Umweltdoku "Plastic Planet"Odyssee durch unsere Kunststoffwelt

Kunststoffe sind zu einer Plage für die Erde und den Menschen geworden. Wie es dazu kam, zeigt Werner Boote in seinem Dokumentarfilm "Plastic Planet". von Helen Germann

Plastik, wohin man schaut – auch bei dieser amerikanischen Familie, die ihren Plastikhaushalt zeigt

Plastik, wohin man schaut – auch bei dieser amerikanischen Familie, die ihren Plastikhaushalt zeigt  |  © Thomas Kirschner

Ob in der Zahnbürste, im Telefon oder sogar in unserem Blut – Plastik umgibt uns ständig und fast überall. Ohne Kunststoffe kommen wir heute nicht mehr aus, sie sind in allen Farben, Formen und Konsistenzen erhältlich, ob für simple Konsumgüter oder als High-Tech-Material für Computerchips oder Prothesen. Mit Plastic Planet hat der österreichische Regisseur Werner Boote dem Kunststoff nun einen Dokumentarfilm gewidmet, der in Österreich bereits erfolgreich lief und jetzt auch in Deutschland zu sehen ist.

Werner Boote verbindet eine ganz persönliche Beziehung mit Plastik. Sein Großvater war Geschäftsführer eines großen Kunststoffherstellers, weshalb Bootes Kindheit geprägt war von schönem, buntem Kunststoff in allerlei Formen. Eines Tages las er in Zeitungsartikeln über das "Dilemma des Kunststoffes". Denn Plastik sei zwar einerseits ein praktisches, preiswertes und flexibles Material, aber als nicht verrottender Plastikmüll eine Gefahr für unseren Planeten und aufgrund giftiger Zusatzstoffe auch für unsere Gesundheit. Werner Boote war überrascht und schockiert zugleich. Er verband mit Plastik immer eine glückliche Kindheit und nun stellte sich heraus, dass Plastik auch Leben in Gefahr bringe. Doch was ihn am meisten entsetzte, war, dass kaum jemand wirklich genau über den Weg des Plastiks und seine Folgen Bescheid wusste.

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Mit einer fast kindlichen Neugierde nimmt der 45-jährige Regisseur sein Publikum in seinem Film mit auf eine Erkundungsreise – auf seine Suche nach Antworten. Das Plastik-Dilemma besteht für Boote aber nicht nur darin, dass es unbestrittene Vor- und Nachteile des Kunststoffes gibt. Vielmehr versteht er nicht, warum wir unser Konsumverhalten nicht einfach ändern und die Industrie auf die umwelt- und menschenschädlichen Tatsachen nicht reagiert. Zustände, die Boote geklärt haben möchte. Dafür reiste er in mehr als 25 Städte weltweit und sprach mit 17 Interviewpartnern. Insgesamt arbeitete er mehr als zehn Jahre an Plastic Planet .

Herausgekommen ist kein aggressiver Kampagnenfilm gegen Plastikmüll. Denn Werner Boote macht zum einen auf die Problematik aufmerksam, die sich mit den Jahren entwickelt hat, und zum anderen tritt er mit einer natürlichen Neugierde und Witz an das Thema heran, dass man gerne zuhört und lernt. Der persönliche Bezug, den er zu dem Thema hat, ist deutlich spürbar. Ohne die krawallige Herangehensweise eines Michael Moores, dafür mit Authentizität und Beharrlichkeit zeigt Boote in Plastic Planet , was es mit dem allgegenwärtigen Kunststoff auf sich hat.

Leserkommentare
  1. Plastik bzw. Kunststoff ist ein ganz brauchbarer Stoff, aber leider wurde aus ihm ein "Allerweltsmittel", weil es einfacher zu handhaben ist und ganz schnell entsorgt und auch fürs Auge gut...

    Nun es würde evtl. weiterhelfen wenn man doch die guten alten Papiertüchen (Amerika hat doch diese auch) mal wieder raussuchen würde oder Kartonagen, die Kunststoffbranche würde sicher auch gerne über ihre Neuentwicklungen informieren, wenn man da Interesse zeigen würde, denn (ich habe selbst in einer Kunststofffabrik gearbeitet) es gibt Möglichkeiten, hier auch umweltbewußten Kunststoff, wenn es schon gar nicht ohne geht, zu produzieren....

    • nordex
    • 01. März 2010 18:21 Uhr

    Man sollte den Siegeszug von Plastik nicht zu negativ sehen, schließlich bringen uns Kunststoffe eine Vielzahl an Annehmlichkeiten, z.B wasserdichte Zelte und Kleidung, kleinere und immer leistungsfähigere Computertechnik...etc.
    Das Problem ist nur das Kunststoff für Wegwerfartikel und einfache Gebrauchartikel viel zu billig ist und somit das Plastikmüllaufkommen bedenklich erhöht.

  2. ist meiner Meinung nach nicht der Kunststoff an sich, sondern der Umgang mit diesem Stoff.

    Kunststoff hat den Vorteil vielfältig und nahezu unbegrenzt einsatzfähig zu sein (ihr T-Shirt war vermutlich schon mal eine Plastikflasche). Thermoplaste lassen sich mehrmals schmelzen und neu verformen und sind daher gut recyclebar. In gewisser Weise schont er sogar die Umwelt (z.B:leichtere Autos = geringer Spritverbrauch). "Biokunststoffe" auf Maisbasis/mit Maisanteilen wurden bereits getestet...- wobei natürlich darüber diskutiert werden kann, ob solche Maisverpackungen sinnvoll sind, während 1 Milliarde Menschen hungert.

    Dennoch gibt es mit Sicherheit Nachteile und berechtigte Kritik:

    Das liegt einerseits an einer Wegwerf- bzw. Verzichtsunfähigen Gesellschaft, zum Anderen an einer Industrie, welche anscheinend leichtes Spiel hat.
    (z.B. gesundheitsschädliche Additive in Kunststoffen, mehrere hundert Meilen große "Plastikteppiche" in den Ozeanen,...)

    Die Lösung des Kunststoffproblems wird daher wie so viele andere negative Umwelteinflüsse wohl nur durch eine relativ radikale Umstellung des Konsum- und Verbraucherbewußtseins zu dämpfen oder zu beseitigen sein.

  3. Weil mein Biobauer Sommerferien macht, war ich auf Suche nach einer anderen Milch- und Buttermilchquelle. Ich fand einen Direktvermarkter, der hier im Landkreis ein- oder auch zweimal die Woche Vorzugsmilch, auch in pasteurisierter Form, sowie daraus gewonnene Produkte an die Haustür liefert.
    Ich war entsetzt, daß es statt Glasflaschen wie beim Biobauern nun Kunststoffflaschen waren. Und sogar noch PC (Polycarbonat), den Kunststoff mit Bisphenol A, dem schlimmsten Weichmacher.
    Sowas wird als gute Milch direkt vom Bauern auch an Kindergärten und Schulen geliefert!
    Haben die Eltern dort nie nachgefragt oder sich erkundigt, ob die gesunde Milch auch in einer gesunden Verpackung daherkommt?
    Aber warum sollten sie auch?! Man wird doch fast mitleidig angeschaut, daß man sich noch mit Glasflaschen abschleppt.
    Sind die Leute schon so bequem geworden, daß ihnen geringes Gewicht und Platzfestigkeit wichtiger sind als ihre und ihrer Kinder Gesundheit??
    Vor allem die Umweltvermüllung: im Meer schwimmt schon wesentlich mehr Plastkmüll als Plankton. Sogar die Amazonas-Indianer und die Eskimos haben Weichmacher im Blut. Es gibt mehr als 700 Studien, die nachweisen, daß Weichmacher und andere Stoffe, die in Kunststoffen zu finden sind, schädlich sind. Darauf reagiert niemand?! Weder die Industrie, noch die Politik, um diesen Wahnsinn zu beenden. Unglaublich!
    Gut, wenn der Wandel nicht von oben kommt, dann von unten!
    WIR sind schließlich das Volk!
    In der DDR hat das doch auch geklappt!!

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    Eine eindrucksvolle Dokumentation. Vielen Dank. Kunststoff ist leider ein Material, das die Erde und die Menschen über Tausende von Jahren belastet. Die Gewinnspanne für die Herstellung von Plastik ist für die chemische Industrie so groß, dass sie ungern auf alternative Produkte verzichtet.
    Die Menschheit braucht eine vollständige Kreislaufwirtschaft. Mit zukunftsweisenden Technologien des Recyclings ist es durchaus möglich, Plastikprodukte in hoher Qualität so zu recyceln, dass der gebrauchte Kunststoff wieder zur Neuherstellung verwendet werden kann.
    Ich möchte hier an das Kryo-Recycling von Prof. Rosin, dem Erfinder des FCKW freien Kühlschranks, erinnern. Mit einem besonders hergestellten Gemisch aus drei verschiedenen Gasen wird in einem Kältetunnel bei bis zu Minus 160 Grad jedes Plastik (auch Verbindungen) spröde und kann dadurch sortenrein getrennt und zermahlen werden. Es entsteht ein Sekundärrohstoff von hoher Qualität, es ist ein wirtschaftliches Verfahren und könnte neue sinnvolle Arbeitsplätze schaffen.

  4. Eine eindrucksvolle Dokumentation. Vielen Dank. Kunststoff ist leider ein Material, das die Erde und die Menschen über Tausende von Jahren belastet. Die Gewinnspanne für die Herstellung von Plastik ist für die chemische Industrie so groß, dass sie ungern auf alternative Produkte verzichtet.
    Die Menschheit braucht eine vollständige Kreislaufwirtschaft. Mit zukunftsweisenden Technologien des Recyclings ist es durchaus möglich, Plastikprodukte in hoher Qualität so zu recyceln, dass der gebrauchte Kunststoff wieder zur Neuherstellung verwendet werden kann.
    Ich möchte hier an das Kryo-Recycling von Prof. Rosin, dem Erfinder des FCKW freien Kühlschranks, erinnern. Mit einem besonders hergestellten Gemisch aus drei verschiedenen Gasen wird in einem Kältetunnel bei bis zu Minus 160 Grad jedes Plastik (auch Verbindungen) spröde und kann dadurch sortenrein getrennt und zermahlen werden. Es entsteht ein Sekundärrohstoff von hoher Qualität, es ist ein wirtschaftliches Verfahren und könnte neue sinnvolle Arbeitsplätze schaffen.

    • marxo
    • 04. Februar 2012 12:01 Uhr

    Das ist ja schon halb wahr, aber dennoch muss auch dieser Film den Leuten drohen: "Sie bekommen besser keine Kinder, sie haben zu viel Plastik im blut". Das ist zynisch.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Dokumentarfilm | Erbgut | Garten | Konsumverhalten | Planet
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