Die Erwartungen waren groß, als die Vertreter der 175 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens nach Doha ins Emirat Qatar aufbrachen, um über die Zukunft bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu entscheiden. Doch weder der Eisbär, dessen wahren Bestand Wissenschaftler nur grob schätzen können, noch der nachweislich vom Aussterben bedrohte Rote Thunfisch fand ausreichend Befürworter für ein internationales Handelsverbot. Schließlich wurde auch der Antrag auf besseren Schutz für mehrere Hai-Arten abgelehnt. Eine ernüchternde Zwischenbilanz.

Schon der Name "Artenschutzkonferenz" führt in die Irre. Geht es auf dem Treffen doch vielmehr um Wirtschaftsinteressen als um die Sorge um das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, die seit Jahrmillionen die Erde bevölkern.

So kämpfte Japan – Hauptimporteur des im Mittelmeer und Atlantik überfischten Roten Thuns – auf der Konferenz vehement gegen ein Handelsverbot des Sushi-Speisefischs. Und auch China fand ausreichend Verbündete gegen den Schutz dreier Hammerhai-Arten sowie des Weißspitzen-Hochseehais. Sämtlich Fische, denen zum Teil bei lebendigem Leib die Flossen abgetrennt werden, um daraus die in Asien begehrte Flossensuppe zu machen.

Bleibt die Frage, warum viele Staaten, die weder am Thunfisch noch am Hai mitverdienen, trotzdem nichts für den Erhalt dieser Arten getan haben. Beobachter der Cites-Konferenzen wissen seit Langen, mit welchen Bandagen zwischen den Vertragsstaaten gepokert wird. So legt man armen Ländern zuweilen nahe, mit den Blockierern zu stimmen, wenn sie ihre Entwicklungshilfe-Zahlungen nicht gefährden wollen. Anderen wird mit indirekten wirtschaftlichen Sanktionen gedroht. Und an allen Ecken der Konferenz gehen Lobby-Organisationen unter den Delegierten auf Stimmenfang.

Wobei es vor allem um die wirtschaftlichen Interessen des Westens geht. Afrikas Wünsche im globalen Wettbewerb zählen offenbar eher wenig. Zum Glück für Umweltverbände, die gegen eine Lockerung des Elfenbeinhandels waren, wie Afrika sie sich gewünscht hatte. Tansania und Sambia dürfen auch ihr noch gelagertes Elfenbein nicht verkaufen – selbst dann nicht, wenn sie mit dem Erlös den Schutz der bedrohten Elefanten fördern wollten. Was zeigt, dass ein generelles Handelsverbot nach Cites nicht immer die sinnvollste Lösung ist. Im Fall des Roten Thunfischs hätte beispielsweise eine Aufnahme in Anhang I des Abkommens auch das Aus für Aquafarmen bedeutet, die nachhaltige Methoden zur Thunfischzucht entwickeln.

Fische aber haben es seit jeher schwer, in das Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen zu werden, zu viele verdienen an ihnen. Eine Reihe Länder vertreten die Auffassung, die Fischerei solle von dieser Art des Tierschutzes unberührt bleiben. Und so hebelten die 175 Länder auch in diesem Jahr wieder ihre eigens verabredeten Mechanismen aus und verwiesen zum Schutz von Hai und Thunfisch auf die Internationale Kommission für den Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT), die der Überfischung mit niedrigeren Fangquoten Einhalt gebieten soll.

Dabei wird ignoriert, dass bestehende Fangquoten für viele Fischarten – auch in Europa – jetzt schon nicht eingehalten werden. Doch noch immer hat die EU kein wirksames Kontrollmittel gefunden, um die illegale Fischerei einzudämmen. Wie absurd das Abstimmungsverfahren der Cites ist, zeigt auch das Beispiel des Heringshais: Am Dienstag fand sich eine knappe Mehrheit für den Antrag aus Deutschland zum Schutz desselben. Doch damit ist der Meeresbewohner noch lange nicht sicher. Bis zum 25. März haben die Staaten noch Zeit, eine erneute Abstimmung zu beantragen. Solange, bis ihnen das Ergebnis passt?

Nach einer Woche Artenschutz-Basar ist daher wohl die Frage nach dem Sinn eines Abkommens erlaubt, das selbst Tieren, die bereits auf der Roten Liste stehen, nicht helfen kann. Nicht, dass nichts geschützt würde. Doch eine Chance auf Rettung haben nur wirtschaftlich uninteressante Arten, wie einige Pflanzen und Frösche.

Es ist ein Pokerspiel mit gezinkten Karten und ständig neuen Regeln. Einen ehrlichen, globalen Artenschutz kann es damit nicht geben. Bleibt zu hoffen, dass einige Länder ihre heimischen Arten selbst unter Schutz stellen – per Gesetz.