Klimageschichte Als Korallen noch Klimasünder waren
Wir sind schuld, dass der CO2-Gehalt der Luft steigt. Doch in den 8000 Jahren vor der Industrialisierung sorgten möglicherweise Korallen für hohe Kohlendioxid-Ausstöße.
© Hassan Ammar/AFP/Getty Images

Korallenriffe sollen eine natürliche Ursache für den Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration sein, sagen Deutsche Forscher
Die Ursachen des Klimawandels kann mittlerweile jedes Schulkind herunterbeten: Seit der Industrialisierung steigt der Gehalt an klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre mit der Folge, dass sich die Erde erwärmt und die Gletscher schmelzen. Schuld daran hat der Mensch.
Doch möglicherweise gibt es eine andere Spezies, die für einen rasanten Anstieg des CO2-Gehalts verantwortlich ist, wenn auch in der Vergangenheit. Denn bislang konnten sich Forscher kaum erklären, warum das Klimagas bereits in den 8000 Jahren vor der Erfindung der Dampfmaschine in hoher Konzentration frei wurde.
Im natürlichen Wechsel von Eiszeit und Warmzeit kam es im Laufe der Erdgeschichte immer wieder zu Konzentrationsschwankungen: Zu Beginn einer jeden Warmzeit werden die Gletscher instabil und ziehen sich bis zu den Polregionen und auf die höchsten Berge zurück. Die Temperaturen steigen und setzen geologische Prozesse in Gang, bei denen CO2 frei wird. Auch wir leben in einer solchen Warmzeit, allerdings gibt es diesmal eine Besonderheit.
Eiskernbohrungen in der Antarktis ergaben eine Zunahme von rund 20 ppm (Teile pro Millionen Teilchen) in den 8000 Jahren vor der Industrialisierung, während die Konzentration in vorangegangenen Warmzeiten eher konstant blieb.
Bisher musste auch in diesem Fall der Mensch als Sündenbock herhalten. Weil er im Ackerbau noch nicht sehr geschickt war, ging er verschwenderisch mit dem Land um und rodete riesige Flächen Wald – ein Faktor, der auch heute einen Löwenanteil der Klimaveränderungen verantwortet.
"Diese Theorie halten wir für unrealistisch", erklärt Thomas Kleinen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. "Um einen derartigen CO2-Anstieg zu verursachen, müssten die Menschen vor Tausenden Jahren einen Großteil der Fläche gerodet haben, die heute als Ackerflächen genutzt werden – und das bei einem Bruchteil der Bevölkerungsdichte."
Kleinen glaubt, dass der Konzentrationsanstieg eine natürliche Ursache hat. In einer Klimasimulation rechneten Kleinen und sein Kollege Victor Brovkin alle wichtigen Klimafaktoren gegeneinander auf. Zwei fielen dabei besonders ins Gewicht: Korallenriffe, die während einer Warmzeit stark anwachsen und Moore, die sich gleichzeitig ausbreiten.
Wie Menschen benötigen Korallen Kalzium um zu wachsen, sie binden große Mengen davon aus dem Meer. Ein Ozean unter Kalziummangel kann aber weniger Kohlenstoffdioxid aufnehmen. Moore hingegen sind regelrechte CO2-Senken. Beide Prozesse wirken also gegenläufig: "In der Summe ergibt unser Modell, dass der Kohlendioxid-Gehalt um 20 ppm ansteigt", so Brovkin. Diese Zahl deckt sich exakt mit den Ergebnissen der Eiskernbohrungen.
Aber auch wenn das Modell der Klimaforscher den Menschen an dieser Stelle entlastet, gibt es für sie keinen Zweifel daran, dass er den Klimawandel zu verantworten hat. Menschliche Emissionen ließen die CO2-Konzentration nämlich um mehr als 100 ppm seit 1850 ansteigen, das ist ein Zuwachs von 40 Prozent in 160 Jahren.
- Datum 03.02.2010 - 15:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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korallen leben in enger symbiose mit zooxanthellen, also algen (dinoflagellaten), die die korallen dicht überziehen und für sie nahrung in form von zucker bereitstellen. dh, die zooxanthellen binden jede menge CO2 aus dem wasser um photosynthese zu betreiben (würden sie das nicht tun, wäre das milieu um die korallen zu sauer um kalk abscheiden zu können).
ich frage mich nun, inwieweit diese tatsache bei den aufgestellten hypothesen berücksichtigt wurde. der CO2-entzug durch die zooxanthellen müsste doch den Ca-entzug der korallen aus dem meerwasser zumindest aufwiegen und das meer könnte demnach wieder CO2 aufnehmen um seinen CO2-gehalt jenem in der atmosphäre anzugleichen...
Sie haben Recht!; entweder ist die Untersuchung, äh bemerkenswert....(und etwas fragwürdig) oder (was ich vermute) total unzulänglich wiedergegeben.
Die Riffgemeinschaft fällt ja schließlich Kalzium als Karbonat und nicht als Metall gegen das Löslichkeitsprodukt!
Hauptsache klimarelevant!
MfG Karl Müller
Sie haben Recht!; entweder ist die Untersuchung, äh bemerkenswert....(und etwas fragwürdig) oder (was ich vermute) total unzulänglich wiedergegeben.
Die Riffgemeinschaft fällt ja schließlich Kalzium als Karbonat und nicht als Metall gegen das Löslichkeitsprodukt!
Hauptsache klimarelevant!
MfG Karl Müller
Sie haben Recht!; entweder ist die Untersuchung, äh bemerkenswert....(und etwas fragwürdig) oder (was ich vermute) total unzulänglich wiedergegeben.
Die Riffgemeinschaft fällt ja schließlich Kalzium als Karbonat und nicht als Metall gegen das Löslichkeitsprodukt!
Hauptsache klimarelevant!
MfG Karl Müller
20 ppm sind nicht viel.
Wenn es vor 8000 Jahren schon sehr viel wärmer war, dann waren auch die Weltmeere viel wärmer.
Und warmes Wasser speichert weniger CO2.
Riesige Mengen des CO2, sehr viel mehr als in der Atmosphäre sind in den Weltmeeren gespeichert (CO2, Hydrogenkarbonat, Carbonat)
Etwas vom CO2 der Weltmeere könnte in die Atmosphäre entwichen sein.
Man weiß ja schon lange Folgendes: erst wird es wärmer und dann steigt der CO2-Gehalt der Luft.
Die Temperatur der Meere folgt der Erwärmung der Atmosphäre ja auch mit Verzögerung.
Warum sind denn die
Korallen vor 8000 Jahren so stark gewachsen? Weil es plötzlich wärmer wurde? Weil viele Calzium-Ionen in die Meere gespült wurde?
Übrigens, wieviel CO2 das Wasser speichern kann, hängt erstmal vom pH ab, nicht unbedingt davon, ob da Kalzium-Ionen in der Nähe sind.
Im sauren liegt alles CO2 als CO2 vor. Die Lösungsfühigkeit des Wassers bezüglich CO2 ist bei niedrigem pH gering.
(Man gieße etwas Essig in CO2 haltiges Mineralwasser, es sprudelt heftig).
Wird das Medium alkalischer z.B. pH 7 , liegt ein Teil als Hydrogencarbonat vor, macht man das Wasser stark alkalisch (pH 12) liegt fast alles CO2 als Carbonat vor. Gibt man dann Kalzium-Ionen hinzu, fällt Calzium-Carbonat als Feststoff aus auf den Grund des Gefäßes.
Korallenwachstum geht erstmal mit Calziumcarbonatabscheidung einher.
Stark anwachsende Korallenriffe sollten erstmal den CO2-Gehalt des Meeres und dann der Atmosphäre absinken lassen.
Ein Stopp des Korallenwachstums sollte dann die Aufnahmefähigkeit der Weltmeere absenken, es wird ja kein CO2 mehr oder sehr viel weniger/jahr als Calzimukarbonat in einen Feststoff überführt.
Von woher aber sollte nun zusätzliches CO2 herkommen, das nicht vorher schon in der Atmophäre war?
Vulkanismus? War der vor 8000 Jahren besonders heftig?
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