Plastik, wohin man schaut – auch bei dieser amerikanischen Familie, die ihren Plastikhaushalt zeigt

Ob in der Zahnbürste, im Telefon oder sogar in unserem Blut – Plastik umgibt uns ständig und fast überall. Ohne Kunststoffe kommen wir heute nicht mehr aus, sie sind in allen Farben, Formen und Konsistenzen erhältlich, ob für simple Konsumgüter oder als High-Tech-Material für Computerchips oder Prothesen. Mit Plastic Planet hat der österreichische Regisseur Werner Boote dem Kunststoff nun einen Dokumentarfilm gewidmet, der in Österreich bereits erfolgreich lief und jetzt auch in Deutschland zu sehen ist.

Werner Boote verbindet eine ganz persönliche Beziehung mit Plastik. Sein Großvater war Geschäftsführer eines großen Kunststoffherstellers, weshalb Bootes Kindheit geprägt war von schönem, buntem Kunststoff in allerlei Formen. Eines Tages las er in Zeitungsartikeln über das "Dilemma des Kunststoffes". Denn Plastik sei zwar einerseits ein praktisches, preiswertes und flexibles Material, aber als nicht verrottender Plastikmüll eine Gefahr für unseren Planeten und aufgrund giftiger Zusatzstoffe auch für unsere Gesundheit. Werner Boote war überrascht und schockiert zugleich. Er verband mit Plastik immer eine glückliche Kindheit und nun stellte sich heraus, dass Plastik auch Leben in Gefahr bringe. Doch was ihn am meisten entsetzte, war, dass kaum jemand wirklich genau über den Weg des Plastiks und seine Folgen Bescheid wusste.

Mit einer fast kindlichen Neugierde nimmt der 45-jährige Regisseur sein Publikum in seinem Film mit auf eine Erkundungsreise – auf seine Suche nach Antworten. Das Plastik-Dilemma besteht für Boote aber nicht nur darin, dass es unbestrittene Vor- und Nachteile des Kunststoffes gibt. Vielmehr versteht er nicht, warum wir unser Konsumverhalten nicht einfach ändern und die Industrie auf die umwelt- und menschenschädlichen Tatsachen nicht reagiert. Zustände, die Boote geklärt haben möchte. Dafür reiste er in mehr als 25 Städte weltweit und sprach mit 17 Interviewpartnern. Insgesamt arbeitete er mehr als zehn Jahre an Plastic Planet .

Herausgekommen ist kein aggressiver Kampagnenfilm gegen Plastikmüll. Denn Werner Boote macht zum einen auf die Problematik aufmerksam, die sich mit den Jahren entwickelt hat, und zum anderen tritt er mit einer natürlichen Neugierde und Witz an das Thema heran, dass man gerne zuhört und lernt. Der persönliche Bezug, den er zu dem Thema hat, ist deutlich spürbar. Ohne die krawallige Herangehensweise eines Michael Moores, dafür mit Authentizität und Beharrlichkeit zeigt Boote in Plastic Planet , was es mit dem allgegenwärtigen Kunststoff auf sich hat.