Auch die Nordhalbkugel konnten die Würmer erobern
In einer zweiten Auswanderungswelle vor etwa 28 Millionen Jahren wanderten die Blindschlangen entweder aus Afrika oder aus Indien nach Asien ein, das damals noch am nördlichen Superkontinent Laurasia klebte. Zu dieser Zeit tauchten sie auch in Australien auf. Da aber keine Landverbindung zwischen Asien und Australien bestand, müssen die Blindschlangen als Treibgut über das Meer gedriftet sein. Damals lag der Meeresspiegel besonders niedrig und die Verbindungen zwischen den Kontinenten begannen gerade erst, sich zu formen.
Die Theorie klingt ungewöhnlich, aber die Biologen haben noch eine zweite zeitliche Korrelation gefunden, die dafür spricht, dass die Schlangen über das Meer getragen wurden. Vor etwa 100 Millionen Jahren zerbrach auch West-Gondwana und trennte sich in Afrika und Südamerika auf. Aber die genetische Aufspaltung der Blindschlangen zwischen den beiden Kontinenten erfolgte erst vor 63 Millionen Jahren. Das bedeutet: Die Blindschlangen kamen nach der Spaltung West-Gondwanas zunächst nur in Afrika vor. Da sie sich später nachweislich in Südamerika ansiedelten, müssen sie den Atlantik überquert haben.
Eine solche Ausbreitung wurde bisher selten dokumentiert, nur sechs oder sieben andere Wirbeltiere haben den Atlantik von Ost nach West überwunden. Für die Blindschleichen dürfte das nach Ansicht der Forscher aber kein Problem gewesen sein. Ihre Reise dauerte nur geschätzte sechs Monate. Vermutlich reisten die Würmer, die mit wenig Futter auskommen, als blinde Passagiere auf Flößen aus Treibholz und Pflanzenresten mit. Dort fanden sie womöglich ein paar Insekten als Notration.
"Manche Wissenschaftler argumentieren, dass die Ausbreitung von unterirdisch lebenden Tieren über das Wasser doch sehr unwahrscheinlich ist", sagt Hedges, "Unsere Daten bekräftigen die Aussage, dass auch unwahrscheinliche Ereignisse während der Evolutionsgeschichte stattgefunden haben."
- Datum 31.03.2010 - 18:03 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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