Für den Weltklimarat der Vereinten Nationen entwickelt sich 2010 mehr und mehr zum "Annus horribilis", zum schrecklichen Jahr. Die globale Institution, die beansprucht, den geballten Sachverstand der großen Mehrheit der Klimawissenschaftler der Welt zu repräsentieren, steckt in einer schweren Krise.

Eine Serie von Skandalen erschüttern Glaubwürdigkeit und Autorität des IPCC; die Katastrophenszenarien, die er an die Wand malt, entpuppen sich zum Teil als wissenschaftlich nicht belegbare Aussagen. Seine Computermodelle und die daraus abgeleiteten Prognosen werden in Zweifel gezogen. Der Vorsitzende des IPCC, der indische Ökonom Rajendra Pachauri, wird mittlerweile von vielen Klimawissenschaftlern als Belastung empfunden. Allen voran wegen seiner diversen kommerziellen Interessen, die verknüpft sind mit der Richtung der Klimapolitik, die bislang dem Rat des IPCC zu folgen versucht.

Es wird nicht leicht sein, den Schaden zu begrenzen und die Glaubwürdigkeit des IPCC wiederherzustellen. Die Skandale, die in den letzten Tagen die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zogen, beziehen sich allesamt auf den letzten Report des Weltklimarates von 2007, für den er zusammen mit Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Im Falle der angeblich bis 2035 abgeschmolzenen Gletscher des Himalaja reichte die beiläufige Bemerkung eines indischen Wissenschaftlers aus dem Jahr 1999, um in den Bericht aufgenommen zu werden. Der Sachverhalt ist umso peinlicher, als dieser Mann jetzt auf einem gutbezahlten Posten im The Energy and Resources Institute von Dr. Pachauri sitzt, dem wegen des alarmierenden Gletscherberichtes beträchtliche Forschungsgelder von der EU zuflossen.

Auch die Passagen über Häufigkeit und Stärke von Hurrikans stellten sich als unhaltbar heraus. Warnungen vor mehr und gewaltigeren Stürmen als Folge steigender Temperaturen gehörten letzthin zum festen Repertoire von Wissenschaftlern, Politikern und Medien. Als ähnlich haltlos erweist sich nun auch die Voraussage, der Regenwald im Amazonas werde zu großen Teilen wegen der Folgen des Klimawandels verschwinden. Sie stammt nicht von Wissenschaftlern, sondern von Umweltaktivisten.

Natürlich ist es angebracht, in jedem Einzelfall den Weg nachzuzeichnen, der im IPCC zu Fehlern und Verstößen gegen wissenschaftliche Prinzipien führte. Viele der Ungereimtheiten hätten allerdings schon seit längerem aufgespürt werden können. Die Medien müssen sich fragen, warum sie Hinweise, dass auf dem Feld der Klimawissenschaft einiges im Argen liegt, lange ignoriert und ob sie auf genug Distanz geachtet haben zu den Forschern, die der Klimawissenschaftler Hans von Storch das "Kartell der Alarmisten" nennt.