahlung des Laserlichts entsteht im Hohlraum Röntgenstrahlung, die die äußere Schicht der Kapsel explosionshaft verdampft, wodurch der Kern schlagartig verdichtet wird. Allein die Trägheit der Plasmateilchen ist dann ausreichend, um einige Milliardstelsekunden lang genügend Druck beizubehalten, damit die Kernfusion zündet. "Die Vorabversuche Nova und Omega haben die nötige Kompression mit viel kleineren Kapseln schon erreicht", erklärt Siegfried Glenzer vom Livermore Labor. "Aber wir brauchen die jetzige Pelletgröße, wenn wir einen Energieüberschuss erzielen wollen. Einen 'Mikrostern' erzeugen – das ist die Aufgabe der NIF und wir werden es noch dieses Jahr versuchen."

Die Ergebnisse der ersten Tests haben Glenzer und seine Kollegen jetzt veröffentlicht. Mit etwa der Hälfte der nominalen Laserenergie von ungefähr 1,3 Megajoule konnten sie eine Dummy-Kapsel auf die gewünschte Weise komprimieren. "Ein Meilenstein", attestiert Lackner, "damit ist der Beweis erbracht, dass das Prinzip funktioniert. Ein gewaltiger Schritt vorwärts." Wenn es dann so weit ist, verwenden die Forscher ein Pellet mit Deuterium und Tritium und komprimieren es mit ihrer Laserphalanx doppelt so stark wie im Test. Das Plasma erreicht dann mehr als 100 Milliarden Atmosphären Druck und eine Temperatur von mehr als 100 Millionen Grad, genug für das Einsetzen der Fusionsreaktion.

Dies ist freilich nur von kurzer Dauer. Wollte man damit dauerhaft Strom erzeugen, müsste der gesamte Vorgang bis zu zehnmal pro Sekunde wiederholt werden. Glenzer führt aus: "Der Prozess wird im gepulsten Modus durchgeführt und um ihn zur Energiegewinnung weiterzuentwickeln, benötigt man kurze Zyklen für den Laserbeschuss und die Pelletfabrikation. Solche Pläne existieren bereits unter dem Projektnamen Life." Diese schnelle Taktung von Explosionen birgt im Dauerbetrieb Tücken.

"Beim magnetischen Einschluss des Plasmas in einem Tokamak oder Stellarator läuft die Fusion dagegen stationär ab, vergleichbar einer chemischen Verbrennung bei einem Plasmadruck von nur zehn Atmosphären", beschreibt Lackner. Kein Wunder also, dass die deutschen Forscher mit ihren Anlagentypen wie Asdex und Wendelstein am Ball bleiben wollen - liefern sie doch wesentliche Grundlagen, die bei Konstruktion und Betrieb von Iter berücksichtigt werden. Für das drei Jahrzehnte dauernde Projekt ist mit Kosten jenseits der Zehn-Milliarden-Euro-Grenze zu rechnen, verteilt auf die Schultern der Europäischen Union, Japans, Russlands, der USA, der Volksrepublik China, Südkoreas und Indiens.

Auch wenn die Energieerzeugung im Iter – geschweige denn der Bau des ersten Fusionskraftwerks – vielleicht noch weiter entfernt liegt als eine Mondstation oder ein bemannter Flug zum Mars, könnte die Forschung auf diesem Gebiet durch die absehbare Zündung des ersten Mikrosterns im Labor deutlich mehr Rückhalt erlangen. Letzten Endes ist fraglich, ob sich die Menschheit angesichts des Klimawandels den Luxus erlauben kann, auf die mögliche Energiegewinnung durch Kernfusion von vornherein zu verzichten – trotz ungelöster technischer Probleme und enormer Entwicklungskosten.

Weitere zum Teil frei verfügbare Artikel zum Thema finden Sie im Dossier Energie auf spektrumdirekt.de.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Laser

    Die US. Laseranlage die hier zum "Komprimieren" und Energieerzeugung genutzt werden soll, dient nur zur militärischen Matrerialforschung für Einflüsse durch Röntgenstrahlung und hohe Temperatur. Die kammer, in der alle Bündel zusammenlaufen hat nicht umsonst Öffnungen die groß genug sind um jegliche Materialien reinzuschaffen und zu testen.

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    Ich denke sie dient der Invasion von Britisch-Indien.

    Ich denke sie dient der Invasion von Britisch-Indien.

  2. Ich denke sie dient der Invasion von Britisch-Indien.

    Antwort auf "Laser"
  3. 10 Millarden Euro. Verteilt auf 30 Jahre. Verteilt auf über 30 Staaten. Um das weltweite Energieproblem, samt sämtlicher dadurch verursachter Kriege, zu lösen.

    DAS IST ALLES?

    Wie wärs mit 10 Milliarden pro Jahr und pro Mitglieds-Staat? Das wäre eine angemessene Investition.

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    ... sollte man mehr in die Kernfusion investieren, wo doch die Erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Biomasse und Solar den Weltenergiebedarf tausendfach decken könnten?

    Glauben Sie vielleicht, dass die Stromerzeugung mittels Kernfusion billiger wird als aus heutigen Kraftwerken? Oder das die heutigen Monopolstrukturen mit der Kernfusion zerschlagen werden kann? Glauben Sie vielleicht, die Staaten der 3. Welt bekämen die Fusionsreaktoren geschenkt?

    Selbst wenn die Kernfusion mal läuft, ist das nur eine Nischentechnologie, weil sie zu teuer und zu aufwendig sein wird.

    ... sollte man mehr in die Kernfusion investieren, wo doch die Erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Biomasse und Solar den Weltenergiebedarf tausendfach decken könnten?

    Glauben Sie vielleicht, dass die Stromerzeugung mittels Kernfusion billiger wird als aus heutigen Kraftwerken? Oder das die heutigen Monopolstrukturen mit der Kernfusion zerschlagen werden kann? Glauben Sie vielleicht, die Staaten der 3. Welt bekämen die Fusionsreaktoren geschenkt?

    Selbst wenn die Kernfusion mal läuft, ist das nur eine Nischentechnologie, weil sie zu teuer und zu aufwendig sein wird.

  4. ... sollte man mehr in die Kernfusion investieren, wo doch die Erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Biomasse und Solar den Weltenergiebedarf tausendfach decken könnten?

    Glauben Sie vielleicht, dass die Stromerzeugung mittels Kernfusion billiger wird als aus heutigen Kraftwerken? Oder das die heutigen Monopolstrukturen mit der Kernfusion zerschlagen werden kann? Glauben Sie vielleicht, die Staaten der 3. Welt bekämen die Fusionsreaktoren geschenkt?

    Selbst wenn die Kernfusion mal läuft, ist das nur eine Nischentechnologie, weil sie zu teuer und zu aufwendig sein wird.

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    • PGMN
    • 09.02.2010 um 8:09 Uhr

    Sehen Sie es halt nicht als Vorstoß in der Energiegewinnung, sondern als reinen Vorstoß in der Wissenserschließung.
    Das Wissen um die Fusionsforschung ist auch dann sinnvoll, wenn wir eines Tages mit den Einhörnern und Elfen über die Blumenwiesen der Zukunft der regenerativen Energien frohlocken.

    • PGMN
    • 09.02.2010 um 8:09 Uhr

    Sehen Sie es halt nicht als Vorstoß in der Energiegewinnung, sondern als reinen Vorstoß in der Wissenserschließung.
    Das Wissen um die Fusionsforschung ist auch dann sinnvoll, wenn wir eines Tages mit den Einhörnern und Elfen über die Blumenwiesen der Zukunft der regenerativen Energien frohlocken.

    • 2b
    • 08.02.2010 um 23:56 Uhr

    Bei allen Nachteilen und Gefahren wäre es mir trotzdem lieber, Atomforscher beschäftigten sich in der Forschung mehr mit Kernfusion als mit Kernspaltung:
    http://www.sfv.de/sob9920...

  5. dass diese "Forscher" nicht aus Versehen ein kleines schwarzes Loch erzeugen. Ups! Scotty, beamen!

    • PGMN
    • 09.02.2010 um 8:09 Uhr
    7. Dann

    Sehen Sie es halt nicht als Vorstoß in der Energiegewinnung, sondern als reinen Vorstoß in der Wissenserschließung.
    Das Wissen um die Fusionsforschung ist auch dann sinnvoll, wenn wir eines Tages mit den Einhörnern und Elfen über die Blumenwiesen der Zukunft der regenerativen Energien frohlocken.

    Antwort auf "Wozu..."

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