Biodiesel und Ethanol Gift für Brasiliens Regenwald
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Rinderzüchter müssten Wald abholzen, um Platz für Plantagen zu machen

Brasilien ist neben den USA, die hauptsächlich Mais als Rohstoff verwenden, führend bei der Produktion von Ethanol. Die brasilianischen Zuckerrohr-Plantagen liegen aber nicht im Amazonas-Gebiet, sondern vor allem im Süden und Südosten, aber auch im Nordosten des Landes. Zuckerrohr, aus dem im Übrigen auch der landestypische Cachaça (Zuckerrohrschnaps) gewonnen wird, wächst derzeit auf etwa 8000 Quadratkilometer Fläche.

Nach offiziellen Angaben könnte diese Fläche aber mehr als verachtfacht werden. Um das Ausbau-Ziel bis zum Jahr 2020 zu erreichen, prognostizieren die Forscher, dass für den Anbau von Zuckerrohr 57.200 Quadratkilometer und für Soja-Plantagen sogar 108.100 Quadratkilometer Fläche hinzukommen müssten. Das wäre zusammen rund die Hälfte der Fläche Deutschlands.

Zu 88 Prozent würde diese Zusatzfläche aus ehemaligen Viehweiden bestehen. Die so verdrängten Rinderzüchter müssten nach Ansicht der Wissenschaftler 121.970 Quadratmeter Waldfläche abholzen, um neuen Weideplatz für ihr Vieh zu kultivieren. Der Effekt: Die Biotreibstoffe tragen indirekt zur Regenwaldabholzung bei.

Die Wissenschaftler rechnen vor, dass man 250 Jahre bräuchte, bis das durch die Regenwaldabholzung verursachte Kohlendioxid von den Vorteilen der Biospritnutzung  ausgeglichen sei. Allerdings ist es erklärtes Ziel der Regierung in Brasília, die Abholzung im Amazonas bis 2020 um 80 Prozent zu reduzieren.

Als einen Lösungsvorschlag regen die Forscher an, in Brasilien die ertragsreicheren Ölpalmen anstatt Soja anzupflanzen. Damit könnte die für Biodiesel bis 2020 zusätzlich benötigte Fläche von 108.100 (Soja) auf nur 4200 Quadratkilometer (Ölpalmen) reduziert werden. Allerdings ist auch die Nutzung von Palmöl zur Energiegewinnung umstritten. In Indonesien werden jährlich riesige Torfmoorwald-Flächen abgeholzt, um Platz für Palmenplantagen zu schaffen. Durch die erhöhte Nachfrage auf dem Weltmarkt nach Palmöl als Biotreibstoff hat die Zerstörung der dortigen Wälder sich beschleunigt. Das Öl ist aber auch in vielen Kosmetikprodukten und Lebensmitteln enthalten.

 
Leser-Kommentare
  1. Egal ob Soja oder Ölpalme, der Regenwald wird für beide weltweit auf Millionen Hektar gerodet. Allein in Indonesien mussten in den letzten Jahren 12 Millionen Hektar Regenwald für Ölpalmplantagen weichen. Mehr Infos unter http://www.regenwald.org

    PS: Eine Korrektur zu den Zahlenangaben im Artikel: Die Zuckerrohranbaufläche in Brasilien beträgt aktuell 80.000 km2 (bzw. umgerechnet 8 Millionen Hektar), das entspricht der Fläche von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen!

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    Wenn der Anbau von Ölpalmen nur 4200km² anstatt 108.100km² (Soja) benötigt, dann sind das 3,8% der Fläche. Das sollte als Naturschutz-Argument wohl ausreichen!

    Abgesehen davon haben Sie Recht: in Indonesien findet ein Verbrechen an der Natur für Biosprit aus Ölpalmen statt.

    • traude
    • 11.02.2010 um 10:15 Uhr

    Ihr Zahlen erscheinen etwas übertrieben. Nicht, dass ich versuchen würde das Maß der Zerstörung klein zu reden, nur ist mir die Flächen von etwas 1,5 Mio. Hektar gerodeter Waldfläche als Schätzung für die Jahre 1995-2005 bekannt.

    Und leider kann man Greenpeace oder anderen etwas "unternehmerischen" Umweltorganisationen in ihren Angaben schon lange nicht mehr trauen.

    http://www.newscientist.c...

    Wenn der Anbau von Ölpalmen nur 4200km² anstatt 108.100km² (Soja) benötigt, dann sind das 3,8% der Fläche. Das sollte als Naturschutz-Argument wohl ausreichen!

    Abgesehen davon haben Sie Recht: in Indonesien findet ein Verbrechen an der Natur für Biosprit aus Ölpalmen statt.

    • traude
    • 11.02.2010 um 10:15 Uhr

    Ihr Zahlen erscheinen etwas übertrieben. Nicht, dass ich versuchen würde das Maß der Zerstörung klein zu reden, nur ist mir die Flächen von etwas 1,5 Mio. Hektar gerodeter Waldfläche als Schätzung für die Jahre 1995-2005 bekannt.

    Und leider kann man Greenpeace oder anderen etwas "unternehmerischen" Umweltorganisationen in ihren Angaben schon lange nicht mehr trauen.

    http://www.newscientist.c...

    • Biest
    • 08.02.2010 um 22:55 Uhr

    Wir aus den reichen westeuropäischen Staaten können nur nicht einfach auf Brasilien zeigen und vom diesem Land verlangen, einseitig auf den wirschaftlichen Aufschwung zu verzichten. Der Erhalt des Regenwald ist im Interesse aller Menschen auf Erden und wird daher kosten.

  2. Sehr geehrte Frau Lüdemann,

    grundsätzlich ein hochspannendes, zukunftsweisendes Thema, das durch Ihre leider sehr einseitige Berichterstattung erneut und teils zu Unrecht in Misskredit gebracht wird...

    Ich beschäftige mich im Zuge meiner Diplomarbeit mit den diversen Standards und Methodologien, die eine nachhaltige Produktion von Zuckerrohr-Ethanol in Brasilien gewährleisten sollen.

    Es gibt internationale Ansätze, die neben der direkten Landnutzungsänderung (Zuckerrohr-Anbau im Regenwald) auch die indirekte Landnutzungsänderung (Zuckerrohr-Anbau verdrängt Viehwirtschaft in Regenwald) integrieren. Nebenbei - die EU-Direktive zur Förderung der Biokraftstoffe definiert als Nachhaltigkeitskriterien für ebendiese lediglich Treibhausgasbilanz und Biodiversität - keine Integration der Landnutzungsänderung!

    Hingegen wird zB in den Ansätzen des 'Round Table on Sustainable Biofuels' (RSB) oder der 'International Sustainability and Carbon Certification' (ISCC) darauf geachtet, dass neue Anbaugebiete für Zuckerrohr nur auf degradiertem Land ohne vorherige Nutzung entstehen. Gleichzeitig fliesst in die Berechnung der Treibhausgasbilanz des Ethanols ein genereller Abzug für nicht zurechenbare indirekte Landnutzungsänderung mit ein.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie in dieser Diskussion auch die vielfältigen, ermutigenden Entwicklungen gerade des Zuckerrohr-Ethanols in Brasilien beleuchten würden!

    Mit freundlichen Grüßen

    Malte K Witsch
    Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

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    Redaktion

    vielen Dank für diese informativen Hinweise.

    Dieser Bericht bezieht sich nur auf die Ergebnisse der jetzt in PNAS veröffentlichten Studie. Gerne berichten wir aber einmal ausführlicher über die Zuckerrohr-Anpflanzung in Brasilien.

    Senden Sie mir gerne Informationen zu den Projekten, in denen es um den Nachhaltigen Anbau geht. Gerne nehmen wir diese Anregung auf.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    Redaktion

    vielen Dank für diese informativen Hinweise.

    Dieser Bericht bezieht sich nur auf die Ergebnisse der jetzt in PNAS veröffentlichten Studie. Gerne berichten wir aber einmal ausführlicher über die Zuckerrohr-Anpflanzung in Brasilien.

    Senden Sie mir gerne Informationen zu den Projekten, in denen es um den Nachhaltigen Anbau geht. Gerne nehmen wir diese Anregung auf.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

  3. Ich empfände es als guten Stil bei solchen Artikeln die Studie auf die Sie sich beziehen anzugeben bzw. zu verlinken. Vielleicht spart dies hier dem einen oder anderen Arbeit:

    http://www.pnas.org/conte...

    Warum andererseits die Institute verlinkt sind leuchtet mir weniger ein, aber gut, kann ja nicht schaden.

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    Redaktion

    Lieber Leser,

    sehr häufig verlinken wir in unseren Artikeln auf ZEIT ONLINE die Quellen wissenschaftlicher Artikel. Ich habe es jetzt auch für diesen Bericht aus PNAS nachgeholt.

    Auf die Institute verlinken wir auch, damit Interessierte - zum Beispiel Studenten, Doktoranden und Wissenschaftler sich genauer über die Forschung informieren können.

    Danke für den Hinweis und viele Grüße.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    sehr häufig verlinken wir in unseren Artikeln auf ZEIT ONLINE die Quellen wissenschaftlicher Artikel. Ich habe es jetzt auch für diesen Bericht aus PNAS nachgeholt.

    Auf die Institute verlinken wir auch, damit Interessierte - zum Beispiel Studenten, Doktoranden und Wissenschaftler sich genauer über die Forschung informieren können.

    Danke für den Hinweis und viele Grüße.

  4. die ökologischen Kosten der Erdöl- und Erdgas-Gewinnung interessieren. Komischerweise scheint das niemand untersuchen zu wollen.

  5. 6. jepp

    Eigentlich ein bekanntes Thema... Übrigens: 1/5 bis 1/4 der globalen CO2-Exhalation geht auf die Verbrennung und damit irrversiblen Zerstörung tropischer und borealer Wälder zurück. Das meiste Holz wird übrigens als Energielieferant verwendet. Tropenholz nicht zu kaufen beschleunigt übrigens den Prozess...

  6. Redaktion

    vielen Dank für diese informativen Hinweise.

    Dieser Bericht bezieht sich nur auf die Ergebnisse der jetzt in PNAS veröffentlichten Studie. Gerne berichten wir aber einmal ausführlicher über die Zuckerrohr-Anpflanzung in Brasilien.

    Senden Sie mir gerne Informationen zu den Projekten, in denen es um den Nachhaltigen Anbau geht. Gerne nehmen wir diese Anregung auf.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

  7. Redaktion

    Lieber Leser,

    sehr häufig verlinken wir in unseren Artikeln auf ZEIT ONLINE die Quellen wissenschaftlicher Artikel. Ich habe es jetzt auch für diesen Bericht aus PNAS nachgeholt.

    Auf die Institute verlinken wir auch, damit Interessierte - zum Beispiel Studenten, Doktoranden und Wissenschaftler sich genauer über die Forschung informieren können.

    Danke für den Hinweis und viele Grüße.

    Antwort auf "Quellen verlinken"

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