Geowissenschaftler Ulrich Schwarz-Schampera "Die Welt besitzt genügend Vorräte"

Gehen unserer Industrie die Rohstoffe aus? Und welche alternativen Quellen könnte sie sich erschließen? Ein Gespräch mit Ulrich Schwarz-Schampera von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Der Bedarf an Rohstoffen ist vielschichtig und allgegenwärtig. Aus geologischer Sicht drohen keine Engpässe, doch die Gewinnung könnte zunehmend aufwendiger werden

Der Bedarf an Rohstoffen ist vielschichtig und allgegenwärtig. Aus geologischer Sicht drohen keine Engpässe, doch die Gewinnung könnte zunehmend aufwendiger werden

Frage: Der Markt für Rohstoffe wirkt immer stärker umkämpft, die Preise schwanken massiv. Was bedeutet das für die zukünftige Rohstoffversorgung der Bundesrepublik?

Ulrich Schwarz-Schampera: Der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie, Anm. d. Red.) sieht die zukünftige Rohstoffversorgung mit Sorge und steht bezüglich der zukünftigen Bedarfsdeckung in engem Kontakt mit der Bundesregierung. Die Frage ist also aktuell, drängend und wird auch als Problem erkannt. Das betrifft allerdings weniger Rohstoffe wie Kupfer oder Eisen, deren Bedarf nicht zuletzt zu einem gewissen Prozentsatz durch Recycling gedeckt werden kann. Die BGR bekommt vor allem immer wieder Anfragen zu den Sondermetallen und deren Verfügbarkeit – etwa aus der Solarbranche. Diese benötigt unter anderem größere Mengen an Indium, dessen statische Reichweite häufig nur mit fünf bis sechs Jahren angegeben wird – das ist die Zeitspanne, für die die momentan bekannten globalen, wirtschaftlich förderbaren Vorkommen eines Erz beim gegenwärtigen Verbrauch reichen würden. Und das schafft entsprechende Nervosität bei den darauf angewiesenen Firmen.

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Frage: Ist das Material tatsächlich so knapp?

Schwarz-Schampera: Wir versuchen die Sorge zu nehmen, dass durch eine geologische Verknappung die Preise übermäßig steigen oder die Metalle ganz ausgehen, weil die statische Reichweite vermeintlich kurz ist. Dem ist nicht so: Geologisch existieren keine Beschränkungen, auch wenn vereinzelt der Aufwand zur Gewinnung dieser Rohstoffe mit der Zeit größer werden könnte.

Leser-Kommentare
  1. SO herrlich unaufgeregt. Jeder Versuch, zumindest ein paar kleine Ängste bestätigt zu bekommen, wird von Herrn Schwarz-Schampera mit trockener Darstellung von Sachverhalten sofort unterlaufen. Sogar die Überschrift kam ohne Konjunktiv aus! Bitte mehr davon!

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    Man hat ja beinahe schon vergessen, dass es auch ohne Alarmimus geht.
    Herrlicher Artikel. Fakten, bedachte Interpretationen und Ausblicke. Mittlerweile leider Mangelware...

    Man hat ja beinahe schon vergessen, dass es auch ohne Alarmimus geht.
    Herrlicher Artikel. Fakten, bedachte Interpretationen und Ausblicke. Mittlerweile leider Mangelware...

  2. Man hat ja beinahe schon vergessen, dass es auch ohne Alarmimus geht.
    Herrlicher Artikel. Fakten, bedachte Interpretationen und Ausblicke. Mittlerweile leider Mangelware...

  3. Was sind die von Herrn Schampera als nicht existent bezeichneten geologischen Beschränkungen? Das wäre doch mal eine Nachfrage wert gewesen. Wir leben offenbar doch auf einem unbegrenzten Planeten.

    Aufgabe der BGR ist also, "die Sorge zu nehmen", dass die "Preise übermässig steigen". Man kann da auch anderer Meinung sein, ob solch ein "Sorgenmanagement" zur Aufgabe der BGR gehört. Das Bemühen um die frohe Botschaft, dass die Party weitergehen kann, wird Herrn Brüderle als obersten Dienstherr der BGR sicher freuen, und für gute Stimmung will die BGR offenbar gerne sorgen, so wie die Tanzkapelle auf der Titanic. Warum interviewen Sie nicht mal ein paar Geologen, die nicht die offiziellen Sprachregelungen der Regierung ablesen müssen?

    Herr sabelotodo kennt die Wahrheit natürlich schon vorher...

  4. dass es in dem Interview ausschließlich um Metalle geht.
    Ein Blick auf das Periodensystem über meinem Schreibtisch lässt mich aber stutzig werden. Mit keinem Wort werden fossile Primärenergieträger erwähnt. Auch einige Halbmetalle habe ich vermisst.

    • K.P.R.
    • 02.03.2010 um 22:03 Uhr

    nicht erwähnt ist auch Phosphat, ohne dem kein Leben möglich ist, und dessen Vorräte in einigen Jahrzehnten erschöpft sind.
    Ersatz dafür gibt es nicht.

    • TDU
    • 02.03.2010 um 22:38 Uhr

    Alles eine Sache der Verteilung. Die wird behindert durch den Wunsch von Zuvielem oder dem Geschwätz, es gäbe nicht nicht genug oder zuviel sei schädlich, und man müsse verzichten. Fragt man Cui Bono, weiss man, wer was will.

    Braucht man sich nur den Boden in Deutschland anzusehen. Die einen wollen ihn haben, um zu verdienen und günstigstenfalls noch was zu erwirtschaften und die andern wollen Naturschutzgebiete draus machen, um ihre Wähler zu befriedigen.

    • iboo
    • 05.03.2010 um 23:26 Uhr

    Man sollte bedenken, dass die Mitarbeiter von wissenschaftlichen Behörden bei Pressegesprächen nur die so genannte Amtsmeinung als die Meinung der Behörde nach außen geben dürfen. Und die wird wiederum nicht unwesentlich von den übergeordneten Stellen bestimmt - hier dem Wirtschaftsministerium. Und dieses hat sich auch bislang stets redlich bemüht, eventuell aufkommende Wachstums-Zweifel zu zerstreuen.
    Dementsprechend kann man auch die für einen Wissenschaftler ungewönliche zielgerichtete Äußerung "Wir versuchen die Sorge zu nehmen...", als einen subtilen Hinweis auf diese Situation verstehen.

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