Artenschutzkonferenz in DohaGeht die Jagd auf Haie uneingeschränkt weiter?

Eine Resolution, der den Schutz von Haien erleichtert hätte, scheiterte auf der Artenschutzkonferenz im Emirat Qatar. Die endgültige Entscheidung steht noch aus. von 

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Diese Weiße Hai schwimmt in der südafrikanischen Gändebucht (Gansbaai). In Europa sind viele kleinere Haiarten gefährdet  |  © Dan Kitwood/Getty Images

Die Hoffnung auf mehr Schutz für bedrohte Haiarten könnte auf der Artenschutzkonferenz in Doha enttäuscht werden. Dort fand sich unter den 175 Unterzeichnerstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) keine Mehrheit für eine Maßnahme, die den Schutz der bedrohten Tiere vereinfacht hätte. Die Resolution sollte für mehr Transparenz im Haifisch-Handel sorgen und die Forschung zu der bedrohten Art fördern.

Allein in der EU sind nach Angaben der Europäischen Kommission rund ein Drittel der Haiarten wegen Überfischung bedroht. Viele der in Europa gefischten Haie werden nach Asien exportiert, wo vor allem die Nachfrage nach Flossen hoch ist. "Insbesondere Spanien spielt eine große Rolle für den Haifischflossenfang", sagte Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW). Wegen der begehrten Flossen seien viele Haiarten in den vergangenen 50 bis 60 Jahren um 70 bis 80 Prozent reduziert worden.

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In China werden die Flossen zum Beispiel zu Suppe verarbeitet – eine Delikatesse, die sich in Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs immer mehr Chinesen leisten können. Die Haie haben dabei das Nachsehen. Es gibt sogar Berichte, wonach Fischer den Haien die Flosse bei lebendigem Leib abschneiden. 74 der rund 400 beschriebenen Haiarten stehen auf der Roten Liste bedrohter Tiere. Besonders gefährdet sind der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini) und der Weißspitzen-Riffhai (Triaenodon obesus).

Cites-Abkommen

Viele Tiere und Pflanzen sind durch den internationalen Handel vom Aussterben bedroht. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen wurde 1973 ins Leben gerufen, um den Handel mit bedrohten Arten zu begrenzen oder ganz zu verbieten. Auf Englisch ist das Abkommen unter dem Namen Cites (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) bekannt. Inzwischen hat es 177 Mitgliedsländer.

Geschützte Arten

In das Abkommen sind bislang mehr als 5.000 Tier- und rund 29.000 Pflanzenarten aufgenommen worden. Sie werden in drei Anhängen gelistet:

Anhang I enthält vom Aussterben bedrohte Arten wie Großwale, Menschenaffen, Tiger und – mit Ausnahmen für einige Länder – Elefanten. Mit diesen Arten oder ihren Produkten darf international nicht gehandelt werden.

Anhang II umfasst etwa Geckos und einige Affenarten. Der Handel mit ihnen unterliegt strengen Auflagen. Die Art darf dadurch nicht weiter gefährdet werden. Die meisten der gelisteten Arten stehen in diesem Anhang.

Anhang III
verzeichnet Arten, die von einem Land in seinem Hoheitsbereich unter Schutz gestellt wurden. (Quelle: dpa)

Ergebnisse der Bangkok-Konferenz

Erstmals seit des Washingtoner Artenschutzabkommens wird der Handel mit fünf kommerziell und weltweit gefischten Haiarten unter Aufsicht gestellt. Weißspitzen-Hochseehaie, drei Arten Hammerhaie und Heringshaie dürfen künftig nur noch aus nachhaltigen Beständen in den Handel kommen.

Der unkontrollierte Handel mit Ebenhölzern, Rosenhölzern und Palisander aus Südostasien, Lateinamerika und Madagaskar wird gestoppt. Holzlieferungen brauchen künftig Exportpapiere, die nur ausgestellt werden dürfen, wenn die Art durch die Abholzung nicht gefährdet ist.

Angesichts der steigenden Wilderei von Elefanten und Nashörnern in Afrika wird Wildtierkriminalität künftig nicht mehr nur als Vergehen, sondern als Straftat eingestuft.

Der Handel mit Dutzenden Arten (darunter Seekühe, Schildkröten, Frösche, Geckos) wird erstmals unter Aufsicht gestellt.

Ein Antrag auf Einschränkung des Handels mit Eisbärfellen scheiterte. Jedes Jahr sterben deshalb rund 400 Eisbären, vor allem in Kanada. Die Gegner sagen, die Bestände  seien noch nicht gefährdet.

Der Handel mit Tigern und Menschenaffen ist zwar seit langem verboten, doch wird auch hier gewildert. Die Unterzeichner der Konvention einigten sich nur darauf, die Lage zu beobachten und resoluter gegen Wilderer vorzugehen.

Auf der Konferenz in Doha verhandeln die Vertragsstaaten noch bis zum 25. März. Spannend bleibt, ob sich eine Mehrheit für den Schutz des Roten Thunfischs finden wird, der im Mittelmeer gefischt und hauptsächlich nach Japan exportiert wird, um dort zu Sushi verarbeitet zu werden. Genau deshalb wehrt sich vor allem Japan dagegen, den Roten Thunfisch in Anhang I des Abkommens aufzunehmen: Denn das würde den internationales Handel mit dem Fisch verbieten. Inzwischen unterstützen China und einige arabische Staaten Japan bei dem Versuch, eine Mehrheit für den Thunfischschutz in Doha zu verhindern. Die Entscheidung könnte auch vertagt werden, um die nächste Sitzung der Internationalen Kommission für den Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) abzuwarten.

Die EU hatte sich trotz der Fischerei-Interessen einiger Länder im Vorfeld der Artenschutzkonferenz auf eine einheitliche Linie einigen können: Sie unterstützt das Vorhaben, den Thun unter Schutz zu stellen – allerdings frühestens ab 2011. Einige Wissenschaftler und Fischzüchter halten ein generelles Handelsverbot allerdings nicht für sinnvoll, da dies auch die Forschung an einer nachhaltigen Zucht ausbremsen würde. Wichtiger sei es, die bestehenden Fangquoten – anders als in der Vergangenheit – in der EU strikt einzuhalten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Union | Jagd | Doha | Fisch | Forschung | Resolution
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