Wattenmeer-Konferenz Mehr Schutz für das Welterbe Watt
Klimawandel, Verschmutzung und fremde Arten bedrohen das Wattenmeer. Deutschland, Dänemark und die Niederlande wollen nun eine klimaneutrale Zone für die Region schaffen.
© Ingo Wagner/dpa

Ein Erfolg der Wattenmeerschützer ist, dass sich wieder Kegelrobben und Seehunde angesiedelt haben
Der Klimawandel bedroht auch das Wattenmeer. Wie das neuerliche Welterbe künftig vor den Auswirkungen der Erderwärmung und anderen Einflüssen zu schützen ist, wurde jetzt auf der 11. trilateralen Wattenmeer-Konferenz von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden diskutiert. Auf der Nordseeinsel Sylt trafen sich am Donnerstag rund 100 Wissenschaftler sowie Vertreter von Umweltverbänden und Politiker.
Die drei Watt-Anrainerstaaten einigten sich darauf, die Wattenmeer-Region bis 2030 zu einer klimaneutralen Zone zu machen. Über die Ländergrenzen hinweg sollen Projekte gestartet werden, um Kohlenstoffdioxid zu sparen und erneuerbare Energien zu nutzen. "Die Wattenmeer-Region hat hier eine Beispiel gebende Funktion, als Region, die besonders unter dem Klimawandel leidet", sagt Jürgen Maaß, der Pressesprecher des Bundesministeriums für Umwelt.
"Der Klimawandel ist die größte Herausforderung. Wenn in 100 Jahren das Wattenmeer nur noch halb so groß ist, hilft auch der Welterbetitel nicht", sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des Wattenmeer-Büros der Naturschutzorganisation WWF. Er bezog sich damit auf einen Appell von Schleswig-Holsteins Umweltministerin Juliane Rumpf (CDU). "Das dänische Wattenmeer fehlt noch im Unesco-Welterbe", sagte Rumpf. Sie wolle Dänemark ermutigen, das Naturerbe so bald wie möglich zu komplettieren. Derzeit erstreckt sich das Welterbe nur über den niederländischen und deutschen Teil des Wattenmeers. Die dänische Umweltministerin Karen Ellemann sicherte einen ersten Schritt auf diesem Weg zu. Bis zum Jahresende solle das dänische Wattenmeer als Nationalpark ausgewiesen sein.
Naturschützer Rösner mahnt zum baldigen Handeln. "Wir müssen dem Watt die Möglichkeit geben, mit dem Meeresspiegelanstieg mitzuwachsen." So wie es die Halligen seit Jahrtausenden tun, dank der Sandanspülungen. Diese Zeit hat das Watt nicht. Sand aus der Nordsee zuzuführen wie für die Strände auf Sylt, wäre eine Möglichkeit, doch Rösner setzt auf natürliche Prozesse.
Nicht nur um die Klimawirkungen auf das Watt ging es auf der Konferenz in Westerland. Eine weitere zentrale Frage lautete: Wie soll mit eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten umgegangen werden? Karsten Reise vom Alfred-Wegner-Institut berichtet, durch fremde Arten gehe die Identität des biologischen Systems verloren. "Es geht nicht darum, eingeschleppte Arten wieder zu entfernen, sondern die weitere Einschleppung zu verhindern", sagt auch Rösner. Fremde Krebse, Muscheln, Quallen und Algen geraten vor allem durch das Ballastwasser großer Schiffe von einem Punkt der Welt an einen anderen und vermehren sich dort.
Schließlich diskutierten die Teilnehmer der Wattenmeer-Konferenz unter anderem noch die Sicherheit bei Schiffen, die Fischerei Im Wattenmeer, den Tourismus und die Verschmutzung des Meeres. Ursula Heinen-Esser (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundes-Umweltministerium, betonte, das Wattenmeer dürfe nur im Einklang mit den Menschen im betroffenen Gebiet geschützt werden. "Wir müssen akzeptieren, dass hier Menschen leben, arbeiten und auch Touristen kommen."
Die sogenannte Trilaterale Regierungskooperation zum Schutz des Wattenmeers gibt es bereits sei 1978 – und kann laut Naturschützer Rösner Erfolge vorweisen: Die Salzwiesen blühen wieder, die Kegelrobben sind zurück. "Wir haben viel erreicht", sagt er. Nach dem Ende der Konferenz auf Sylt übernimmt Dänemark den Vorsitz. Die drei Staaten treffen sich derzeit alle drei bis vier Jahre.
- Datum 18.03.2010 - 19:12 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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