Artenschutzkonferenz in Doha Doch kein Schutz für den Heringshai

In einer erneuten Abstimmung am letzten Tag der Artenschutzkonferenz Cites wurde Deutschlands Antrag abgelehnt. Damit bekommt keine der bedrohten Hai-Arten mehr Schutz.

Enttäuschung für Tierschützer: Die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens Cites haben zum Abschluss ihrer Konferenz im Emirat Qatar einen deutschen Antrag zum Schutz des Heringshais wieder gekippt. Damit wurden sämtliche Papiere zum Schutz der Haie von der Konferenz abgeschmettert. Nicht nur die Tierschützer, sondern auch die deutsche Delegation hatte sich am vergangenen Dienstag gefreut, als bei einer ersten Abstimmung zum Schutz des Heringshais knapp die erforderlicher Zweidrittelmehrheit erreicht worden war.

Mehrere Fischfang-Nationen veranlassten jedoch am Donnerstag eine zweite Abstimmung durch die Vollversammlung, bei der der Antrag dann abgeschmettert wurde. Das bedeutet, dass für den Handel mit Heringshaien auch künftig keine Ausfuhrgenehmigungen notwendig sind.

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Das Cites-Abkommen

Viele Tiere und Pflanzen sind durch den internationalen Handel vom Aussterben bedroht. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen wurde 1973 ins Leben gerufen, um den Handel mit bedrohten Arten zu begrenzen oder ganz zu verbieten. Auf Englisch ist das Abkommen unter dem Namen Cites (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) bekannt. Inzwischen hat es 175 Mitgliedsländer.

Geschützte Tiere und Pflanzen

In das Abkommen sind bislang mehr als 5000 Tier- und rund 29.000 Pflanzenarten aufgenommen worden. Sie werden in drei Anhängen gelistet:

Anhang I enthält vom Aussterben bedrohte Arten wie Großwale, Menschenaffen, Tiger und – mit Ausnahmen für einige Länder – Elefanten. Mit diesen Arten oder ihren Produkten darf international nicht gehandelt werden.

Anhang II umfasst etwa Geckos und einige Affenarten. Der Handel mit ihnen unterliegt strengen Auflagen. Die Art darf dadurch nicht weiter gefährdet werden. Die meisten der gelisteten Arten stehen in diesem Anhang.

Anhang III
verzeichnet Arten, die von einem Land in seinem Hoheitsbereich unter Schutz gestellt wurden. (Quelle: dpa)

"Die Meere bleiben ein weißer Fleck beim Artenschutz", kritisierte der stellvertretende deutsche Delegationsleiter in Doha, Gerhard Adams. "Hinter dieser Entscheidung stehen vor allem Singapur, China und Japan", sagte Volker Homes von der Umweltstiftung WWF. Er sprach von einem "Debakel für den Tierschutz".

Ein zweiter deutscher Antrag zum Schutz des Dornhais, aus dessen Bauchlappen die Fischhändler Schillerlocken herstellen, war bereits zuvor abgelehnt worden. Auch Anträge der USA für eine Kontrolle des Handels mit Hammerhaien und dem Weißspitzen-Hochseehai kamen nicht durch.

Insgesamt ist das Ergebnis der Artenschutzkonferenz für Umweltverbände enttäuschend. Weder der Handel mit Haien, deren Flossen in Asien zu Suppe verarbeitet werden, noch der Export des bedrohten Roten Thunfisch für Sushi wird beschränkt – und das, obwohl der Bestand dieser Fische nachweislich dramatisch zurückgegangen ist und bisher festgelegte Fangquoten nicht eingehalten wurden.

Auch der Handel mit Eisbär-Produkten bleibt erlaubt. Elefanten und Tiger haben zumindest ihren bisherigen Schutzstatus nicht verloren. Anträge, den Handel mit gelagertem Elfenbein für eine bestimmte Zeit zu erlauben, wurden abgelehnt. Und der zunehmende Handel mit Wildtieren im Internet soll besser kontrolliert werden.

"Die Vertragsstaaten haben es versäumt, im UN-Jahr der Biodiversität ein klares Signal gegen den Artenschwund zu setzen", sagt Ralf Sonntag, Leiter des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) in Deutschland. "Der Artenschutz hat deutlich gegen Fischereiinteressen verloren. Dabei ist es höchste Zeit, vielen Tierarten Schutz zu gewähren. Anstatt unsere Erde zu schützen, haben sich Politiker beim Hinterzimmergeschacher von kurzfristiger Profitgier beeinflussen lassen. Wieder einmal haben sie dabei versagt, langfristig zu denken und zu handeln."

 
Leser-Kommentare
  1. ... dieser Konferenz, ausser das sich ein paar Deligierte auf Staatskosten in Doha vergnügten?
    Naja, viele schaffen es nicht einmal Mitleid mit hungernden Kindern in Afrika oder Familien auf H-IV zu haben, welche Chance haben da Tiere?

  2. ...dann waren die Massensterben der Erdgeschichte ein Dreck gegen das was wir in unserem Wahn diesem schönen Planeten antun. Die Unfähigkeit, besonders der Asiaten, auch nur an morgen, geschweige denn an übermorgen zu denken ist schon entmutigend.

    • Waysen
    • 25.03.2010 um 19:13 Uhr

    Es ist geradezu peinlich wie sich einige Staaten der Welt
    im Zusammenhang mit Tierschutz verhalten.
    Wir haben in Europa selbst genug dafür getan viele Fischarten an den Rand des Aussterbens zu befördern, (und sind noch fleißig dabei) aber was besonders Staaten wie China und Japan explizit zum Hai-Schutz "nicht" beitragen, überschreitet für meinen Geschmack die Grenze zur Dummheit. Die Haie im Allgemeinen sind vielleicht der wichtigste ökologische Faktor der Weltmeere. Wenn sie aussterben - und die Ozeane daher nicht mehr ausreichend "reguliert" und "gesäubert" werden - könnte das gesamte System Meer "umkippen", und zwar in vergleichbarer Art und Weise wie diese Vokabel bei der Sauerstoffverarmung in Süßgewässern gebraucht wird. Es würde ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen sehr vielen Räuber-Beute Beziehungen entstehen, die auf längere Sicht (vermutlich aber nur in wenigen Jahrzenten) zum Aussterben vieler Fischarten führen könnte. Und je mehr Arten verschwinden, desto größer ist die Sogwirkung, welche weitere Bewohner der Meere in den Abgrund des Verschwindens zieht.
    Bis wir irgendwann im Urlaub beim schwimmen/tauchen im Meer nur noch dicke, erstickende Quallen- und Algenteppiche zu bewundern haben. Nicht das diese Lebensformen weniger Berechtigung haben zu existieren, aber es geht - und ging bei dieser Konferenz- um die viel beschriebene Diversität. Die Vielfalt...die unseren Planten - unter anderem - so einzigartig macht.

    • Waysen
    • 25.03.2010 um 19:13 Uhr

    Zumindest kann man davon ausgehen, dass die Bewohner vieler Länder, womöglich in 100 oder schon 50 Jahren, äußerst peinlich berührt sein dürften, wenn ihre Kinder in den Geschichtsbüchern erfahren, dass unter anderem ihre unfähigen, an schwachsinnigen Traditionen festhaltenden, evtl. korrumpierten politischen Landsleute einen beträchtlichen Teil zur vorliegenden ökonomischen Situation beigetragen haben.

    Mehr Geld für WWF, GREENPEACE und Co.

    tschüsS

  3. ...nicht "Umweltschutz" oder "Tierschutz" sondern "Leben-auf-der-Erde-Schutz" heißen, damit auch den letzten Ignoranten klar wird, dass der aktuelle Umgang der Menschheit mit unserem PLaneten zu unserem eigenen Untergang führen kann, bzw. dass er sehr wahrscheinlich dazu führen wird.
    "Bedrohte Umwelt", "bedrohte Tierarten" und "gefährdete Ökosysteme" klingt immer so schön weit weg und scheint niemanden persönlich zu betreffen.
    Hauptsache, nochmal ordentlich was Leckeres auf dem Teller oder nochmal schön Geld in die Taschen der Ausbeutungsindustrie, über die Folgen können sich ja unsere Nachkommen Gedanken machen!
    Klappt bloss nicht, da schon in recht naher Zukunft viele dieser Sünden bestraft werden.
    Der Mensch ist im Grunde leider primitiv.

    • Scyles
    • 25.03.2010 um 22:20 Uhr

    Beim Thun sind die Japaner schuld und bei den Haien die Chinesen. Komisch, daß ausgerechnet die Europäer einen riesigen, wenn nicht den größten Teil der Haiflossen nach China liefern.
    Mit ihrer riesigen, übersubventionierten Industrieflotte ist Europa an erster Stelle für Überfischung und Raubbau verantwortlich. Und wird sich bei Thun und Hai achselzuckend hinter den CITES Entscheidungen verstecken und weitermachen wie zuvor.

    Als kleiner Hinweis: 70-80% unseres Sauerstoffes verdanken wir einem funktionierenden Meer.

    @ausdemnorden: man könnte es noch drastischer formulieren: Umweltschutz = Selbstschutz

  4. Es wird in naher >Zukunft zu einem grauenvollen Ende kommen. Aufjedenfall kann ich dann sagen das ich alles was in meiner Macht steht getan habe um das zu verhindern,[...]. Es wird nicht schnell kommen, aber schleichend und stetig wird uns nicht nur die Luft ausgehen sondern auch das Essen und Trinken.

    Es ist schwer das alles zu beweise, jedoch bezweifle ich Leider das es anders kommen wird.

    Bitte verzichten Sie auf geschmacklose Bemerkungen. Die Redaktion/sh

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