Weltklimarat IPCC in der KriseAuch das politische Klima muss sich ändern

Das IPCC hat zu stark übertrieben. Die Regierungen der Welt müssen Abschied nehmen von einer Klimapolitik, die Unmögliches verlangt. Ein Kommentar von J. Krönig, London von 

Rajendra Pachauri

Rajendra Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarates, steht in der Kritik  |  © Attila Kisbenedek/AFP/Getty Images

Für den Weltklimarat der Vereinten Nationen entwickelt sich 2010 mehr und mehr zum "Annus horribilis", zum schrecklichen Jahr. Die globale Institution, die beansprucht, den geballten Sachverstand der großen Mehrheit der Klimawissenschaftler der Welt zu repräsentieren, steckt in einer schweren Krise.

Eine Serie von Skandalen erschüttern Glaubwürdigkeit und Autorität des IPCC; die Katastrophenszenarien, die er an die Wand malt, entpuppen sich zum Teil als wissenschaftlich nicht belegbare Aussagen. Seine Computermodelle und die daraus abgeleiteten Prognosen werden in Zweifel gezogen. Der Vorsitzende des IPCC, der indische Ökonom Rajendra Pachauri, wird mittlerweile von vielen Klimawissenschaftlern als Belastung empfunden. Allen voran wegen seiner diversen kommerziellen Interessen, die verknüpft sind mit der Richtung der Klimapolitik, die bislang dem Rat des IPCC zu folgen versucht.

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Es wird nicht leicht sein, den Schaden zu begrenzen und die Glaubwürdigkeit des IPCC wiederherzustellen. Die Skandale, die in den letzten Tagen die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zogen, beziehen sich allesamt auf den letzten Report des Weltklimarates von 2007, für den er zusammen mit Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Im Falle der angeblich bis 2035 abgeschmolzenen Gletscher des Himalaja reichte die beiläufige Bemerkung eines indischen Wissenschaftlers aus dem Jahr 1999, um in den Bericht aufgenommen zu werden. Der Sachverhalt ist umso peinlicher, als dieser Mann jetzt auf einem gutbezahlten Posten im The Energy and Resources Institute von Dr. Pachauri sitzt, dem wegen des alarmierenden Gletscherberichtes beträchtliche Forschungsgelder von der EU zuflossen.

Auch die Passagen über Häufigkeit und Stärke von Hurrikans stellten sich als unhaltbar heraus. Warnungen vor mehr und gewaltigeren Stürmen als Folge steigender Temperaturen gehörten letzthin zum festen Repertoire von Wissenschaftlern, Politikern und Medien. Als ähnlich haltlos erweist sich nun auch die Voraussage, der Regenwald im Amazonas werde zu großen Teilen wegen der Folgen des Klimawandels verschwinden. Sie stammt nicht von Wissenschaftlern, sondern von Umweltaktivisten.

Natürlich ist es angebracht, in jedem Einzelfall den Weg nachzuzeichnen, der im IPCC zu Fehlern und Verstößen gegen wissenschaftliche Prinzipien führte. Viele der Ungereimtheiten hätten allerdings schon seit längerem aufgespürt werden können. Die Medien müssen sich fragen, warum sie Hinweise, dass auf dem Feld der Klimawissenschaft einiges im Argen liegt, lange ignoriert und ob sie auf genug Distanz geachtet haben zu den Forschern, die der Klimawissenschaftler Hans von Storch das "Kartell der Alarmisten" nennt.

Leserkommentare
  1. vergessen allzu viele Bürger und Politiker zu schnell, dass unsere Energieerzeugung, etc. leider auf endlichen Ressourcen beruht, die zudem einen nachweisbar schädlichen Effekt für die Umwelt hat. Wie groß die Effekte für das Weltklima in der nächsten Dekade oder in 50 Jahren sind mag (noch) nicht feststehen, aber der Wandel zu erneuerbarer Energieerzeugung ist unumgänglich und bringt für Verbraucher eine ganze Menge Vorteile mit sich (keine ständig steigenden Preise für Öl und Gas, usw).

    • Guido3
    • 01. Februar 2010 17:18 Uhr

    «Die Medien müssen sich fragen, warum sie Hinweise, dass auf dem Feld der Klimawissenschaft einiges im Argen liegt, lange ignoriert und ob sie auf genug Distanz geachtet haben zu den Forschern»

    Die Arbeit der Medien sieht heute doch so aus:
    1. Agenturmeldung schlägt auf.
    2. Überschrift und 2 Sätze werden umformuliert.
    3. Fertiger Artikel wird veröffentlicht.
    Detailrecherchen leistet sich doch kaum noch ein Medienhaus und die Medien werden Ihrer wichtigen Funktion in der Demokratie westlicher Prägung schon lange nicht mehr gerecht. Es ist heute wahrscheinlicher, dass ein engagierter Blogger so etwas aufdeckt, als ein traditionelles Medienhaus.

    Zur eigentlichen Klimaproblematik: Ich weiß auch nicht woran ich noch glauben soll und wie stark eine eventuelle Klimaerwärmung ausfällt. Aber ich weiß, dass es nicht richtig sein kann, wenn wir über Millionen Jahre eingelagertes CO2 innerhalb weniger Generationen komplett in die Luft blasen (und nebenbei Unmengen an Schadstoffen). Es kann auch nicht richtig sein, wenn wir innerhalb weniger Generationen viele Rohstoffe nahezu komplett ausbeuten. Insofern bin ich ganz unabhängig von der Klimaerwärmung für viel Klima- und Umweltschutz - aber auf eine ganz pragmatische und ideologiefreie Weise.

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    • Crest
    • 01. Februar 2010 18:45 Uhr

    wenn wir über Millionen Jahre eingelagertes CO2 innerhalb weniger Generationen komplett in die Luft blasen

    Man kann es aber auch so sehen:

    "... machten Raumfahrtbiologen jüngst eine bemerkenswerte Entdeckung ...Am üppigsten wucherten Tomaten, Blumen ...wenn man das Sauerstoffangebot ... reduzierte und gleichzeitig den CO2 Anteil kräftig erhöhte ...Es gibt viele Faktoren, die das Gleichgewicht bedrohen. Einer von Ihnen ist der Umstand, dass ein beträchtlicher Teil des Kohlenstoffs ... in der Erdkruste abgelagert und von Sedimenten zugedeckt wurde. Dieser Teil wurde dem Kreislauf laufend entzogen... Das Ende schien nur noch ein Frage der Zeit. Wieder aber geschieht etwas sehr Erstaunliches: ... erscheint eine neue Lebensform..., deren Auswirkungen die Dinge wie beiläufig wieder ins Lot bringen. Homo faber tritt auf und bohrt tiefe Schächte in die Erdrinde, um den dort begrabenen Kohlenstoff wieder an die Oberfläche zu befördern und durch Verbrennung dem Kreislauf von neuem zuzufügen. Manchmal wüsste man wirklich gern, er das Ganze eigentlich programmiert."

    Das Essay (1974), aus dem die Auszüge entnommen sind, stammt von einem bekannten Publizisten, der sich später bei den Grünen engagierte (mit einer noch bekannteren Tochter).

    Das hier soll nun nicht als 5.Evangelium gelten, sondern als Anregung, einfach mal den Blickwinkel zu ändern (und den Menschen nicht immer nur als Krankheit auf einem Planeten zu anzusehen).

    Herzlichst Crest

    • NixNutz
    • 01. Februar 2010 17:23 Uhr

    Stimmt, aber dieser Artikel hier zeigt, dass daran die meisten scheitern. Viel mehr Substanz als eine Zusammenfassung von ZEIT-Artikeln der letzten 3 Monate enthält dieser Artikel nicht.
    Und Verkürzungen führen eben auch zu Fehlern:
    "Neue Erkenntnisse könnten sie Situation weiter verschlechtern. Eine neue Studie, veröffentlicht in Science, zeigt, dass die Klimamodelle des IPCC die Rolle des Wasserdampfes, des wichtigsten Treibhausgases, vernachlässigt haben."
    Könnte auch daran liegen, dass die zugrunde gelegte Theorien und Beobachtungen erst nach dem 4. Sachstandsbericht gemacht wurden? Was sollen die Leute machen, Zeitreisen?
    http://online.wsj.com/art...

    Wenn es einen schlauen Journalisten in Deutschland zu diesem Thema geben sollte, warum schaut ihr nicht bei euren amerikanischen und britischen Kollegen vobei, bevor ihr eure Artikel schreibt? Die sind euch meist 2-3 Tage voraus.
    Dieser hier kann ja kaum länger als einen halben Tag gedauert haben, mit copy-paste vllt. sogar weniger, also genug ZEIT um sich vorher mal was aktuelles durchzulesen.

  2. Es ist nicht relevant, ob das Klima sich durch CO2-Eintrag verschlechtert (was verbessern und verschlechtern heißt, lässt sich beispielsweise an den Kriterien Artenvielfalt, Eismasse in den Gebirgen, Niederschlagsmenge und -häufigkeit o. ä. definieren) - weil die Regierungen (auch die deutsche) nicht in der Lage sind, wirklich etwas dagegen zu tun. Es ist offensichtlich, dass die historisch relevanten Rohstoff- und Energieformen keine Option für die mittel- und langfristige Aufrechterhaltung von Infrastruktur und Wirtschaft darstellen - Kommentar 1 hat es auf den Punkt gebracht.

    Da sich dadurch aber der Handlungsspielraum für die deutsche Wirtschaft eher einengt und nicht erweitert, zeigt der Unwille, sich konsequent mit dieser Problematik auseinander zu setzen (konsequent im Sinne von mit Folgen verbunden), dass das öffentliche Bewußtsein auf einem anderen Planeten lebt.

    Mal abgesehen davon, dass Leute wie Bush immer exakte Daten gefordert und Wirtschaftslobbyismus gemeint haben: Es existieren ganz viele Gründe, warum man von den bisherigen Energie- und Rohstoffpfaden wegkommen sollte - für mich ist die Sache mit dem Klima definitiv nicht vom Tisch und ein paar andere Probleme sind ebenfalls vorhanden (Zugang zu den Ressourcen contra intakte Umwelt, Abhängigkeiten, Entwicklungspotential der Schwellenländer, Frage nach dem Zusammenhang von Verzicht und Verantwortung gegenüber späteren Generationen).

    Es wird immer so getan, wie wenn man könnte, wenn man nur wollte.

    • Strothi
    • 01. Februar 2010 17:28 Uhr

    Ach Mensch,

    da wird kritischer Journalismus gewünscht und dann wird nicht mal der Name von dem Institut von Pachauri richtig geschrieben. Nix Tera, das Institut heißt TERI, stand mal für Tata Energy and Resources Institute und heute für The Energy and Resources Institute: http://www.teriin.org/

    Strothi

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    Redaktion

    Hallo Strothi,

    zuvor wurde das Energy and Resources Institute im Text fälschlich mit TERA Institut abgekürzt. Dies wurde nun korrgiert. Danke für den Hinweis!

  3. Was kann ein " Wissenschaftler " in einem naturwissen-
    schaftlichen Fach schlimmeres machen ?

    Nichts desto trotz........

    Forschung für saubere Energie, Technik und Umwelt sind eine
    unbedingte Notwendigkeit.

  4. Der Artikel zeigt einen wichtigen Fortschritt in der Klimadebatte auf, nämlich, dass wieder diskutiert werden kann.

    Viele kritisch eingestellte Wissenschaftler wurden bis dahin entweder verlacht, als “Leugner” beschimpft und mit dem Ausdruck “Flat Earth” Spezialisten verächtlich gemacht. Viele, die dies nicht mitmachen wollten, verloren ihre Anstellung und Dotationen, um ihrer Tätigkeit nachgehen zu können.

    Wie so etwas gemacht wurde, kann man sehr schön bei Lindzen nachlesen. : http://www.opinionjournal...

    Kennzeichnend ist, dass die Debatte um die Offenlegung von Rohdaten nicht von Wissenschaftlern, sondern von Außenstehenden erzwungen wurde. Es war vor allem der Kanadier McIntyre, der zusammen mit einigen Mitstreitern die etablierten Wissenschaftler wie Jones und Michael durch immer neue Anfragen zwangen, Stück für Stück die Daten offen zu legen.

    Wahrscheinlich ist zudem, dass die Climategate Daten von einem Insider an die Öffentlichkeit gebracht worden ist, der nicht mehr bereit war, die Manipulationen zu decken.

  5. Redaktion

    Hallo Strothi,

    zuvor wurde das Energy and Resources Institute im Text fälschlich mit TERA Institut abgekürzt. Dies wurde nun korrgiert. Danke für den Hinweis!

    Antwort auf "Nix TERA"

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