NutztiereImker beklagen massives Bienensterben

Ein massiver Befall mit Varroa-Milben hat in Deutschland 200.000 Bienenvölker vernichtet. Anders als zunächst angenommen, ist nicht der harte Winter schuld. von afp und dpa

Massives Bienensterben: Ein extremer Milben-Befall führte in Deutschland zum Verlust von 200.000 Völkern

Massives Bienensterben: Ein extremer Milben-Befall führte in Deutschland zum Verlust von 200.000 Völkern  |  © Nasser Nuri/Reuters

Damit seien in diesem Jahr mehr als doppelt so viele Honigbienen gestorben wie sonst im Winter üblich, berichtete die Süddeutsche Zeitung . Das gehe unter anderem aus Umfragen der Universität Bochum sowie aus Angaben der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim hervor.

Dass bundesweit beinahe jeder vierte Bienenstock zugrunde ging, liegt demnach an dem frühen Frühling des vergangenen Jahres. Die Varroa-Milbe habe sich deshalb gut vermehren können, der blutsaugende Parasit habe die Bienen dann im Herbst bei der Vorbereitung auf den Winter angegriffen.

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Von den insgesamt 3600 befragten Imkern mit etwa 60.000 Völkern klagten vor allem jene aus Süddeutschland über hohe Verluste , berichtete die Zeitung.

Schon im Spätsommer 2009 hatten viele Imker Grund zur Sorge. Ihre Schützlinge waren sichtbar entkräftet. "Zu diesem Zeitpunkt waren erstaunlich viele Honigbienen von der Varroa-Milbe befallen, die den Bienen in Europa seit Jahren stark zusetzt", sagt Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim.

Die Milben nisten sich als Parasiten im Bienenstock ein, schwächen ihre Wirte und übertragen weitere Krankheiten. Ohne eine Behandlung gehen befallene Völker unweigerlich ein.

Besonders ungünstig waren die klimatischen Bedingungen in vielen süddeutschen Regionen, etwa im Schwarzwald. Daher befürchtet Rosenkranz, dass in Baden-Württemberg bis zu 30 Prozent der Bienen im Winter gestorben sind.

Diese Verluste schaden nicht nur den Geschäften der Imker, auch für die Landwirtschaft sind sie bedeutsam. Nach Rind und Schwein ist die Biene das drittwichtigste Nutztier in Deutschland, von ihrer Bestäubung sind 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen abhängig. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schätzt ihren wirtschaftlichen Nutzen daher auf etwa zwei Milliarden Euro jährlich.

Bienenforscher Rosenkranz sieht die Bestäubung der Obstwiesen und Getreidefelder aber nicht in Gefahr: "Denn das ist ohnehin jedes Jahr eine Massenschlacht, zu der unsere Bienenvölker meist viel mehr Bienen bereitstellen als eigentlich nötig wären."

Die Versorgung mit Bienen sei deutschlandweit fast überall gut, lediglich in wenigen Regionen gebe es regelmäßig Engpässe ­ etwa im Obstanbaugebiet Altes Land südlich von Hamburg . Dorthin werden zur Blütezeit jedes Jahr mehrere Tausend Bienenvölker gebracht, die jeweils bis zu fünf Kilogramm Nektar am Tag sammeln. Die Bestäubungsarbeit erledigen sie dabei ganz nebenbei.

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Leserkommentare
  1. ..."ihrer Bestäubung sind 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen abhängig"... So,so! Welche denn? Gräser (Roggen, Weizen, Gerste, Hafer)? Kartoffeln? Rüben? Mais? 80% aller potentiell landwirtschaftlich nutzbaren Pflanzen sind sicherlich auf Bienen (und die vielen vielen anderen Insekten) angewiesen, aber ganz konkret trifft dies natürlich nur auf einen kleinen Teil unserer Nahrungsmittel zu... Bitte etwas mehr Mühe bei der Recherche! Dürfte man die Milbe übrigens konkret bekämpfen, wäre auch den Bienen geholfen...

  2. Es würde mich doch mal interessieren ob es einen Zusammenhang zwischen dem Ertrag eines Bienevolkes (wie oft wird ihr Honig geerntet) und der Anfälligkeit für Krankheiten gibt. Hat das mal jemand untersucht?

    Eine Leserempfehlung
  3. Auf die kritische Situation viele Imker aufmerksam zu machen, ist richtig und wichtig. Ich vermisse allerdings ein paar Sätze dazu, dass auch die geneigten Leser etwas dazu beitragen können, die Imker bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
    So kann jeder im Garten oder auch nur im Blumenkasten etwas Bienenweide (=schöne Blumen) sähen. Infos dazu gibt es bei Mellifera (http://www.mellifera.de). Und einfach Honig aus Deutschland kaufen. Die größte Auswahl an Honig aus Deutschland im Internet gibt es bei Heimathonig.de (http://www.heimathonig.de) Die Importquote bei Honig liegt bei 80%, das muss auch mal gesagt werden.

  4. In unserer Kulturlandschaft sind Bienen ein wesentlicher Bestandteil, ohne die keine reichen Ernten möglichwären.
    Honigbienen sind komplexe Lebewesen, wie man auf http://www.bee-info.de nachlesen kann. Der schlimmste Parasit der Bienen ist die Varroa Milbe, die hierzulande eines der Ursachen für das Bienensterben ist.

    • Ischma
    • 23. September 2010 16:11 Uhr

    »Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.« Albert Einstein

    Eine Leserempfehlung
  5. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Danke, die Redaktion/fk.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Biene | Euro | Frühling | Herbst | Krankheit | Landwirtschaft
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